Finanzen

Warren Buffett übergibt Berkshire: Was vom Orakel von Omaha bleibt

Er ist das Gesicht des Value Investing, ein Vorbild für Generationen von Anlegern – und nun zieht sich Warren Buffett zurück. Nach Jahrzehnten an der Spitze von Berkshire Hathaway gibt der 95-Jährige die operative Führung ab. Was Anleger von ihm lernen können.
31.12.2025 09:56
Aktualisiert: 31.12.2025 09:56
Lesezeit: 3 min
Warren Buffett übergibt Berkshire: Was vom Orakel von Omaha bleibt
Mit Geduld und Klugheit zum Erfolg: Finanzgenie Warren Buffett hat ein geschätztes Vermögen von rund 150 Milliarden US-Dollar. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2018. (Foto: dpa) Foto: Nati Harnik

US-Investmentkonzern von Warren Buffett vor Führungswechsel

Rund 150 Milliarden US-Dollar Vermögen hat der Finanzinvestor Warren Buffett in seinem bislang 95-jährigen Leben erwirtschaftet. Nun gibt er im hohen Alter die operative Führung seines Finanz- und Industriekonglomerats Berkshire Hathaway aus der Hand.

Buffett gilt vielen Anlegern als Vorbild – nicht nur wegen seines Erfolgs, sondern auch wegen seiner Prinzipien. Über sich selbst sagte er einmal, er liebe seinen Job und würde jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit "stepptanzen". Sein Rat an junge Menschen auf der Suche nach einem Beruf zählt zu den meistzitierten Aussagen der Investmentwelt: "Mach den Job, den du auch dann machen würdest, wenn du unabhängig reich wärst. Du wirst darin gut sein."

Vom Textilbetrieb zum Investmentgiganten

Buffett zählt zu den erfolgreichsten Investoren der Geschichte. Seit den 1960er-Jahren formte er Berkshire Hathaway von einer kleinen Textilfirma zu einer der größten Investmentgesellschaften der Welt. Das Konglomerat hält Beteiligungen unter anderem an Versicherern, Energieversorgern, Industrieunternehmen sowie an einer der größten US-Eisenbahngesellschaften. Reich wurde Buffett vor allem durch langfristige, wertorientierte Aktieninvestments – etwa in Coca-Cola, American Express oder Apple.

Einzigartige Erfolgsgeschichte

Buffett übernahm Berkshire in den 60er-Jahren und entwickelte daraus eine erfolgreiche Investmentgesellschaft. Sein Gespür für gute Geschäfte führte dazu, dass sich Berkshires Beteiligungen über Jahrzehnte deutlich besser entwickelten als der Aktienmarkt im Durchschnitt.

Die zugrunde liegende Philosophie: bei aussichtsreichen Unternehmen zu günstigen Preisen einsteigen. Als "Orakel von Omaha" genießt Buffett Kultstatus. Die Aktionärstreffen gelten vielen als "Woodstock für Kapitalisten" – eine Anspielung auf das legendäre Musikfestival 1969 mit Jimi Hendrix und The Who. Aktionäre suchen dort nicht nur Anlagetipps, sondern auch Orientierung in grundsätzlichen Lebensfragen. Auf der Aktionärsversammlung Mitte des Jahres warnte Buffett davor, den Rest der Welt gegen sich aufzubringen. Es sei aus seiner Sicht "ein großer Fehler", wenn 7,5 Milliarden Menschen einen nicht mögen und 300 Millionen sich damit brüsteten, wie gut es ihnen gehe. "Ich denke nicht, dass das richtig ist – und ich denke nicht, dass das weise ist."

Beteiligungen quer durch die Wirtschaft

Zu Berkshire Hathaway gehören unter anderem der Versicherer Geico, die Eisenbahngesellschaft BNSF, die Fast-Food-Kette Dairy Queen, der Süßwarenhersteller See's Candies und der Batterieproduzent Duracell. Darüber hinaus hält die Holding Beteiligungen an zahlreichen weiteren Unternehmen, darunter Apple und Coca-Cola.

