Unternehmen

Steigende Arbeitslosigkeit: Kommt bald die eigene Kündigung?

Angst vorm Jobverlust durch KI und Wirtschaftskrise: Immer mehr Deutsche sind vom Stellenabbau persönlich betroffen. Wer wird als Nächstes gekündigt? Der Kündigungsatlas 2025 vom Verbraucherportal Allright gibt Aufschluss darüber, wem in welcher Region und Branche am häufigsten gekündigt wird.
14.01.2026 11:25
Lesezeit: 5 min
Steigende Arbeitslosigkeit: Kommt bald die eigene Kündigung?
Der Montag ist der Kündigungstag Nummer eins in Deutschland. An keinem anderen Wochentag werden so viele Kündigungen vom Arbeitgeber überreicht. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Angst vorm Jobverlust: Arbeitslosenzahlen in Deutschland steigen

Drei Rezessionsjahre in Folge – Konzerne streichen Tausende Stellen im Inland. Die Arbeitslosenzahl hat bereits die Drei-Millionen-Marke geknackt. Viele Deutsche treibt die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust um. Kommt bald die eigene Kündigung?

Der arbeitsrechtliche Kündigungsatlas 2025 vom Verbraucherportal Allright liefert exklusive Einblicke in 2.500 reale Kündigungsfälle aus ganz Deutschland. Wann wird am häufigsten gekündigt? Welche Arbeitnehmer und Branchen sind besonders betroffen? Die Zahlen verraten überraschende Muster.

Kündigungsatlas 2025: Wem es wo am schnellsten trifft

Jedes Jahr verlieren in Deutschland Tausende Menschen ihren Arbeitsplatz – doch Kündigung ist nicht gleich Kündigung. Während einige Branchen regelmäßig von Entlassungswellen erschüttert werden, trifft es andere Beschäftigtengruppen nur selten. Auch der Zeitpunkt spielt eine entscheidende Rolle: Bestimmte Monate und wirtschaftliche Phasen gelten als besonders kündigungsanfällig.

Die Auswertung von 2025 des Verbraucherportals Allright zeigt: Im Durchschnitt sind gekündigte Arbeitnehmer 41 Jahre alt und seit gut viereinhalb Jahren im Unternehmen. Eigentlich ein Alter, das für Erfahrung, Routine und Stabilität steht. Doch ein genauer Blick zeigt: Kündigungen verteilen sich auffällig oft auf die Ränder des Berufslebens. Kündigungen passieren also nicht nur in der „unsicheren Mitte“, sondern häufen sich gerade am Anfang und am Ende der Karriere. Wer neu startet oder dem Ruhestand näherkommt, ist also längst nicht so geschützt, wie viele denken.

Kündigungen kennen kein Alter

Besonders betroffen sind:

  • Berufseinsteiger: In rund 6,2 % der Fälle kam das Aus bereits innerhalb der ersten sechs Monate im Job
  • Ältere Beschäftigte: Ebenfalls 6,2 % der Kündigungen trafen Arbeitnehmer ab 60 Jahren
  • Mitarbeiter in der Karriere-Mitte: Mit durchschnittlich 41 Jahren und mehreren Jahren Betriebszugehörigkeit bilden sie zwar die größte Gruppe – sind aber keineswegs automatisch sicher

Kündigungen treffen Männer häufiger – Frauen verlieren finanziell mehr

Ein Blick auf die Daten des Verbraucherportals Allright zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 61 % der Kündigungen trafen Männer, während 31 % Frauen betrafen. Der Rest entfällt auf nicht näher ausgewiesene Fälle.

Auch der Familienstand spielt eine Rolle:

  • 46,7 % der gekündigten Arbeitnehmer waren ledig
  • 45,4 % waren verheiratet
  • 7,5 % geschieden
  • 0,4 % waren verwitwet

Gerade bei betriebsbedingten Kündigungen sind solche sozialen Faktoren rechtlich relevant. Arbeitgeber müssen bei der sogenannten Sozialauswahl unter vergleichbaren Mitarbeitern Kriterien wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit und Unterhaltspflichten berücksichtigen. Die Zahlen zeigen jedoch: In der Praxis schützt das nicht alle Gruppen gleichermaßen.

