Wirtschaft

Ifo-Institut warnt: Handelspolitik der USA trifft Deutschland langfristig

Ein Jahr nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump belasten dessen Strafzölle die deutsche Wirtschaft weiterhin deutlich. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts handelt es sich nicht um ein kurzfristiges Problem, sondern um eine dauerhafte Belastung mit nur wenigen Ausnahmen.
16.01.2026 13:02
Lesezeit: 1 min

Die Zollpolitik von Donald Trump belastet die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des Ifo-Instituts dauerhaft - trotz des erzielten Handelsdeals zwischen EU und USA. „Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach“, sagte Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft.

„Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens, weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen Märkten sucht und Waren verstärkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz macht.“

Einbruch der Exporte in die USA

Ifo-Simulationen zeigten, dass eine fortgesetzte Abschottung der USA in der Handelspolitik die deutsche Wirtschaftsleistung dauerhaft um rund 0,13 Prozent verringere - mehr als im EU-Schnitt. „Das klingt wenig, ist aber viel, weil die deutsche Wirtschaft Jahre des Schrumpfens hinter sich hat“, sagt Flach.

Die Exporte in die USA dürften nach Ifo-Schätzung mittelfristig um 15 Prozent sinken und nach China um acht Prozent, während sie in der EU und im Rest der Welt leicht steigen könnten.

Zudem belasten die Zölle von Trump, der am Dienstag (20. Januar) ein Jahr im Amt ist, auch die Investitionen, sagte Flach.“Viele Unternehmen halten sich aus Unsicherheit weiter zurück.“ Nach einer früheren Ifo-Umfrage haben 30  Prozent der Firmen, die US-Investitionen planten, diese verschoben und 15 Prozent komplett gestrichen.

Zwei Bereiche bleiben verschont

Trumps Zölle träfen vor allem die deutsche Industrie schwer, so Flach. „60 Prozent der deutschen Exporte in die USA entfallen auf Autos, Maschinen und Pharma.“

Positive Ausnahmen blieben Dienstleister, da sie nicht von Trumps Zöllen betroffen seien und der deutsche Agrarsektor. Er profitiere von einem Vorteil im Handel mit China, da US-Produkte mit dem Zollstreit zwischen den beiden Großmächten teurer geworden seien. „Diese beiden Effekte auf die deutsche Wirtschaft sind aber minimal.“

Zwar habe der Deal zwischen EU und USA von Sommer 2025, der für die meisten EU-Importe nach Amerika einen Zollsatz von 15 Prozent vorsieht, eine Eskalation verhindert. „Aber die handelspolitische Unsicherheit besteht weiter, da Trump unberechenbar bleibt.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Rechnungen digitalisieren: Wie Unternehmen Liquidität und Cashflow smarter steuern

Umsatz bedeutet noch keine gesicherte Liquidität. Zwischen der erbrachten Leistung und dem tatsächlichen Eingang des Geldes können...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen KI und Geldpolitik: Warum die Fed vor einem Zinsdilemma steht
25.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Produktivität steigern und die Inflation bremsen. Doch ausgerechnet der milliardenschwere KI-Boom könnte...

DWN
Politik
Politik Milliardäre besteuern: Die Buchwert-Falle
25.07.2026

Berlin streitet über das Erbe und das Geld der Reichsten. Doch die vermeintliche Lösung des Fiskus entpuppt sich als Sprengsatz für die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Renault Clio im Test: Fast nicht wiederzuerkennen, aber deutlich teurer
25.07.2026

Der neue Clio ist größer, eleganter, technologisch fortschrittlicher und auch teurer als früher. In der bestausgestatteten Version...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dieselknappheit: Der Welt geht der Treibstoff aus
25.07.2026

Nicht nur Rohöl wird zum geopolitischen Druckmittel. Zerstörte Raffinerien, leere Lager und neue Drohungen der Huthi gefährden zunehmend...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditkarten vor dem Aus: Mastercard plant den radikalen Umbau
25.07.2026

Kreditkartennummern könnten beim Onlinekauf schon bald der Vergangenheit angehören. Mastercard will Europas digitale Zahlungen bis 2030...

DWN
Panorama
Panorama Sinkende Geburtenrate: Wie Smartphones die Menschheit schrumpfen lassen
25.07.2026

Je stärker sich Smartphones verbreiten, desto weniger Kinder werden geboren. Eine neue Untersuchung zeigt, wie digitale Kontakte...

DWN
Immobilien
Immobilien Neues Heizungsgesetz: Was das Gebäudemodernisierungsgesetz für Eigentümer und Mieter bedeutet
25.07.2026

Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat eines der umstrittensten Gesetzesvorhaben der jüngeren deutschen Geschichte...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: SpaceX verzeichnet Rekordtief; Aktien legen bei sinkendem Ölpreis leicht zu
24.07.2026

Ein turbulenter Handelstag an den US-Börsen bringt überraschende Wendungen und herbe Verluste für ein bekanntes Imperium.