Politik

WEF 2026 Davos: Grönland, Zölle, Machtpoker – Europas Kurs zwischen Diplomatie und Härte

Beim Weltwirtschaftsforum (WEF) 2026 in Davos wollen Europas Spitzenpolitiker noch vor Trumps Auftritt Akzente setzen. Zwischen Grönland-Streit, Zollandrohungen und wachsender Unsicherheit in der Wirtschaft steigt der Druck. Doch bleibt Europa cool – oder muss es endlich härter reagieren?
20.01.2026 08:43
Lesezeit: 3 min

Vor Trump-Rede beim WEF 2026: Europäer bereiten das Terrain

Im Streit mit den USA um Grönland können die Europäer beim WEF 2026 im Schweizer Davos die ersten Akzente setzen. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sollen am Auftakt des offiziellen Programms unter anderem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprechen. Viele der rund 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürften gespannt verfolgen, ob und wie die Spitzenpolitiker auf der zentralen Bühne des WEF 2026 (World Economic Forum) auf die Annexionsgelüste von US-Präsident Donald Trump eingehen.

Trump wird am Mittwoch in dem Alpenort Davos erwartet, wo auch er eine Rede halten will. Zuvor hatte er gegen Deutschland und mehrere andere europäische Länder neue Zölle zum 1. Februar angekündigt, falls sie der US-Übernahme von Grönland weiter im Weg stehen sollten. Auch deshalb richtet sich beim WEF 2026 viel Aufmerksamkeit auf die europäische Position.

Die größte Insel der Erde gehört zum Königreich Dänemark. Sowohl die Regierung in Kopenhagen als auch die von Grönland weisen Trumps Besitzansprüche zurück. US-Finanzminister Scott Bessent, der bereits in Davos vor Ort ist, warnte die EU vor Vergeltung. Er soll heute Nachmittag beim WEF 2026 von einer Reporterin des Trump-nahen Senders Fox Business Network öffentlich befragt werden.

Ist es zielführend, immer cool zu bleiben?

Der Generalsekretär des Europarats, Alain Berset, äußerte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur Zweifel, ob es für Europa wirklich zielführend sei, "immer zu versuchen, cool zu bleiben" und nicht hart zu reagieren. Möglicherweise müsse man auch mal dagegenhalten und sagen: "Nein, so geht es nicht." Man müsse auf Augenhöhe sprechen können und dürfe nicht einfach alles akzeptieren. In einem Gastbeitrag in der "New York Times" betonte er: "Das Völkerrecht ist entweder universell oder bedeutungslos. Grönland wird zeigen, wofür wir uns entscheiden."

In Zürich, knapp drei Stunden Zugfahrt von Davos entfernt, demonstrierten am Montagabend Schätzungen zufolge etwa 2.000 Menschen gegen Trump und das WEF 2026. Im Anschluss an die Kundgebung kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Wasserwerfer einsetzte. Die Proteste zeigen, dass das Weltwirtschaftsforum auch 2026 polarisiert.

Motto: "Im Geiste des Dialogs"

Das WEF 2026 steht dieses Mal unter dem Motto "Im Geiste des Dialogs". Erwartet werden zahlreiche Spitzenpolitiker wie Bundeskanzler Friedrich Merz, der am Donnerstag eine Rede halten soll, sowie Hunderte Topmanager. UN-Generalsekretär António Guterres sagte seine Teilnahme wegen einer schweren Erkältung ab, der iranische Außenminister Abbas Araghtschi wurde wegen des brutalen Vorgehens der autoritären Führung seines Landes gegen Demonstranten ausgeladen.

Auch der kanadische Regierungschef Mark Carney sowie der chinesische Vizepremier He Lifeng sollen heute in Davos sprechen. Zudem sind Dutzende kleinere und größere Gesprächsrunden geplant, bei denen unter anderem Microsoft-Chef Satya Nadella und Alex Karp vom US-Analysesoftware-Hersteller Palantir dabei sind. Das Weltwirtschaftsforum in Davos wird damit erneut zur Plattform für Politik und Konzerne.

Topmanager so pessimistisch wie lange nicht

Die globalen Krisen drücken aufs Gemüt. Insgesamt blicken Topmanager, eine einflussreiche Gruppe beim WEF 2026, so pessimistisch auf das eigene Unternehmen wie lange nicht. Das Vertrauen der Firmenbosse in die Umsatzaussichten ist auf ein Fünfjahres-Tief gesunken, wie aus einer Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC unter rund 4.450 Unternehmenschefs in 95 Ländern und Regionen hervorgeht.

Demnach sind nur drei von zehn Vorstandschefs zuversichtlich, dass der Umsatz ihres Unternehmens in den nächsten zwölf Monaten wachsen wird – vor vier Jahren waren es noch mehr als die Hälfte. Diese Stimmungslage dürfte auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos intensiv diskutiert werden.

Was ein Top-Berater sagt

Dagegen sieht der Chef der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman trotz Handelskonflikten, Zöllen und geopolitischer Spannungen keinen Rückzug der globalen Wirtschaft. "Viele haben gesagt: Das ist der Beginn oder die Fortsetzung der Deglobalisierung. Aber das sehe ich nicht so", sagte Nick Studer am Rande der WEF 2026-Tagung der dpa. "Ich sehe eine konstante, sich weiterentwickelnde Globalisierung."

Studer räumte aber ein, dass wirtschaftliche Beziehungen nicht mehr automatisch und dauerhaft funktionierten. Unternehmen müssten Entscheidungen treffen, ohne zu wissen, ob neue Handelshemmnisse dauerhaft Bestand hätten. Falls ja, seien Anpassungen unvermeidlich. "Dann muss man darüber nachdenken, neue Märkte zu erschließen oder neue Lieferketten aufzubauen", sagte Stuber. Und das sei "phänomenal schwierig".

Unternehmen müssten daher wieder stärker auf Widerstandsfähigkeit setzen. "Man braucht mehr Agilität, mehr Puffer und mehr Möglichkeiten, Schocks abzufedern", sagte der Oliver-Wyman-Chef. Insgesamt müssten sich Unternehmen darauf einstellen, dass Unsicherheit zum Dauerzustand werde. Gefragt seien flexible Strukturen, die auch unter wechselnden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tragfähig blieben.

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