Besonders deutlich wird das beim Gehalt. Zum Zeitpunkt der Kündigung verdienten Männer im Schnitt 4545,73 € brutto im Monat. Frauen kamen dagegen nur auf 3230,22 € – ein Unterschied von über 1300 €. Der Gender-Pay-Gap endet also nicht mit dem Arbeitsvertrag – er wirkt selbst beim Jobverlust weiter. Für Frauen bedeutet das häufig geringere Abfindungen und niedrigere Ansprüche auf Arbeitslosengeld.

Hauptkündigungstag: Wann am häufigsten gekündigt wird

Wenn man vorher wüsste, wann Kündigungen am häufigsten ausgesprochen werden, würde man an manchen Tagen wohl besonders ungern ins Büro gehen. Doch was sagt die Statistik? Der Blick in die Allright-Daten zeigt ein klares Wochenmuster: Der Montag ist der Kündigungstag Nummer eins. An keinem anderen Wochentag werden so viele Kündigungen überreicht.

So verteilen sich Kündigungen über die Woche:

  • Montag: 23,2 %
  • Mittwoch: 20,6 %
  • Dienstag: 19,8 %
  • Donnerstag: 18,4 %
  • Freitag: 15,8 %
  • Samstag: 1,4 %
  • Sonntag: 0,8 %

Selbst das Wochenende ist nicht völlig kündigungsfrei – auch wenn Kündigungen dort deutlich seltener ausgesprochen werden.

Doch nicht nur der Wochentag, auch der Zeitpunkt im Monat folgt einem festen Muster. Mehr als die Hälfte aller Kündigungen (51,6 %) wird zum Monatsende ausgesprochen. Weitere 29,5 % erfolgen in der Monatsmitte, während nur 18,9 % der Kündigungen in den ersten zehn Tagen eines Monats ausgesprochen werden.

Der Grund dafür ist meist pragmatisch: Gesetzliche und vertragliche Kündigungsfristen sehen häufig eine Beendigung zum Monatsende vor. Für viele Arbeitnehmer heißt das: Die schlechteste Nachricht kommt oft genau dann, wenn der Monat ohnehin schon endet.

Regionen: Wo der Jobverlust besonders häufig zuschlägt

Der Allright-Kündigungsatlas zeigt nicht nur, wer wann seinen Job verliert – sondern auch wo. Dabei werden deutliche regionale Unterschiede sichtbar. Kündigungen sind in Deutschland keineswegs gleichmäßig verteilt, sondern häufen sich in bestimmten Bundesländern. An der Spitze stehen die wirtschaftsstarken und bevölkerungsreichen Länder:

  • Nordrhein-Westfalen: 17,2 %
  • Bayern: 17,1 %
  • Baden-Württemberg: 14,1 %

Diese Regionen sind geprägt von einer hohen Dichte an Industrie- und Dienstleistungsunternehmen – genau jene Branchen, die besonders häufig von Umstrukturierungen, Sparprogrammen oder Standortverlagerungen betroffen sind. Wo viele Menschen arbeiten, werden am Ende auch mehr Kündigungen ausgesprochen.

Deutlich seltener kommt es dagegen in kleineren und strukturschwächeren Bundesländern zu Kündigungen. In Mecklenburg-Vorpommern entfielen lediglich 1,9 % aller Fälle, in Bremen und im Saarland sogar nur jeweils 0,8 %. Das dürfte hauptsächlich an der geringeren Unternehmensdichte und der niedrigeren Beschäftigtenzahl liegen.

Natürlich spielt auch die Branche eine entscheidende Rolle. In den vergangenen Monaten wurde besonders häufig über Kündigungen in der Automobilbranche berichtet – und genau hier lassen sich die regionalen Hotspots klar ausmachen. Wo große Automobilhersteller, Zulieferer und Produktionsstandorte sitzen, schlagen Entlassungswellen besonders deutlich durch. Bundesländer mit starker Autoindustrie tauchen deshalb nicht zufällig an der Spitze der Kündigungsstatistik auf.

