Panorama

Folgen des Klimawandels: Erwärmung von Nord- und Ostsee setzt sich fort

Nord- und Ostsee werden stetig wärmer: 2025 erreichte die Nordsee die höchste und die Ostsee die zweithöchste Temperatur seit Beginn der Messungen. Eine Region verzeichnete eine Rekordhitzewelle.
10.01.2026 07:24
Aktualisiert: 10.01.2026 07:44
Lesezeit: 2 min
Folgen des Klimawandels: Erwärmung von Nord- und Ostsee setzt sich fort
Die Schiffe „Atair“ (l) und „Wega“ werden als Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiffe des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie eingesetzt. (Foto: dpa) Foto: Hauke-Christian Dittrich

Erwärmung von Nord- und Ostsee setzt sich fort

Die Erwärmung von Nord- und Ostsee setzt sich fort: Für die Nordsee registrierte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) im Jahr 2025 eine mittlere Wassertemperatur an der Oberfläche von 11,6 Grad Celsius. Dies war der höchste Wert der BSH-Datenreihe seit 1969. Im Vergleich zum langjährigen Mittel von 1997 bis 2021 war die Nordsee um 0,9 Grad wärmer, wie das BSH mitteilte. BSH-Präsident Helge Heegewaldt warnt vor den Folgen des globalen Klimawandels, der auch den Meeresspiegel und die Wasserstände bei Sturmfluten steigen lässt.

Jeder Monat habe in der Nordsee deutlich über dem Langzeitmittel gelegen, Juni und Dezember hätten sogar Rekorde gesetzt, so der Leiter des BSH-Referats Marine Klimafragen, Tim Kruschke. Im Jahresdurchschnitt lag die Oberflächentemperatur in allen Bereichen der Nordsee 2025 mindestens 0,5 Grad über dem langjährigen Mittel, in vielen Regionen sogar mehr als 1,0 Grad darüber. Besonders warm war es im nördlichen und zentralen Teil der Nordsee sowie im Übergangsbereich zur Ostsee.

Zweitwärmstes Jahr für die Ostsee

Für die Ostsee kamen die Wissenschaftler für das vergangene Jahr auf eine mittlere Oberflächentemperatur von 9,7 Grad. Das ist ein Anstieg von 1,1 Grad im Vergleich zum langjährigen Mittel von 1997 bis 2021. Damit war 2025 das zweitwärmste Jahr für die Ostsee seit Beginn der diesbezüglichen BSH-Datenreihe im Jahr 1990. Nur im Jahr 2020 sei sie wärmer gewesen.

Die Oberflächentemperaturen lagen den Angaben zufolge in fast allen Gebieten der Ostsee mindestens 0,5 Grad über dem langjährigen Mittel. Besonders warm war es demnach in der südwestlichen Ostsee sowie im Finnischen Meerbusen. Hier lagen die Temperaturen verbreitet mehr als 1,0 Grad über dem langjährigen Mittel.

Lange maritime Hitzewelle in der Kieler Förde

Am Leuchtturm Kiel registrierte das BSH im Frühjahr 2025 eine 55 Tage dauernde marine Hitzewelle in der Kieler Förde - länger als je zuvor beobachtet. Die Temperaturen lagen dabei durchschnittlich 2,6 Grad über dem langjährigen Mittel – in der Spitze sogar 4,3 Grad darüber.

Das BSH untersucht wöchentlich die Oberflächentemperaturen von Nordsee und Ostsee und kombiniert dazu Satellitendaten mit Messungen von Stationen und Schiffen.

Eine gemeinsam mit dem Dänischen Meteorologischen Institut (DMI) erstellte Klimasimulationen sagt eine weitere Erwärmung der beiden Meere vorher, sollten die Treibhausgasemissionen nicht drastisch sinken. Bis 2100 lassen die Simulationen eine Erwärmung um 2,8 Grad in der Nordsee und 3,0 Grad in der Ostsee erwarten, im Vergleich zum Zeitraum von 1971 bis 2000.

Steigender Meeresspiegel als Folge des Klimawandels

Als Folge der Erderwärmung steigt auch der Meeresspiegel. Ursachen sind die Ausdehnung des Wassers und das Abschmelzen von Gletschern und Eisschilden. In Cuxhaven stieg der Meeresspiegel Messungen zufolge seit 1900 bereits um mehr als 25 Zentimeter, in Warnemünde um knapp 20 Zentimeter.

Der globale Meeresspiegel könnte demnach bis 2100 um 0,63 bis 1,01 Meter steigen, verglichen zur Referenzperiode von 1995 bis 2014. Grundlage sind Klimaprojektionen des Weltklimarats (IPCC), sofern die Treibhausgasemissionen nicht drastisch sinken.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Orbán oder von der Leyen: Wahlen in Ungarn werden Europa verändern - steht die EU vor einem Machtverlust?
02.04.2026

Die Parlamentswahl am 12. April in Ungarn rückt nicht nur die Zukunft von Viktor Orbáns politischem System sondern auch die Zukunft der...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 14: Die wichtigsten Analysen der Woche
02.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 14 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland stoppt Benzinexporte: Angriffe auf Raffinerien führen zu Exportstopp
02.04.2026

Drohnenangriffe treffen Energiesektor: Das russische Gastankschiff "Arctic Mategaz" war Anfang März vor der Küste Libyens nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kfz-Steuer-Prämie aufs Konto geplant: Bundesregierung prüft Entlastung für Autofahrer
02.04.2026

Die Bundesregierung prüft neue Wege, um Bürger angesichts hoher Kraftstoffpreise schneller finanziell zu entlasten, und setzt dabei auf...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa vor neuer Belastungsprobe: Energiepreise steigen weiter
02.04.2026

Die globale Energiekrise verschärft sich durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten und setzt die Energiemärkte zunehmend unter Druck....

DWN
Finanzen
Finanzen Neuer Ukraine-Kredit: EU-Kommission treibt Vorbereitungen voran - trotz ungarischen Vetos
02.04.2026

Die EU will der Ukraine bis Ende des Jahres insgesamt 45 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Doch es gibt weiter ein Hindernis.

DWN
Politik
Politik Teilkrankschreibung im Job: Krankengeld soll in vier Stufen ausgezahlt werden
02.04.2026

Wenn Beschäftigte erkrankt sind und eine ärztliche Bescheinigung bekommen, fallen sie im Prinzip komplett aus. Über flexiblere Regeln...

DWN
Politik
Politik Milliardenloch bei den Krankenkassen – Bürgergeldempfänger belasten das System schwer
02.04.2026

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger schlägt Alarm. Unser Gesundheitssystem gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Mit Blick auf ein...