Politik

NATO-Generalsekretär gibt den Inhalt des Gesprächs bekannt, das Donald Trump umgestimmt hat

Ein vertrauliches Gespräch zwischen Donald Trump und NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat die politische Lage abrupt verändert. Während Europa überrascht reagiert, rücken Grönland, China und Russland ins Zentrum eines heiklen Machtpokers.
26.01.2026 16:00
Lesezeit: 4 min
NATO-Generalsekretär gibt den Inhalt des Gesprächs bekannt, das Donald Trump umgestimmt hat
Der finnische Präsident Alexander Stubb (rechts) wurde in Davos gefragt, wer das Problem von US-Präsident Donald Trump lösen könnte. "Rutte", antwortete er bedenkenlos. (Foto: dpa) Foto: Markus Schreiber

Gespräch ohne Souveränitätszusagen zu Grönland

Das Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und NATO-Generalsekretär Mark Rutte drehte sich nach Ruttes Angaben um die allgemeine Sicherheitslage. Fragen territorialer Souveränität oder eine Ausweitung der US-Militärpräsenz in Grönland seien nicht Teil der Gespräche gewesen. Mark Rutte erklärte gegenüber Bloomberg, dass der Preis für Trumps Meinungsänderung keine Zugeständnisse bei der territorialen Souveränität gewesen seien.

Zuvor hatten internationale Medien berichtet, dass ein mögliches Abkommen zu Grönland mit einer Ausweitung von Militärbasen und wirtschaftlichen Vereinbarungen einhergehen könnte. CNN und die New York Times beriefen sich auf anonyme Beamte, denen zufolge den USA sogenannte souveräne Militärbasen angeboten werden könnten. Diese sollten nach dem Vorbild der britischen Basen auf Zypern gestaltet sein. Auch über eine bloße Ausweitung der militärischen Präsenz in Grönland wurde spekuliert. Laut Rutte war auch dies kein Thema des Gesprächs. Dänemark hatte zuvor erklärt, für eine stärkere US-Militärpräsenz grundsätzlich offen zu sein.

Fokus auf China und Russland

Rutte sagte Bloomberg, der Schwerpunkt des Gesprächs habe darauf gelegen, China und Russland sowohl militärisch als auch wirtschaftlich von Grönland fernzuhalten. Das berichtet das estnische Portal Äriepäev. Parallel dazu wurde in Washington zwischen Dänemark und den USA über eine mögliche Wiederaufnahme eines früheren Abkommens zu US-Militärbasen auf Grönland gesprochen. Das berichteten mehrere westliche Medien unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen.

Die Financial Times meldete ebenfalls unter Berufung auf anonyme Quellen, dass diskutiert worden sei, den USA ein Vetorecht gegen alle russischen und chinesischen Wirtschaftsprojekte in Grönland einzuräumen. Donald Trump erklärte später in einem Interview mit Fox News, die USA erhielten Zugang zu allem, was sie wollten, ohne zeitliche Begrenzung und ohne Kosten. Die Gespräche finden jedoch weitgehend unter Ausschluss der europäischen Öffentlichkeit statt. Nach Angaben von Politico waren die meisten europäischen Hauptstädte ebenso wenig informiert wie offenbar große Teile der dänischen Politik. Rutte deutete zudem an, dass sich die Verhandlungen noch in einem frühen Stadium befinden und sich über einen längeren Zeitraum hinziehen dürften.

Überraschung in Europa

Der abrupte Kurswechsel von Donald Trump sorgte in Europa für erhebliche Irritationen. Nach einer langen und teils widersprüchlichen Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos kündigte Trump überraschend an, auf einen Zollkrieg mit Europa vorerst zu verzichten und stattdessen einen neuen Deal anzustreben. Europäische Diplomaten reagierten laut Politico überrascht. Auch die Planungen des Europäischen Rates wurden durcheinandergebracht. Das Gremium wollte ursprünglich zusammentreten, um mögliche Gegenmaßnahmen auf Trumps Zollandrohungen zu beraten.

Ein stärkerer US-Einfluss auf Grönland mit Vetorechten gegenüber China und Russland könnte die strategische Lage im Nordatlantik verändern und zugleich neue Abhängigkeiten für Europa schaffen. Für die deutsche Außenpolitik stellt sich damit erneut die Frage nach der eigenen Rolle zwischen transatlantischer Partnerschaft und strategischer Eigenständigkeit. Der überraschende Kurswechsel von Donald Trump im NATO-Kontext zeigt, wie volatil die transatlantischen Beziehungen bleiben. Geheime Gespräche, fehlende europäische Einbindung und geopolitische Interessen in der Arktis erhöhen die Unsicherheit. Für Europa und insbesondere für Deutschland wächst der Druck, sicherheitspolitische Interessen klarer zu definieren und selbstbewusster zu vertreten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Photovoltaik-Ausbau: Wie Solarstrom Europas Energiemarkt stabilisiert
15.04.2026

Deutschlands Photovoltaik-Ausbau gewinnt in einem angespannten geopolitischen Umfeld strategisch an Bedeutung für den europäischen...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD klar stärkste Kraft - Union stürzt auf schlechtesten Wert seit vier Jahren
15.04.2026

In einer YouGov-Umfrage kann sich die AfD deutlich von den anderen Parteien absetzen. Auch Grüne und Linke legen zu. Die einzigen, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Prognose der Deutschen Bank: US-Dollar verliert an Stärke
15.04.2026

Die Deutsche Bank sieht eine veränderte Ausgangslage an den Devisenmärkten und rät Marktteilnehmern zu einer Neuausrichtung ihrer...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzspritze vom Bund: Eine Milliarde Euro für Länder und Kommunen
15.04.2026

Der Bund greift hoch verschuldeten Kommunen unter die Arme. Doch nicht nur sie werden entlastet - sondern auch die reichsten Bundesländer.

DWN
Politik
Politik „Strategische Partnerschaft“ mit Deutschland: Mehr Militärhilfe für die Ukraine beschlossen
15.04.2026

Die Militärhilfe für die Ukraine nimmt Fahrt auf. Nach neuen Rüstungskooperationen Deutschlands legt auch Großbritannien nach. Auch die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heidelberger-Druck-Aktie: Druckmaschinenhersteller steigt in Drohnenabwehr ein
15.04.2026

Das für Druckmaschinen bekannte Unternehmen Heidelberg steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Die Traditionsfirma will ihren Standort in...

DWN
Finanzen
Finanzen Riester-Reform: Lohnt sich der alte Vertrag zur Riester-Rente noch?
15.04.2026

Der neu beschlossene Riester-Nachfolger für eine bessere Altersvorsorge bringt höhere Rendite-Chancen als die klassische Riester-Rente,...

DWN
Finanzen
Finanzen Kaufkraft-Ranking in Krisenzeiten: Wo die regionalen Einkommen am meisten wert sind
15.04.2026

Das Verhältnis aus Einkommen und Lebenserhaltungskosten entscheidet über die reale Kaufkraft der Haushalte: Wo viel verdient wird, ist es...