Politik

Kontaktgebühr gegen Ärzte-Hopping? Kassenärzte-Chef für Gebühr bei Praxisbesuch

Wie sind steigende Milliardenkosten für die medizinische Versorgung zu begrenzen? Vorschläge von Ärzten und Kliniken zielen auf die Patienten.
30.12.2025 06:03
Lesezeit: 2 min
Kontaktgebühr gegen Ärzte-Hopping? Kassenärzte-Chef für Gebühr bei Praxisbesuch
Auch Kliniken fordern mehr Eigenbeteiligung: Wer künftig ohne Kontaktaufnahme und Beratung durch eine Leitstelle Notfallzentren in Krankenhäuser komme, sollte dafür eine Gebühr bezahlen. (Foto: dpa) Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Kassenärzte-Chef für Gebühr bei Praxisbesuch

Angesichts steigender Kosten im Gesundheitswesen flammt die Debatte über neue oder höhere Patienten-Zahlungen aus eigener Tasche wieder auf. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, fordert eine „Kontaktgebühr“ bei Praxisbesuchen. „Sie könnte, wie zum Beispiel in Japan, bei drei oder vier Euro liegen und sollte von den Krankenkassen eingezogen werden“, sagte er der Bild. Die Klinikbranche brachte eine Verdoppelung der Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte ins Gespräch.

Forderungen nach neuen Gebühren, die auch die Zahl der Arztbesuche senken sollen, kommen bereits von mehreren Seiten. So schlug die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eine „Kontaktgebühr bei jedem Arztkontakt“ vor. Dies würde eine bessere Steuerungswirkung entfalten als die einstige allgemeine Praxisgebühr. Die Zahl unnötiger Arztbesuche und Ärzte-Hopping könnten vermieden und damit Wartezeiten verkürzt und Praxen entlastet werden, hieß es in einem BDA-Positionspapier von Oktober.

Frühere Praxisgebühr kein Vorbild?

Eine generelle Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal hatte es für gesetzlich Versicherte von 2004 bis 2012 gegeben. Sie brachte rund zwei Milliarden Euro pro Jahr ein. Auch viele Ärztinnen und Ärzte kritisierten aber den Aufwand, die Gebühr am Praxistresen einzukassieren. Gassen sprach sich denn auch statt einer Praxisgebühr für eine Gebühr aus, die die Kassen einziehen. Sie müsse zudem „sozial verträglich gestaltet werden, damit niemand überfordert wird“.

Der KBV-Chef schlug zudem einen „digitalen Ärzte-Lotsen für Patienten“ vor, um zu mehr Effizienz zu kommen. „Durch eine solche Koordination für Patienten könnten unnötige Doppel- und Dreifachbehandlungen verhindert werden.“ Die schwarz-rote Koalition will ein verbindliches System einführen, bei dem Patienten primär in eine Hausarztpraxis gehen, die sie bei Bedarf – und mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum – an Fachärzte überweist.

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte kürzlich erläutert, dass es für einen solchen gezielteren Zugang zu Terminen „weitere Steuerungselemente“ brauchen werde. Dies könne ein Bonus sein, wenn man sich daran hält oder eine Gebühr, wenn man doch direkt zum Facharzt geht. Warken machte aber deutlich, dass es keine allgemeine Praxisgebühr für Arztbesuche bedeuten soll, wie sie es einmal gab. Dies sei damals sehr bürokratisch gewesen.

Höhere Zuzahlung bei Krankenhausaufenthalten?

Von den Kliniken kommen ebenfalls Forderungen nach mehr Eigenbeteiligung. Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sagte der Bild: „Die Zuzahlung bei Krankenhausaufenthalten sollte verdoppelt werden: von zehn auf 20 Euro am Tag. Das ist angemessen.“ Das bringe den Kassen rund 800 Millionen Euro im Jahr. Auch wer künftig ohne Kontaktaufnahme und Beratung durch eine Leitstelle Notfallzentren in Krankenhäuser komme, sollte dafür eine Gebühr bezahlen. „Ich finde 30 bis 40 Euro angemessen“, sagte er.

Regierung plant große Reform

Die Bundesregierung will im neuen Jahr eine große Reform angehen. Ziel ist, den immer schnelleren Ausgabenanstieg für die Versorgung zu begrenzen und weitere Beitragsanhebungen zu vermeiden. Eine Expertenkommission soll bis März Vorschläge zur Stabilisierung ab dem Jahr 2027 vorlegen. Bis Ende 2026 sollen weitergehende Reformvorschläge folgen.

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