Finanzen

Finfluencer: Wie Social Media junge Anleger in die Falle lockt

Junge Anleger lassen sich von Finfluencern in sozialen Netzwerken verführen – mit fatalen Folgen. Schweden greift jetzt durch: Die dortige Finanzaufsicht warnt vor falschen Versprechen und gefährlichem Herdentrieb. Auch deutsche Aufsichtsbehörden sehen die Entwicklung mit Sorge und prüfen ähnliche Maßnahmen.
21.10.2025 09:11
Lesezeit: 1 min

Finanzaufsicht startet Aufklärungskampagne zu Social-Media-Investments

Immer mehr junge Menschen treffen ihre Anlageentscheidungen auf Basis von Ratschlägen in sozialen Netzwerken. Die schwedische Finanzaufsichtsbehörde (Finansinspektionen, FI) reagiert nun mit einer Informationskampagne, um das Bewusstsein für die Risiken solcher Empfehlungen zu schärfen. Laut FI vertraut bereits mehr als jeder fünfte junge Erwachsene auf sogenannte Finfluencer – also Personen, die in sozialen Medien Tipps zu Geldanlage und Privatfinanzen geben. „Finfluencer, die Ratschläge zu Investments und finanzieller Lebensplanung teilen, haben einen wachsenden Einfluss. Doch wer ihre Empfehlungen unkritisch übernimmt, kann erhebliche Verluste erleiden“, warnt Moa Langemark, Verbraucherschutzökonomin bei der FI, in einer Mitteilung. Ziel der Initiative sei es, Verbraucherinnen und Verbraucher für die Fallstricke im digitalen Finanzumfeld zu sensibilisieren.

Junge Anleger sollen lernen, Risiken besser einzuschätzen

In den kommenden Wochen wird die FI verstärkt in sozialen Medien werben, um auf die Gefahren hinzuweisen, die entstehen, wenn Nutzerinnen und Nutzer Anlageentscheidungen auf Tipps in ihren Feeds stützen. Zu den wichtigsten Hinweisen gehören: zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden, Versprechen über schnellen Reichtum skeptisch zu betrachten, sich auf das eigene Urteilsvermögen statt auf Followerzahlen zu verlassen und Werbung oder Betrugsversuche zu erkennen. „Seien Sie besonders vorsichtig, wenn jemand Sie direkt kontaktiert, Sie in Chatgruppen einlädt oder versucht, Sie unter Druck zu setzen, um zu investieren“, mahnt die Behörde. Neben den Verbrauchern sollen auch Finfluencer selbst lernen, welche rechtlichen Regeln für das Verbreiten finanzieller Inhalte gelten, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden.

Bedeutung auch für deutsche Anlegerinnen und Anleger

Auch in Deutschland wächst die Zahl junger Investorinnen und Investoren, die sich auf Finfluencer stützen. Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube werden zunehmend zu Quellen für Finanzwissen – allerdings oft ohne ausreichende Kontrolle oder Haftung. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beobachtet ähnliche Entwicklungen und hat wiederholt vor irreführenden Anlageempfehlungen gewarnt. Ein direkter Austausch zwischen der FI und der BaFin über Aufklärungsmaßnahmen ist bisher nicht bekannt, doch die Kampagne aus Schweden könnte als Vorbild für eine breitere europäische Initiative dienen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Börsen geraten unter Druck: Welche Chancen Anleger jetzt nutzen können
31.03.2026

Geopolitische Spannungen belasten die US-Börsen und verschieben die Kräfteverhältnisse an den Finanzmärkten spürbar. Welche Dynamiken...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ostdeutsche Wirtschaft tritt auf die Bremse: Geschäftsklima sinkt erneut
31.03.2026

Die konjunkturelle Stimmung in Ostdeutschland hat sich im März leicht eingetrübt. Laut aktuellen Daten des Ifo-Instituts Dresden sank der...

DWN
Politik
Politik Ost-West-Pipeline gewinnt an Bedeutung: Saudi-Arabien umgeht Straße von Hormus
31.03.2026

Saudi-Arabien erhöht mit der Ost-West-Pipeline seine Exportkapazität und umgeht damit gezielt die Straße von Hormus als geopolitisches...

DWN
Finanzen
Finanzen Schuldenberg wächst: Bundeshaushalt verzeichnet Rekordplus an Krediten
31.03.2026

Deutschlands Staatsschulden sind im Jahr 2025 massiv um 144 Milliarden Euro angestiegen. Wie die Bundesbank mitteilt, ist dieser Zuwachs...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energie-Garantie für den Osten: PCK Schwedt bleibt Brandenburgs industrielles Herz
31.03.2026

Die Zukunft der PCK-Raffinerie in Schwedt ist laut der Ostbeauftragten Elisabeth Kaiser vorerst gesichert. Nach dem Verzicht auf russisches...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Risikomanagement im Unternehmen: Woran sich strategische Schwachstellen früh erkennen lassen
31.03.2026

Unternehmen sehen sich zunehmend mit geopolitischen Konflikten, wirtschaftlicher Unsicherheit und technologischen Umbrüchen konfrontiert,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globale Preisgefahr: IWF warnt vor Inflationsschub und bedrohten Lieferketten
31.03.2026

Die militärische Eskalation in Westasien entwickelt sich zunehmend zu einer Belastungsprobe für die Weltwirtschaft. Laut aktuellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rückgang der Arbeitslosigkeit: Trendwende oder nur ein kleiner Schritt?
31.03.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt sendet im März erste Lebenszeichen einer saisonalen Erholung. Mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen um...