Wirtschaft

USA setzen auf fossile Brennstoffe: Wirtschaftliche Vorteile und globale Risiken

Die USA setzen wieder verstärkt auf fossile Brennstoffe und könnten damit kurzfristig wirtschaftliche Vorteile erzielen. Welche Folgen hat dieser Kurswechsel für die globale Wirtschaft und die Klimaziele anderer Staaten?
13.11.2025 06:03
Lesezeit: 3 min
USA setzen auf fossile Brennstoffe: Wirtschaftliche Vorteile und globale Risiken
Die USA stärken durch die Rückkehr zu fossilen Brennstoffen ihre Wirtschaft, während andere Länder die Kosten der Klimafolgen alleine tragen müssen (Foto: iStockphoto.com/hanhanpeggy) Foto: hanhanpeggy

USA kehren zu fossilen Brennstoffen zurück

Der Rückzug aus ambitionierten Klimazielen und die verstärkte Fokussierung auf fossile Brennstoffe, ein Kurs, den Präsident Donald Trump vorantreibt, könnte langfristige Vorteile für die US-Wirtschaft bringen. Gleichzeitig würden Länder geschwächt, die weiterhin in die grüne Transformation investieren.

Analysen von Bloomberg Economics zeigen, dass die USA durch einen Verzicht auf die Umsetzung von Emissionsreduktionszielen und eine verstärkte Förderung fossiler Brennstoffe ihr Bruttoinlandsprodukt bis 2050 um zusätzlich ein Prozent steigern könnten.

Zum Vergleich: Würden die USA den Kurs der Energiewende beibehalten, wäre dieses Wachstum nicht zu erwarten. Gleichzeitig wäre die globale Wirtschaft in diesem Zeitraum um etwa 0,2 Prozent kleiner, falls andere Länder weiterhin auf erneuerbare Energien setzen.

Vorteile für die USA nur bei globalem Engagement der anderen Staaten

Obwohl die Unterschiede im Wachstum zunächst gering erscheinen, warnen Forscher davor, dass die gravierendsten physischen Folgen des Klimawandels wie extreme Wetterereignisse oder die Kosten unterlassener Maßnahmen erst nach 2050 eintreten werden. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass sich die Erderwärmung beschleunigt und schwer umkehrbar wird.

„Wenn die USA allein aus der Transformation aussteigen, profitieren sie. Tun dies jedoch auch andere Länder, verlieren alle, einschließlich Amerika“, betonen die Autorinnen des Berichts Eleonora Mavroeidi und Maeva Cousin. Dies verdeutlicht eine Situation, in der Maßnahmen, die einem Land nutzen, langfristig global schädlich sein können.

Klimagipfel ohne aktive US-Beteiligung

Die Kursänderung der USA wird bereits beim kommenden globalen Klimagipfel in Brasilien sichtbar. Die US-Administration wird keine hochrangigen Vertreter entsenden und Diskussionen über neue Emissionsziele sowie Unterstützung für Entwicklungsländer finden ohne Washington statt. Damit werden zentrale Entscheidungen ohne aktive Mitwirkung der Vereinigten Staaten getroffen.

Bloomberg Economics analysierte ein Szenario, in dem die USA auf Investitionen in erneuerbare Energien verzichten, während andere Länder die grüne Transformation über die nächsten 25 Jahre fortsetzen. In der Realität könnte die Politik komplexer sein. So führte kürzlich der Druck der USA zur Verschiebung einer Abstimmung über Emissionsabgaben im Schifffahrtssektor.

USA stärken ihre Position auf dem Energiemarkt

Als zweitgrößter CO₂-Emittent und zugleich bedeutender Produzent von Öl und Gas könnten die USA in einem solchen Szenario ihre Wettbewerbsfähigkeit im Bereich fossiler Brennstoffe erhöhen. Bereits im Sommer schloss die Trump-Administration mit der Europäischen Union ein Handelsabkommen über den Kauf amerikanischer Energierohstoffe wie Öl, Gas und Kernenergie im Wert von insgesamt 750 Milliarden US-Dollar.

