Unternehmen

Wirtschaft kritisiert Bundesregierung: Unternehmen bewerten aktuelle Politik überwiegend schlecht

Eine Erhebung des BDA zeigt: Die Wirtschaft in Deutschland ist mehr als unzufrieden mit der aktuellen Regierung. Drei Viertel der deutschen Unternehmen bewerten die Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung als negativ – besonders kritisch bewerten die Mittelständler die Koalition.
26.11.2025 11:53
Lesezeit: 2 min

Bundesregierung steht bei Unternehmen massiv in der Kritik

Arbeitgeberpräsident Dr. Rainer Dulger hat auf dem Deutschen Arbeitgebertag die Bundesregierung dazu aufgerufen, sich mit einer entschlossenen Reformpolitik gegen die Rezession zu stemmen. „Deutschland kann mehr“, sagte Dulger in Berlin. „Alle in der Koalition brauchen mehr Ambition.“

Auf dem Deutschen Arbeitgebertag – vor rund 1.000 Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien – werden zum ersten Mal die Zahlen des neuen BDA-Arbeitgeberbarometers in Kooperation mit forsa präsentiert. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit für tiefgreifende Reformen und zeigt, dass die Bundesregierung aus Union und SPD kann in der Wirtschaft bislang kaum punkten kann:

  • Demnach sind 77 Prozent der Unternehmen mit der Arbeit der Regierung unzufrieden. Besonders hart fällt das Urteil im Mittelstand aus: In der Gruppe der Firmen mit 50 bis 249 Beschäftigten äußerten sich sogar 83 Prozent negativ.
  • Noch schlechter als die Gesamtbewertung schneidet die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik der Regierung ab. 82 Prozent aller befragten Unternehmen beurteilen diesen Bereich negativ, bei den mittelgroßen Unternehmen sind es sogar 89 Prozent.
  • Branchenübergreifend ist die Unzufriedenheit groß, lediglich Gastronomen zeigen sich etwas milder – ein Effekt der beschlossenen Mehrwertsteuersenkung für das Gastgewerbe. Überdurchschnittlich kritisch fällt das Urteil hingegen im Handel sowie im Bereich Kfz-Reparatur und Instandhaltung aus.

Wirtschaft: Stillstand statt wirtschaftspolitischer Aufbruch

Die Erwartungen der Wirtschaft an einen klaren wirtschaftspolitischen Aufbruch unter Kanzler Friedrich Merz haben sich bislang nicht erfüllt. Vor allem der Streit um das geplante Rentenpaket und die Sozialstaatsreformen sorgt für Irritationen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fasst die Lage drastisch zusammen: „Kurz: Die Schulden sind da, die Reformen nicht.“ Die Koalition habe vereinbart, hohe Schulden aufzunehmen und gleichzeitig tiefgreifende Reformen zu liefern – Letzteres bleibe aber aus.

Zu den größten Sorgen der Unternehmen zählt weiterhin die ausufernde Bürokratie:

  • Mehr als 80 Prozent der Firmen sehen die Vielzahl an Vorschriften als „großes bis sehr großes Problem“. In der Industrie und im Baugewerbe steigt dieser Wert sogar auf fast 90 Prozent. Ebenso belasten hohe Arbeitskosten, die Unsicherheit über die wirtschaftspolitische Linie der Regierung sowie der Fachkräftemangel.

Für die kommenden drei Monate rechnet nur eine kleine Minderheit von 13 Prozent der Unternehmen mit einer wirtschaftlichen Verbesserung, während 66 Prozent keine Veränderung und 20 Prozent eine Verschlechterung erwarten.

Trotz der düsteren Bewertungen setzt Arbeitgeberpräsident Dulger noch nicht alle Hoffnungen in den Wind. Was den Kanzler angeht, habe er „keinen Zweifel daran“, dass Merz die nötigen Reformen angehen wolle. Und auch an die Sozialdemokratie knüpft Dulger Erwartungen: Er „glaube weiterhin an die Reformfähigkeit der Sozialdemokratie“ und erinnert an die erfolgreiche Agenda 2010 der SPD vor über zwei Jahrzehnten.

Das BDA-Arbeitgeberbarometer ermittelt im vierteljährlichen Rhythmus die Stimmung der deutschen Wirtschaft und der Unternehmen. Im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) befragt die Sozialforschungsgesellschaft forsa rund 1.000 Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern in Deutschland. Die erste Erhebung wurde im September, Oktober und November 2025 durchgeführt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Ende des Brexit? Britischer Premier schließt Wiedereintritt in EU nicht aus
30.09.2026

Der Brexit bleibt auch Jahre nach dem Austritt ein Dauerthema im Vereinigten Königreich. Mit seiner Haltung dazu sorgt der britische...

DWN
Politik
Politik Erster AfD-Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt? Siegmund stellt sich zur Wahl
30.09.2026

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will sich nach seinem Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Dezember als Ministerpräsident...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aus für Bohai-Automotive: Werksschließung in Harzgerode
30.09.2026

Der Autozulieferer Bohai Automotive schließt sein Werk im Harz endgültig. Rund 550 Arbeitsplätze verschwinden an dem traditionsreichen...

DWN
Politik
Politik Neuordnung Pflegeversicherung beschlossen: Regierung bringt Pflegereform auf den Weg
30.09.2026

Die Bundesregierung gibt nach langem Ringen von Union und SPD grünes Licht für die geplante Pflegereform. Das Kabinett beschließt den...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Immobilienberatung: ChatGPT wählt einen Immobilienkredit – sinnvoll oder nicht?
30.09.2026

Ein Wohnungskauf für rund 803.000 Euro, eine hohe Eigenleistung und der Wunsch nach Kindern: Kann ChatGPT bei der Wahl des passenden...

DWN
Finanzen
Finanzen LPKF-Aktie bricht nach Prognosesenkung ein: Verzögerte Aufträge belasten Ausblick
30.09.2026

Die LPKF-Aktie ist am Mittwoch kräftig unter Druck geraten. Der Laserspezialist hat seine Prognose für 2026 deutlich gesenkt, weil sich...

DWN
Politik
Politik Russland erhöht Militärausgaben um 27 Prozent. Putin: Krieg mit Europa wäre kurz
30.09.2026

Medwedew spricht von Angriffen auf deutsche Fabriken. Russland beschlagnahmt deutsches Vermögen. Russische Fluggeräte sorgen an der...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell: Rally verliert an Schwung vor US-Inflationsdaten
30.09.2026

Der Bitcoin-Kurs hält sich am Mittwochmorgen über 83.000 US-Dollar, doch unter der Oberfläche verliert die jüngste Rally an Kraft....