Wirtschaft

Bundesagentur für Arbeit: Ohne Zuwanderung kein Wachstum für den Arbeitsmarkt in Deutschland

Ausländische Arbeitskräfte tragen Deutschlands Beschäftigungswachstum, während die Zahl deutscher Erwerbstätiger sinkt. Neue Daten zeigen Verschiebungen nach Herkunft, politische Initiativen und wirtschaftliche Abhängigkeiten. Doch wie stabil ist dieses Modell angesichts Demografie, Integration und wachsender Erwartungen an Migration?
27.01.2026 16:00
Lesezeit: 3 min
Bundesagentur für Arbeit: Ohne Zuwanderung kein Wachstum für den Arbeitsmarkt in Deutschland
Ein Beschäftigter aus Marokko prüft die Verschlüsse einer Filteranlage: Ausländische Beschäftigte tragen Deutschlands Arbeitsmarkt (Foto: dpa).

Arbeitsmarkt Deutschland: Bedeutung internationaler Arbeitskräfte nimmt zu

Ausländische Beschäftigte haben in den vergangenen Jahren eine zunehmend wichtige Rolle auf dem deutschen Arbeitsmarkt übernommen. Zuletzt wurde das Beschäftigungswachstum laut Bundesagentur für Arbeit (BA) ausschließlich von Ausländerinnen und Ausländern getragen, wie die BA in einer Zusammenstellung anlässlich einer Konferenz "Migration und Arbeit" heute in Berlin hervorhebt.

Während es immer weniger Beschäftigte mit deutscher Staatsangehörigkeit gebe, stiegen die Anteile bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit ausländischem Pass, so die BA weiter. Bei der Erwerbstätigkeit hatte es seit 2021 einen positiven Trend gegeben. 2025 waren laut einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes rund 46,0 Millionen Menschen erwerbstätig. Das waren 5.000 Personen weniger als im Jahr zuvor. Zuletzt hatte es im Corona-Jahr 2020 einen Rückgang gegeben.

Anteil ausländischer Beschäftigter legt zu

Nach Angaben der Bundesagentur hatte im Jahr 2015 knapp jeder zehnte Beschäftigte eine andere als die deutsche Staatsangehörigkeit. Aktuell liege der Anteil bei 17 Prozent, also inzwischen jeder sechste Beschäftigte. Dabei verändern sich die Herkunftsregionen, wie die Behörde feststellt.

Über viele Jahre hätten vor allem Beschäftigte aus der EU zum Beschäftigungszuwachs beigetragen. Seit 2024 jedoch gehen die Zahlen demnach zurück: Übten 2023 noch 2,57 Millionen Arbeitnehmende aus der EU eine Beschäftigung in Deutschland aus, lag die Zahl zuletzt 30.000 darunter. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Beschäftigten aus Drittstaaten laut der Bundesagentur von 2,74 Millionen auf 3,29 Millionen an. Die Gründe für die Menschen sind dabei Erwerbsmigration oder Flucht und Vertreibung.

Rückgang bei Deutschen, Zuwachs bei Ausländern

Inzwischen sind laut BA 1,2 Millionen Menschen aus den acht Asylherkunftsländern sowie mit ukrainischer Staatsangehörigkeit in Deutschland beschäftigt, gut eine Million davon in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit sinkt seit 2023, vor allem aufgrund des demografischen Wandels. Gingen 2022 laut BA noch 29,5 Millionen Deutsche einer Beschäftigung nach, fiel die Zahl im vergangenen Jahr auf 29,0 Millionen.

Auf der Konferenz, bei der auch Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) spricht, beraten die BA-Vorstände Vanessa Ahuja und Daniel Terzenbach mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Behörden, Unternehmen und Wissenschaft über die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Dabei geht es auch um politische Initiativen wie den "Job-Motor", mit dem Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) Flüchtlinge unter anderem aus der Ukraine stärker in Beschäftigung bringen wollte, oder um die "Work-and-Stay-Agentur", die als zentrale Anlaufstelle für Formalitäten ausländischer Fachkräfte vorgesehen ist.

"Weniger Zuwanderung – geringerer Wohlstand"

Die Bundesagentur fordert "klare Akzente" bei der Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt sowie bei der Erwerbsmigration aus Drittstaaten. So sprach sich Vanessa Ahuja aus dem BA-Vorstand für bessere Rahmenbedingungen aus, damit auch qualifizierte Fachkräfte dauerhaft im Land bleiben. "Wer nach Deutschland kommt, will hier arbeiten - aber auch sicher leben und dazugehören", sagte Ahuja der dpa.

Ihr Vorstandskollege Daniel Terzenbach betonte: "Zuwanderung ist eine notwendige Voraussetzung für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die soziale Stabilität unseres Landes." Keine Zuwanderung bedeute weniger Wohlstand. "Vor dieser Realität kann man nicht weglaufen."

Arbeitsmarkt in Deutschland im Wandel

Der deutsche Arbeitsmarkt verändert sich grundlegend. Ohne ausländische Beschäftigte gäbe es kaum Wachstum, während demografische Effekte die Zahl deutscher Arbeitskräfte drücken. Entscheidend bleibt, wie Integration, Qualifikation und Verlässlichkeit staatlicher Strukturen gestaltet werden. Politische Programme können helfen, ersetzen jedoch keine langfristige Strategie. Migration entscheidet zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit, soziale Stabilität und Wohlstand. Gleichzeitig wachsen Anforderungen an Verwaltung, Unternehmen und Gesellschaft. Ob das Modell trägt, hängt davon ab, ob Zuwanderung nicht nur möglich, sondern dauerhaft erfolgreich gestaltet wird. Dabei sind klare Regeln, schnelle Verfahren und gesellschaftliche Akzeptanz entscheidend, um Chancen zu nutzen und Risiken für Wirtschaft und sozialen Zusammenhalt zu begrenzen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum Frankreich weniger Schulden hat als die USA, dafür aber härter bestraft wird
23.10.2026

Die neuesten Eurostat-Daten für das zweite Quartal zeigen, dass die französische Staatsverschuldung im Verhältnis zur...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr: Wehrdienst-Fragebogen ignoriert? Dann droht ein Bußgeld
23.10.2026

Seit Januar werden in Deutschland junge Menschen ab 18 von der Bundeswehr zu ihrer Bereitschaft eines möglichen Wehrdiensts angeschrieben....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DWN-Podcast Folge 48: Die Woche im Rückblick – KW 43
23.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Länderfinanzausgleich: Söder will AfD- und Linke-Ländern Geld streichen
23.10.2026

Mit einer sogenannten "Extremismusklausel" will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mögliche von der AfD oder der Linken geführten...