Wirtschaft

Autonomes Fahren: Musk sieht zeitnahe Fortschritte bei der EU-Genehmigung

Globale Machtverschiebungen und technologische Umbrüche verdichten sich derzeit spürbar. Welche Folgen ergeben sich daraus für Europas politische Handlungsfähigkeit und wirtschaftliche Position?
23.01.2026 16:00
Lesezeit: 5 min
Autonomes Fahren: Musk sieht zeitnahe Fortschritte bei der EU-Genehmigung
Elon Musk spricht in Davos über technologische Umbrüche, geopolitische Spannungen und Europas wirtschaftliche Perspektiven (Foto: dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Elon Musk erwartet EU-Genehmigung für autonomes Fahren binnen eines Monats

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos standen geopolitische Machtfragen, der Ukrainekrieg sowie technologische Zukunftsthemen im Mittelpunkt der Debatten. Ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, neue Friedensankündigungen aus dem Umfeld der US-Regierung sowie Beiträge führender Wirtschaftsvertreter prägten die öffentliche Wahrnehmung des Forums.

Selenskyj nutzte seinen Auftritt, um Europa ungewöhnlich offen zu kritisieren und zugleich die Rolle der Vereinigten Staaten hervorzuheben. Parallel dazu stellte Trump ein neues internationales Friedensgremium vor, während Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die strategischen Folgen von Künstlicher Intelligenz, Energieversorgung und industrieller Wettbewerbsfähigkeit diskutierten.

Selenskyj lobt Trump und kritisiert Europas politische Trägheit

Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj trafen sich am Rande des Forums zu einem rund einstündigen Gespräch. Selenskyj erklärte anschließend, dass es trotz zahlreicher diplomatischer Kontakte bislang keinen entscheidenden Fortschritt auf dem Weg zu einem Ende des Krieges gegeben habe. Besonders deutlich kritisierte er die aus seiner Sicht mangelnde Entschlossenheit europäischer Staaten.

Gleichzeitig lobte Selenskyj die Vereinigten Staaten und Präsident Trump ausdrücklich. Ohne Trump bewege sich international wenig, sagte er. Er stellte die Frage, warum Trump Tanker der russischen Schattenflotte stoppen und Öl beschlagnahmen könne, während Europa dazu nicht fähig sei, obwohl diese Transporte entlang europäischer Küsten verliefen.

Selenskyj betonte, dass die auf diese Weise transportierten Ölmengen weiterhin zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine beitrügen. Wenn Präsident Wladimir Putin keinen finanziellen Spielraum mehr habe, gebe es auch keinen Krieg. Europa müsse diese Zusammenhänge ernster nehmen und entschlossener handeln, um Russlands Einnahmequellen wirksam zu begrenzen.

Forderung nach eigenständiger europäischer Sicherheitsstrategie

Selenskyj erklärte, Europa müsse langfristig eigene Streitkräfte aufbauen und dürfe sich nicht ausschließlich auf die NATO verlassen. Niemand habe das Bündnis bislang tatsächlich im Einsatz gesehen. Die Existenz der NATO beruhe vor allem auf der Annahme, dass die Vereinigten Staaten im Ernstfall militärisch eingreifen würden.

Diese Annahme sei jedoch nicht garantiert. Selenskyj stellte die Frage, was geschehe, wenn die USA sich künftig zurückhielten. Zugleich erklärte er, dass europäische Staaten ihre Verteidigungsausgaben ohne den politischen Druck Trumps kaum erhöht hätten und strukturell weiterhin zögerlich agierten.

Eine stabile und friedliche Ukraine sei Voraussetzung dafür, dass Europa selbst zu einer geopolitisch relevanten Macht werde. Ohne Sicherheit an der östlichen Peripherie bleibe der strategische Handlungsspielraum Europas begrenzt und seine außenpolitische Glaubwürdigkeit geschwächt.

Kritik an Rüstungslieferketten und europäischen Blockaden

Selenskyj kritisierte Europa zudem dafür, Unternehmen nicht konsequent daran zu hindern, Russland weiterhin Bauteile für Raketen zu liefern. Europa schweige, die USA griffen kaum ein, während Russland seine militärische Produktion ausweitete. Dieses Ungleichgewicht schwäche die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine erheblich.

Zugleich beschrieb Selenskyj die diplomatischen Zwänge seines Landes. Ihm sei geraten worden, bestimmte Waffensysteme nicht offen zu thematisieren, um Gespräche mit den USA nicht zu belasten. In Europa verhinderten hingegen anhaltende interne Konflikte eine offene und lösungsorientierte Debatte.

Statt sich zu einer global handlungsfähigen Macht zu entwickeln, bleibe Europa ein fragmentierter Zusammenschluss kleiner und mittlerer Staaten. Diese strukturelle Zersplitterung schwächt Europas politische Durchsetzungskraft und seine Fähigkeit, geschlossen auf sicherheitspolitische Herausforderungen zu reagieren.

Appell an Unternehmen und Trumps vorsichtige Reaktion

Vor seiner Abreise aus Davos rief Selenskyj internationale Unternehmen dazu auf, Vertretungen in der Ukraine zu eröffnen. Das wirtschaftliche Risiko sei derzeit überschaubar, zugleich sei ein solches Engagement ein sichtbares Signal des Vertrauens in Frieden, Stabilität und langfristigen Wiederaufbau.

Trump äußerte sich nach dem Treffen deutlich zurückhaltender. Man müsse abwarten, wie sich die Situation entwickle, sagte er vor Journalisten. Zugleich kündigte er an, dass die Vereinigten Staaten am folgenden Tag Gespräche mit Russland führen würden.