Trotz dieser Unterschiede gilt jedoch: Kündigungen sind ein bundesweites Phänomen. Kein Bundesland ist völlig verschont – unabhängig von Region, Wirtschaftskraft oder Branchenfokus.

Ausblick: trübe Aussichten für den Arbeitsmarkt

Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt hat sich trotz des Konjunkturpakets der Bundesregierung zum Jahresende erneut verschlechtert. Das Beschäftigungsbarometer des Münchner Ifo-Instituts lag im Dezember auf dem niedrigsten Stand seit der ersten Phase der Corona-Pandemie im Mai 2020. Die deutsche Wirtschaft dürfte dieses Jahr dank des 500 Milliarden Euro schweren Schuldenpakets der Bundesregierung wieder etwas wachsen. Doch der monatlichen Umfrage der Ifo-Ökonomen zufolge planen nahezu alle Industriezweige, den Stellenabbau in den kommenden Monaten fortzusetzen – ein Trend, der sich im Beschäftigungsbarometer zeigt.

Alle Angaben zum Kündigungsatlas basieren auf den Allrights zur Verfügung stehenden Daten. Insgesamt wurden 2.500 interne Daten analysiert. Die Daten sind zuverlässig, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Verbraucherportal Allright berät Verbraucher bei Rechtsproblemen und bietet eine kostenlose Ersteinschätzung in zahlreichen Rechtsgebieten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

DWN
Finanzen
Finanzen Privatökonomie verbessern: Warum viele Haushalte jeden Monat Geld verschenken
18.03.2026

Haben Sie Ihre Finanzen im Griff? Oft verstecken sich unnötige Kosten, ungenutzte Chancen und falsche Entscheidungen direkt im Alltag. Wer...

DWN
Politik
Politik Potsdamer Treffen: Niederlage für „Correctiv“ vor Gericht
18.03.2026

Im Streit über die Berichterstattung der Rechercheplattform „Correctiv“ über das sogenannte Potsdamer Treffen hat das Landgericht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerkschaft Zentrum: IG Metall sieht keinen Rechtsruck bei Betriebsratswahlen
18.03.2026

Nach Angaben aus Gewerkschaften versuchten AfD-nahe Kräfte bei den Wahlen möglichst viele Mandate zu erringen. Dennoch bleibt die IG...

DWN
Finanzen
Finanzen Cum-Ex-Skandal: Deutsche Bank zahlt 29 Millionen an Fiskus
18.03.2026

Im Cum-Ex-Skandal übernimmt die Deutsche Bank einen Teil der Steuerschuld für zwei Fonds. Damit ist dieses Thema aber für Deutschlands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fed und EZB unter Druck: Iran-Krieg verschärft den Zinskonflikt
18.03.2026

Vor den geldpolitischen Sitzungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank richten sich die Erwartungen der Märkte klar auf neue...

DWN
Panorama
Panorama BER-Warnstreik: Flüge gestrichen – welche Rechte Passagiere jetzt haben
18.03.2026

Der Warnstreik am BER bringt den Flugverkehr in Berlin komplett zum Erliegen. Tausende Reisende stehen vor kurzfristigen Änderungen ihrer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Möbelriese Hammer-Baumärkte im Insolvenzverfahren: Räumungsverkauf beginnt
18.03.2026

Nach dem Insolvenzverfahren verschwinden rund die Hälfte aller Hammer-Märkte in Deutschland. Während der Insolvenzverwalter nach einem...

DWN
Panorama
Panorama Klimawandel verstärkt Wetterextreme: Warum es zu Wasserknappheit kommen kann
18.03.2026

Trockenperioden und Starkregen wechseln sich ab: Warum Wasser in Deutschland manchmal zur falschen Zeit am falschen Ort ist, und welche...