Ökonomen warnen jedoch, dass ein Ausstieg Washingtons aus der Klimapolitik andere Länder zu ähnlichen Schritten verleiten könnte. Würden alle Staaten die Transformation aufgeben, wäre sowohl die US-amerikanische als auch die Weltwirtschaft um etwa ein Prozent kleiner als im Szenario mit fortgesetztem Ausbau erneuerbarer Energien. Die globalen CO₂-Emissionen würden in diesem Fall um rund 75 Prozent steigen.

Entwicklungsländer tragen die höchsten Kosten

Am stärksten betroffen wären wärmere und ärmere Länder wie Indien, Vietnam, Indonesien sowie Staaten in Subsahara-Afrika, im Nahen Osten und in Nordafrika. Kühlere und reichere Staaten wie die USA und Kanada würden vergleichsweise geringere Kosten tragen.

Die Modellierung stützt sich auf Prognosen von BloombergNEF zu Energieangebot und -nachfrage, einschließlich des steigenden Bedarfs durch den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. „Das Nichthandeln in der Klimafrage wird teuer, insbesondere für Länder, die bereits heute unter Hitze leiden und nur begrenzte Anpassungsmöglichkeiten haben. Wohlhabendere Staaten spüren die Folgen später, aber auch dort steigen die Kosten schrittweise“, betonen die Autorinnen der Analyse.

Globale Dynamik und deutsche Perspektive

Die Untersuchung zeigt, dass kurzfristige wirtschaftliche Vorteile einzelner Staaten auf Kosten anderer erzielt werden können. Für Deutschland bedeutet dies, dass ein konsequentes Festhalten an der Energiewende und der Förderung erneuerbarer Energien weiterhin notwendig ist, um langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Klimastabilität zu sichern. Gleichzeitig eröffnet der globale Markt für grüne Technologien Chancen, von denen deutsche Unternehmen profitieren können, selbst wenn andere Staaten kurzfristig fossile Brennstoffe priorisieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Suzuki GSX-8R im Test: Gewinner und Opfer der Plattformökonomie
08.02.2026

Die Suzuki GSX-8R präsentiert sich als zugänglicher, vielseitiger und unkomplizierter Sporttourer. Technisch eng verwandt mit der V-Strom...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Top-Ökonom warnt: Wie die US-Außenpolitik Europas Wirtschaft belastet
07.02.2026

Die Europäische Union steht unter geopolitischem Druck, während wirtschaftliche Unsicherheit und geldpolitische Erwartungen neu justiert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldanlage: Diese US-Aktien sollten Sie jetzt besitzen
07.02.2026

Ein wichtiger Sektor der US-Wirtschaft sorgt derzeit für überraschend starke Ergebnisse – trotz geopolitischer Risiken und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Datenhunger der Finanzämter: Wann Unternehmen E-Mails herausgeben müssen – und wann nicht
07.02.2026

Der Bundesfinanzhof hat Unternehmen im Streit um steuerrelevante E-Mails den Rücken gestärkt. Zwar bleibt die Pflicht zur Vorlage...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kove 800 X Pro: Chinesische Hersteller im europäischen Enduro-Markt
07.02.2026

Das Enduro-Segment gilt als besonders anspruchsvoll und stellt hohe Anforderungen an Technik, Qualität und Fahrverhalten. Kann ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft LNG: Warum Europas neue Gasabhängigkeit brandgefährlich ist
07.02.2026

Europas Gaspreise steigen, während politische Spannungen mit den USA zunehmen. LNG aus Amerika gilt als Rettungsanker, entpuppt sich aber...

DWN
Finanzen
Finanzen Begrenzung für Kreditkartenzinsen: Airlines und Investoren warnen vor Trumps Plan
07.02.2026

US-Präsident Donald Trump will Kreditkartenzinsen in den USA auf 10 Prozent begrenzen. Was als Verbraucherschutz verkauft wird, könnte...

DWN
Politik
Politik Ganz nah an Russland können Kinder nach der Schule zum Drohnentraining gehen
07.02.2026

In Litauen wächst der Druck, sich auf neue Bedrohungen einzustellen, und selbst Schulen geraten dabei in den Fokus. Was bedeutet es, wenn...