Value Investing: Buffetts Erfolgsrezept

Buffetts Erfolgsprinzip ist das "Value Investing", inspiriert vom Finanzforscher Benjamin Graham. Der Ansatz: Er sucht Unternehmen, deren innerer Wert an der Börse unterschätzt wird. Anfangs kaufte Buffett, wie er selbst sagte, "Zigarrenstumpen" – also nahezu ausgebrannte Firmen. Später setzte er konsequent auf Qualität: starke Marken, stabile Gewinne, verlässliche Manager.

Vier Regeln für Privatanleger

Aus dieser Haltung lassen sich auch für Privatanleger Lehren ziehen. Das sind die vier wichtigsten Regeln, die Buffett immer wieder betont:

1) Kaufen Sie nur, was Sie verstehen

Buffett misstraut allem, was er nicht selbst durchdringen kann. Sein Prinzip: Investieren Sie nur in Unternehmen, deren Geschäftsmodell Sie wirklich kennen. Man müsse lediglich Firmen im eigenen Kompetenzkreis bewerten können, sagte er einmal. "Die Größe dieses Kreises ist nicht sehr wichtig. Entscheidend ist, seine Grenzen zu kennen."

2) Lassen Sie das Stockpicking bleiben

Auch wenn Buffett mit Einzelaktien reich wurde, rät er Normalanlegern davon ab. Der Versuch, den Markt auszutricksen, scheitere bei 99 Prozent der Menschen. Stattdessen empfahl er stets Investitionen in den breiten Markt, etwa in den amerikanischen Leitindex S&P 500.

3) Bleiben Sie ruhig – vor allem in Krisen

Buffett hielt viele Investments über Jahrzehnte, etwa bei Coca-Cola. 1988 stieg der überzeugte Cola-Trinker bei dem Getränkehersteller ein. Damals kostete eine Aktie weniger als drei Dollar, heute liegt ihr Wert bei rund 70 Dollar – hinzu kamen üppige Dividendenzahlungen. Buffett verkaufte nie panisch, weder in der Dotcom-Krise Anfang des Jahrtausends noch während der Finanzkrise 2008. "Buffetts Erfolg zeigt, dass sich langfristiges Investieren lohnt", sagt Expertin Laudenbach. "Doch die Forschung zeigt auch: Genau das fällt den meisten Menschen schwer."

4) Die Zeit ist Ihr Freund

Buffetts Vermögen entstand nicht über Nacht, sondern über Jahrzehnte – dank Zins und Zinseszins. Sein Reichtum, sagte er selbst, sei das Ergebnis aus "einem Leben in Amerika, guten Genen und dem Zinseszinseffekt". Wer heute 1.000 Euro zu sieben Prozent Rendite anlegt, verfügt nach zehn Jahren über rund 2.100 Euro, nach 20 Jahren über das Vierfache und nach 40 Jahren über das Sechzehnfache. Früh zu beginnen, ist der entscheidende Hebel.

Rückzug einer Investoren-Legende

Sein Gespür für gute Geschäfte machte Warren Buffett zur Investoren-Legende. Mit 95 Jahren leitet er nun den Rückzug von der operativen Spitze seiner Holding ein. Der Nachfolger Greg Abel tritt in große Fußstapfen. Der 62-jährige Abel wird sich an Buffetts Erfolgsbilanz messen lassen müssen. Der gebürtige Kanadier gilt seit Jahren als Wunschkandidat. Seit 1999 arbeitet er für Berkshire, seit 2018 verantwortet er das Geschäft außerhalb des Versicherungsgeschäfts. Buffett hinterlässt ihm zudem ein üppiges finanzielles Polster: Die Geldreserven von Berkshire belaufen sich inzwischen auf fast 350 Milliarden Dollar. Abel erklärte in Omaha, dass sich die Investmentstrategie unter seiner Führung nicht ändern werde. Buffett wolle weiter als Berater zur Seite stehen, die Entscheidungen aber Abel überlassen. Ins Büro werde er aber vermutlich trotzdem gehen, sagte Buffett dem Sender CNBC. Oder vermutlich - tanzen.

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