Politik

Experte: US-Angriff auf Venezuela ist ein „gigantischer Erfolg“ für Trump

Die USA haben Venezuela militärisch angegriffen und Präsident Nicolás Maduro festgesetzt. Donald Trump spricht von einem Erfolg auf ganzer Linie. Experten sehen darin einen Wendepunkt amerikanischer Militärpolitik. Der folgende Bericht zeigt, was bekannt ist, wie der Angriff ablief und welche geopolitischen Folgen drohen.
05.01.2026 11:00
Lesezeit: 5 min
Experte: US-Angriff auf Venezuela ist ein „gigantischer Erfolg“ für Trump
Venezolaner feiern mit einem Gemälde, das die Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado darstellt, nachdem US-Präsident Trump bekannt gegeben hatte, dass Venezuelas Präsident Maduro nach dem US-Angriff auf Venezuela gefangen genommen und ausgeflogen wurde. (Foto: dpa) Foto: Esteban Felix

US-Angriff auf Venezuela verändert die Weltordnung

Am Samstagmorgen mitteleuropäischer Zeit gingen die ersten Meldungen über Explosionen in Venezuela ein. Wenige Stunden später bestätigte Donald Trump auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social, dass es einen großangelegten US-Angriff auf Venezuela gegeben habe. Der Präsident verkündete zudem weitere eine aufsehenerregende Nachricht. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und dessen Ehefrau Cilia Flores seien festgenommen und außer Landes gebracht worden. „Die USA haben erfolgreich einen groß angelegten Angriff auf Venezuela durchgeführt, und dessen Anführer Präsident Nicolás Maduro ist gemeinsam mit seiner Ehefrau gefasst und aus dem Land ausgeflogen worden“, schrieb Trump in seinem Beitrag.

Inzwischen wurde Maduro wegen Narko-Terrorismus und Kokainschmuggels angeklagt. Dies teilte US-Justizministerin Pam Bondi auf der Plattform X mit.

Militärischer Erfolg bestätigt Trumps Doktrin

Der Angriff sei ein „gigantischer Erfolg“ für Donald Trump. Diese Einschätzung äußert Mikkel Vedby Rasmussen, Professor für internationale Politik an der Universität Kopenhagen und Experte für bewaffnete Konflikte. Er erklärt, er sei selbst überrascht gewesen. Trump sei von einer Operation, die viele Beobachter zuvor als bloßes politisches Theater eingeschätzt hätten, zu einer Maßnahme übergegangen, mit der er sein Ziel tatsächlich erreicht habe.

Trump habe bereits zuvor erklärt, dass er Maduro aus dem Amt entfernen wolle. Aus diesem Grund habe die US-Regierung versucht, Venezuela unter Druck zu setzen, unter anderem durch Angriffe auf mutmaßliche Drogenschiffe. Dass es Trump nun gelungen sei, den venezolanischen Präsidenten festzunehmen, bestätige laut Rasmussen Trumps Überzeugung von einer entschlosseneren militärischen Vorgehensweise. Trump sei der Ansicht, dass frühere US-Präsidenten militärische Macht zu zögerlich und über lange Zeiträume eingesetzt hätten, ohne klare Ergebnisse zu erzielen. Stattdessen plädiere er für schnelles und hartes Vorgehen.

Eskalation eines lang schwelenden Konflikts

Der Angriff folgt auf mehrere Monate zunehmender Spannungen zwischen den USA und der venezolanischen Führung. Seit September haben die Vereinigten Staaten Angriffe auf mutmaßliche Drogenschiffe in internationalen Gewässern nahe Venezuela durchgeführt. Gleichzeitig verstärkte Washington seine militärische Präsenz in den umliegenden Seegebieten. Trump begründete diese Maßnahmen mit dem Kampf gegen den Drogenschmuggel. Die Bekämpfung illegaler Drogenimporte gehört seit Beginn seiner Amtszeit zu seinen zentralen politischen Projekten.

Darüber hinaus machte Trump wiederholt den venezolanischen Präsidenten für die Migration Hunderttausender Venezolaner in Richtung USA verantwortlich. Nach Einschätzung von Mikkel Vedby Rasmussen besteht weiterhin erhebliche Unsicherheit darüber, wie genau es den USA gelungen ist, Maduro und seine Ehefrau festzunehmen. Auf Grundlage der bislang bekannten Informationen hält er folgendes Szenario für wahrscheinlich.

US-Spezialkräfte seien offenbar auf einer Militärbasis eingesetzt worden, auf der sich Maduro sicher gefühlt habe. Von dort sei er außer Landes gebracht worden. Es handele sich um eine Art Militäroperation, die eines Tages vermutlich filmisch verarbeitet werde. Nach dem Interview wurde bekannt, dass sich Maduro und seine Ehefrau in ihrem Wohnsitz innerhalb der Militärbasis Fuerte Tiuna befanden, als sie in der Nacht zum Samstag festgenommen und außer Landes gebracht wurden. Dies berichtete das dänische Wirtschaftsportal Borsen unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AP.

Mehrere Staaten verurteilten den Angriff am Samstag. Andere erklärten, sie beobachteten die Lage aufmerksam. Venezuela befindet sich derzeit im Ausnahmezustand. Der Aufenthaltsort des Präsidentenpaares ist bislang nicht bekannt.

Gigantischer Erfolg oder gefährlicher Präzedenzfall

Der US-Angriff auf Venezuela markiert eine neue Phase amerikanischer Außen- und Militärpolitik. Die Festnahme eines amtierenden Staatschefs durch einen ausländischen Militärschlag stellt einen tiefen Eingriff in die internationale Ordnung dar. Zugleich sendet Washington ein Signal an andere autoritäre Regime. Militärische Macht wird unter Trump wieder als direktes politisches Instrument eingesetzt. Für Europa und andere westliche Verbündete wächst damit die Unsicherheit über die zukünftige Rolle internationaler Normen und multilateraler Regeln.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Rekordschlussstände für S&P 500 und Nasdaq, während der Waffenstillstand hält
05.05.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte aktuell antreiben und warum die Anleger trotz globaler Spannungen optimistisch bleiben.

DWN
Politik
Politik Misstrauensvotum in Rumänien: Prowestliche Regierung stürzt
05.05.2026

Rumäniens Regierung ist nach einem überraschenden Bündnis aus Rechtsextremen und Sozialdemokraten gestürzt. Hinter dem Misstrauensvotum...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht Druck auf Grönland: US-Experte warnt vor Folgen für Europa
05.05.2026

Trump verschiebt die geopolitischen Machtlinien der USA und verbindet den Zugriff auf Grönland mit Energiefragen und Zugeständnissen an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilkrankschreibung gegen hohe Fehlzeiten: Ist die Regelung sinnvoll?
05.05.2026

Krank, aber nicht ganz arbeitsunfähig – das soll künftig möglich sein: Im Zuge der neuen Gesundheitsreform hat die Bundesregierung die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetz im Kostencheck: Welche Technologien langfristig überzeugen
05.05.2026

Europas Stromversorgung steht vor einer neuen Kostenlogik, in der erneuerbare Energien, Speichertechnologien und verlässliche Grundlast...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
05.05.2026

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit greift Commerzbank an: Übernahme rückt näher
05.05.2026

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech-Aktie: 1.860 Stellen in Gefahr
05.05.2026

Biontech zieht die Notbremse und fährt Kapazitäten drastisch herunter. Der Sparkurs trifft Standorte weltweit – und bringt Tausende...