Panorama

Stromausfall Berlin bis Donnerstag: Linksextremistische Vulkangruppe bekennt sich zum Anschlag

45 000 Haushalte und 2200 Unternehmen sind plötzlich ohne Strom. Dunkelheit, Kälte, kein Netz: Nach einem Anschlag auf die Berliner Stromversorgung kämpfen Zehntausende Menschen mit dem Ausnahmezustand. Warum Berlins Regierungschef Wegner jetzt erst von Terrorismus spricht.
04.01.2026 20:56
Aktualisiert: 04.01.2026 20:56
Lesezeit: 3 min
Stromausfall Berlin bis Donnerstag: Linksextremistische Vulkangruppe bekennt sich zum Anschlag
Feldbetten im Südwesten Berlins in einer Notunterkunft im Bürgersaal im Rathaus Zehlendorf. Zehntausende Menschen in der Hauptstadt leben derzeit ohne Strom. (Foto: dpa) Foto: Carsten Koall

Stromausfall Berlin: Wegner nennt Berliner Strom-Anschlag Terrorismus

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner stuft den folgenreichen Anschlag auf die Stromversorgung der Hauptstadt als Terrorismus ein. «Das ist nicht nur eine Brandstiftung oder Sabotage. Das ist schon Terrorismus», sagte der CDU-Politiker in der «Abendschau» des RBB-Fernsehens.

«Es war eine linksextremistische Gruppe, die einmal mehr unsere Infrastruktur angegriffen hat und damit auch das Leben von Menschen bedroht hat, von älteren Menschen, die vielleicht Beatmungsgeräte brauchen, von Familien mit kleinen Kindern», so Wegner. «Und wir müssen diese Täter jetzt schnappen.»

Einen Tag nach der Attacke auf wichtige Kabel nahe einem Kraftwerk im Berliner Südwesten steht für Politik und Behörden fest, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt und Linksextremisten dahinterstehen.

Ein aufgetauchtes Bekennerschreiben einer «Vulkangruppe» sei authentisch, teilte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) mit. Zuvor hatte der Staatsschutz der Polizei das Schreiben geprüft, das auch auf mehreren einschlägigen Webportalen veröffentlicht wurde. Gleichzeitig rief Berlin eine sogenannte Großschadenslage aus, um so leichter etwa Hilfe der Bundeswehr in Anspruch nehmen zu können.

Auch Bundesbehörden eingeschaltet

Polizei, Landeskriminalamt und Verfassungsschutz seien eingeschaltet. «Wir sind auch im Austausch mit dem Bundeskriminalamt, mit der Bundesebene, weil das ist ja hier kein Spaß, sondern hier ist ein terroristischer Anschlag passiert.» Jetzt müsse der Druck erhöht werden, um die Täter dingfest zu machen.

45.000 Haushalte ohne Strom

Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke am Teltowkanal, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins 45.000 Haushalte und 2200 Unternehmen ohne Strom. Mittlerweile ist die Versorgung für etwa 14.000 Haushalte und knapp 500 Gewerbekunden wieder hergestellt, so der Betreiber Stromnetz Berlin. Auch mehrere große Krankenhäuser sind wieder am Netz.

Die übrigen Kunden müssen sich im schlimmsten Fall bis Donnerstagnachmittag gedulden. Bis dahin soll es nach Angaben des landeseigenen Unternehmens dauern, ehe alle Betroffenen wieder Strom bekommen.

Stromausfall voraussichtlich noch bis Donnerstag

Die Schäden am Stromnetz sind nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin so schwerwiegend und die Reparatur so kompliziert, dass die Notlage außergewöhnlich lange dauern wird. Erst am Donnerstagnachmittag könnten voraussichtlich alle Stromkunden wieder versorgt werden.

Bei frostigen Temperaturen und reichlich Neuschnee stellt das viele Menschen vor erhebliche Probleme. Mehrere große Krankenhäuser in den Stadtteilen wurden zwar nach einem Tag wieder an das Stromnetz angeschlossen und mussten dank Notstromaggregaten nicht evakuiert werden.

Viele Alltagsprobleme für die Menschen

Vom Stromausfall sind aber auch zahlreiche Pflegeeinrichtungen und pflegebedürftige Menschen in ihren Wohnungen betroffen. Der Berliner Senat sei in enger Abstimmung unter anderem mit der Feuerwehr, um diese Menschen notfalls in Pflegeeinrichtungen in anderen Stadtteilen zu verlegen, die freie Kapazitäten gemeldet hätten, so Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD).

Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Feuerwehr richteten etwa in einem Freizeitzentrum oder im Rathaus Zehlendorf Notunterkünfte ein, in denen Menschen die Nacht verbringen, sich aufwärmen, etwas essen und trinken können. In der ersten Nacht wurden diese nach Angaben des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf nur von wenigen genutzt, darunter von einer 97 Jahre alten Rentnerin.

Auch Kirchengemeinden öffneten ihre Räume. Viele ältere oder gebrechliche Menschen können solche Angebote indes schon deshalb nicht nutzen, weil die Aufzüge in ihren Hochhäusern nicht funktionieren und sie in Wohnungen in zunehmender Kälte sitzen.

Handys aufladen

Wichtig ist für viele Leute, ihre Handys aufzuladen. Das können sie in den Notunterkünften, aber auch anderen dezentralen Anlaufpunkten, die etwa Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk eilig aufbauten. Dort kann man auch Notrufe absetzen. Internetempfang haben die meisten in den betroffenen Stadtteilen nicht.

Ebenfalls als Folge des Stromausfalls gab es erhebliche Störungen bei den S-Bahn-Linien 1 und 7. Eine Bahnsprecherin teilte am Abend mit, die S-Bahn-Linie 7 solle von 22.00 Uhr an am Sonntagabend wieder im 20-Minuten-Takt fahren. Der Regionalexpress 1 zwischen Potsdam und Berlin laufe seit etwa 18.30 Uhr wieder.

Etliche Supermärkte blieben am Samstag dicht, am Montag dürfte es nicht anders sein.

Schulen dicht

Im Gebiet ohne Strom bleiben von Montag bis zunächst einschließlich Mittwoch rund 20 Schulen geschlossen, wie die Bildungsverwaltung mitteilte. Bei dringendem Bedarf werde in Schulen mit Strom eine Notbetreuung für Schüler eingerichtet, hieß es.

Viele Menschen in Zehlendorf beschwerten sich im Gespräch mit einem dpa-Reporter über mangelnde Informationen und aus ihrer Sicht zu wenige praktische Alltagshilfen. «Man ist abgeschnitten von der Welt», sagte etwa eine Frau, in deren Wohnung die Temperatur bereits auf 14 Grad abgesunken sei.

Es gibt aber auch viele Beispiele von Nachbarschaftshilfe oder andere Unterstützung. So bedankte sich die Leitung des Diakonie-Hospizes Wannsee, dass Feuerwehrleute ohne Wenn und Aber dabei geholfen hätten, die Bewohner in ein Krankenhaus in der Nähe zu bringen, das Hilfe angeboten habe. Dort könnten die Menschen weiter vom Hospizteam betreut werden.

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