Wirtschaft

Höhere Strompreise im Winter? Behörden legen Bericht für Deutschland vor

Ende 2024 schnellten die Strompreise zeitweise auf mehr als 900 Euro pro Megawattstunde. Haben Anbieter die Lage ausgenutzt? Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt geben Antworten.
22.10.2025 10:03
Lesezeit: 2 min

Zu hohe Strompreise in Deutschland im Winter?

Während der sonnenarmen Zeit sind die Strompreise im Großhandel Ende 2024 kurzzeitig auf mehr als 900 Euro pro Megawattstunde gestiegen. Hinweise auf ein missbräuchliches Verhalten der Anbieter gibt es jedoch nicht. Das ergab ein gemeinsamer Bericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt.

Demnach fanden die Behörden keine Anzeichen für Marktmanipulationen und das Zurückhalten von Erzeugungskapazitäten durch eines der fünf größten Stromerzeugungsunternehmen in Deutschland. „Die hohen Preise in dieser Zeit waren also nicht das Ergebnis kartellrechtswidrigen Verhaltens“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Versorgungssicherheit durch Reserven gewährleistet

Auslöser der Ermittlungen waren die hohen Strompreise Ende vergangenen Jahres während der sogenannten Dunkelflauten – also Wetterlagen ohne nennenswerte Sonnen- und Windstromproduktion. Zwischen dem 5. und 7. November sowie dem 11. und 12. Dezember stieg der Großhandelspreis pro Megawattstunde zeitweise auf mehr als 300 Euro, in der Spitze sogar auf mehr als 900 Euro. Im Jahresdurchschnitt 2024 lag er hingegen bei rund 79 Euro.

Geprüft wurde deshalb das Verhalten der großen Stromerzeuger EnBW, Leag, RWE, Uniper und Vattenfall. Die Behörden untersuchten unter anderem, ob gemeldete Kraftwerke auch eingesetzt wurden. Ein Hinweis auf ein verbotenes Verhalten wäre es, wenn marktbeherrschende Unternehmen verfügbare Erzeugungskapazitäten zurückhalten würden, um den Preis in die Höhe zu treiben. Laut Bericht war dies allerdings nicht der Fall. Zugleich sei die Versorgungssicherheit durch Reserven jederzeit gewährleistet gewesen.

Netzagenturchef fordert Ausbau der Kapazitäten

Das Bundeskartellamt prüft mögliche Kartellrechtsverstöße, die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungssicherheit und potenzielle Marktmissbrauchsfälle. Bisher wurden keine Verstöße festgestellt, so Netzagenturchef Klaus Müller. Einzelne Sachverhalte würden aber weiter untersucht.

Schwankende Großhandelspreise sind grundsätzlich normal. Während längerer Phasen ohne Sonne und Wind stammt der Strom überwiegend aus teureren, steuerbaren Kraftwerken – bei hoher Nachfrage steigen die Preise entsprechend. Müller rechnet auch künftig mit Dunkelflauten und hält den Ausbau steuerbarer Kapazitäten, etwa im Bereich Biomasse, für sinnvoll.

Kurzfristig hohe Stundenpreise an der Strombörse haben kaum Auswirkungen auf Endverbraucher. Versorger kaufen Strom meist über langfristige Verträge ein. Relevant sind solche Preisspitzen nur für Kunden mit flexiblen, an den Börsenpreis gekoppelten Tarifen. Das betrifft nach Angaben von Experten jedoch lediglich wenige Haushalte in Deutschland. Relevanter können hohe Preise im Großhandel für die Industrie sein. Einige Unternehmen beschaffen ihren Restbedarf sehr kurzfristig.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Leitzins angehoben: Wer sind die Verlierer und Gewinner?
15.06.2026

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für die Eurozone am vergangenen Donnerstag angehoben. Für Sparer, Kreditnehmer, Staaten und...

DWN
Politik
Politik Europäische Schlüsselstaaten wollen Kaja Kallas’ Macht beschneiden
15.06.2026

Mehrere Mitgliedstaaten der Europäischen Union, allen voran Deutschland und Frankreich, suchen nach Möglichkeiten, die Macht der Hohen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investoren verlieren Geduld: Merz-Beauftragter Blessing warnt vor Ernüchterung
15.06.2026

Deutschland gilt international weiterhin als verlässlicher und stabiler Standort. Dennoch wächst bei manchen Investoren die Skepsis...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft USA-Iran-Abkommen: Kommt jetzt die Entlastung bei den Spritpreisen?
15.06.2026

Die Einigung zwischen den USA und dem Iran sorgt weltweit für Aufmerksamkeit – auch an den Energiemärkten. Experten sehen Chancen auf...

DWN
Politik
Politik Ukraine entwickelt kostengünstige Alternative zu US-amerikanischen Patriot-Raketen
15.06.2026

Die Ukraine hat eine neue Luftabwehrrakete getestet, die eine kostengünstigere und für die Serienfertigung geeignete Alternative zum...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
15.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX, Anthropic und OpenAI in Ihrem ETF-Fonds? Vielleicht schneller, als Sie denken
15.06.2026

Während Tesla ein ganzes Jahrzehnt gebraucht hat, um in den S&P 500 und damit in passiv verwaltete ETF-Fonds aufgenommen zu werden,...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt zeitweise über 25.000 Punkte: Iran-Abkommen und SpaceX-Erfolg treiben die Börsen an
15.06.2026

An den Börsen kehrt plötzlich Optimismus zurück: Sinkende Ölpreise, Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten und ein spektakulärer...