Trump betonte in diesem Zusammenhang, alle Seiten wollten ein Ende des Krieges. Konkrete Schritte, Zeitpläne oder Bedingungen für weitere Verhandlungen nannte er jedoch nicht und ließ die strategische Richtung der US-Diplomatie offen.

Kellogg prognostiziert Frieden bis Sommer 2026

Keith Kellogg, ehemaliger Sondergesandter Trumps für die Ukraine, erklärte laut Politico, er rechne mit einem Frieden bis zum Sommer 2026. Die Ukraine warnte er davor, die Region Donezk aufzugeben, da dies strategisch den Weg nach Kiew öffnen würde.

Im Unterschied zu Trump machte Kellogg Russland und Präsident Wladimir Putin eindeutig als größtes Hindernis für einen Friedensschluss aus. Auch Trump selbst erklärte, ein Ende des Krieges sei näher gerückt, ohne jedoch Details zu möglichen Vereinbarungen zu nennen.

Trumps neues Friedensgremium sorgt für Irritationen

Trump stellte in Davos ein neues internationales Friedensgremium vor, das nach seinen Worten künftig eine wichtigere Rolle als die Vereinten Nationen spielen solle. Die Financial Times beschrieb den Kreis als Zusammenschluss von Monarchen, ehemaligen sowjetischen Funktionären und Vertretern militärisch gestützter Regime. Aus der Europäischen Union gehören Ungarn und Bulgarien dazu, aus der NATO die Türkei.

Trump erklärte, auch Putin sei Teil des Kreises. Für eine lebenslange Mitgliedschaft hat Putin eine Milliarde Dollar angeboten, darunter eingefrorenes russisches Staatsvermögen. China bestätigte eine Einladung, betonte jedoch zugleich, weiterhin an der Rolle der Vereinten Nationen festzuhalten. Eine formelle Beteiligung an Trumps Gremium sei daher nicht vorgesehen.

Elon Musk über KI, Energie und autonomes Fahren

Elon Musk trat erstmals in Davos in einer kurzfristig angesetzten Fragerunde auf. Sein Einstieg mit einem Wortspiel über Trumps Friedensgremium stieß laut Bloomberg und Politico auf verhaltene Reaktionen. Moderator Larry Fink musste das Publikum mehrfach zum Applaus auffordern.

Musk erklärte, Künstliche Intelligenz könne bereits in diesem Jahr intelligenter als der Mensch werden und um 2030 die kombinierte Intelligenz der gesamten Menschheit übertreffen. Gleichzeitig warnte er, dass Energieknappheit den KI-Ausbau im Westen zunehmend begrenzen könne.

Während die Produktion von KI-Chips exponentiell wachse, steige die globale Stromerzeugung lediglich um rund vier Prozent jährlich. Schon bald könne die Chipproduktion das Marktvolumen übersteigen, mit Ausnahme Chinas, wo zusätzliche Nachfrage bestehe.

Autonome Fahrzeuge, Robotik und Industriepläne

Musk zeigte sich grundsätzlich optimistisch und erklärte, technologische Entwicklung erfordere Zuversicht und langfristige Investitionen. Er erwarte, dass Tesla innerhalb eines Monats die Genehmigung für überwachte selbstfahrende Fahrzeuge auf europäischen Straßen erhalte.

In mehreren US-Städten betreibe Tesla bereits Robotaxi-Dienste, die bis zum Jahresende weiter ausgebaut werden sollen. Autonomes Fahren sei im Kern bereits gelöst, sagte Musk, auch wenn regulatorische Fragen weiterhin eine zentrale Rolle spielten.

Zudem kündigte er an, dass der humanoide Roboter Optimus bis Ende kommenden Jahres für die breite Öffentlichkeit verfügbar sein solle. In Tesla-Fabriken übernehme Optimus bereits einfache Aufgaben, der Funktionsumfang werde schrittweise erweitert.

Larry Fink sieht keine KI-Spekulationsblase

BlackRock-Chef Larry Fink erklärte gegenüber Bloomberg TV, er glaube nicht an eine Blase im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Es werde Gewinner und Verlierer geben, doch der technologische Umbruch sei real und strukturell verankert.

Die Entwicklung erfordere Investitionen in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar. Staaten müssten ihre Stromnetze modernisieren und neue Energiequellen erschließen. KI werde Wissenschaft, Medizin und industrielle Prozesse nachhaltig verändern.

Die daraus resultierenden Kapitalinvestitionen könnten das globale Wachstum deutlich beschleunigen. Wie diese Chancen genutzt würden, hänge maßgeblich von den politischen Rahmenbedingungen und industriepolitischen Entscheidungen der einzelnen Länder ab.

Deutschlands strategische Herausforderungen

Für Deutschland verdeutlichen die Diskussionen von Davos mehrere strukturelle Schwächen. Selenskyjs Kritik macht die sicherheitspolitischen Defizite Europas sichtbar, an denen auch Deutschland erheblichen Anteil hat. Ohne klarere militärische und industriepolitische Strategien droht weiterer Einflussverlust.

Zugleich zeigen die Aussagen von Musk und Fink, dass Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit im Bereich KI, autonomer Systeme und moderner Industrie stark von Energieversorgung, Netzausbau und regulatorischer Geschwindigkeit abhängt. Bleiben Investitionen und Reformen aus, riskiert Deutschland, technologisch und wirtschaftlich weiter zurückzufallen.

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