Politik

Energieprojekt Bornholm: Dänemark und Deutschland einigen sich auf gemeinsame Finanzierung

Deutschland und Dänemark rücken bei einem zentralen Energieprojekt enger zusammen. Welche wirtschaftlichen und strategischen Folgen hat diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit für Europa?
28.01.2026 16:03
Lesezeit: 3 min
Energieprojekt Bornholm: Dänemark und Deutschland einigen sich auf gemeinsame Finanzierung
Dänemark und Deutschland teilen erstmals die Kosten für ein grenzüberschreitendes Offshore-Energieprojekt (Foto: iStock.com, Aleksandra Aleshchenko) Foto: Aleksandra Aleshchenko

Deutschland beteiligt sich an Finanzierung der Energieinsel Bornholm

Das Großprojekt Energiø Bornholm ist einen entscheidenden Schritt näher an der Umsetzung. Erstmals beteiligt sich mit Deutschland ein weiterer Staat an der Finanzierung staatlicher Unterstützung für dänische Offshore-Windenergie. Die deutsche Bundesregierung übernimmt einen erheblichen Teil der Kosten des Milliardenprojekts, das künftig sowohl Dänemark als auch Deutschland mit Strom versorgen soll.

Bei vollständiger Umsetzung wäre Energiø Bornholm das größte Energieprojekt in der Geschichte Dänemarks. Geplant ist der Bau von Offshore-Windparks mit einer Leistung von insgesamt drei Gigawatt. Diese Kapazität entspricht rechnerisch dem jährlichen Stromverbrauch von rund drei Millionen Haushalten.

Energiepolitisches Signal in geopolitisch angespannten Zeiten

Die Vereinbarung wird von beiden Regierungen ausdrücklich als geopolitisches Signal verstanden. Deutschlands Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche erklärte, Deutschland und Dänemark übernähmen gemeinsam Verantwortung für die zukünftige Energieversorgung Europas. Europa sende damit ein klares Zeichen für geschlossenes, unabhängiges und vorausschauendes Handeln.

Der Zeitpunkt der Einigung ist auch politisch bemerkenswert. Sie wurde nur wenige Tage nach dem Auftritt von US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos erzielt, bei dem er die Windenergie in Europa scharf kritisiert hatte. Die europäischen Ausbaupläne stehen damit bewusst im Kontrast zur US-amerikanischen Energiepolitik.

Politische Beschlüsse und ursprüngliche Projektarchitektur

Bereits im Jahr 2020 beschloss das dänische Parlament, Bornholm zur sogenannten Energieinsel auszubauen. Ziel ist es, Strom aus Offshore-Windparks zu bündeln und von dort aus sowohl nach Seeland als auch nach Deutschland weiterzuleiten. Das Projekt wurde früh als zentraler Baustein der dänischen Energiewende definiert.

Im Jahr 2023 bewilligte das Parlament staatliche Unterstützung von bis zu 17,6 Milliarden dänischen Kronen für die landseitige Infrastruktur und das Kabel nach Seeland, umgerechnet rund 2,36 Milliarden Euro. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass Deutschland etwa die Hälfte der Kosten für die Anlagen auf Bornholm sowie das Seekabel nach Deutschland trägt. Die Windparks selbst sollten unter Marktbedingungen realisiert werden.

Kostensteigerungen und gescheiterte Markterwartungen

Inzwischen ist das Projekt jedoch erheblich unter Druck geraten. Die Kosten für Kabel und Landanlagen fallen deutlich höher aus als ursprünglich kalkuliert. Der dänische Netzbetreiber Energinet bezifferte im September die dänischen Projektkosten allein auf rund 24 Milliarden Kronen, was etwa 3,22 Milliarden Euro entspricht.

Zusätzlich scheiterte im vergangenen Jahr eine groß angelegte Ausschreibung für Offshore-Windparks in der Nordsee und den inneren Gewässern vollständig. Kein einziger Anbieter reichte ein Gebot ein. Damit wurde deutlich, dass Offshore-Wind unter den aktuellen Marktbedingungen kaum ohne staatliche Unterstützung realisierbar ist.

Zunehmende Zweifel an der volkswirtschaftlichen Rentabilität

Neben den steigenden Kosten wächst auch die Kritik an der gesamtwirtschaftlichen Tragfähigkeit des Projekts. Die dänischen Wirtschaftsweisen forderten 2024 eine grundlegende Neubewertung. Nach ihren Berechnungen droht ein gesamtwirtschaftliches Defizit, bei dem die Kosten die gesellschaftlichen Vorteile übersteigen.

Sollte kein positiver volkswirtschaftlicher Nutzen nachgewiesen werden können, müsse das Projekt aufgegeben werden, erklärten die Wirtschaftsweisen. Die Kritik richtet sich dabei weniger gegen die energiepolitischen Ziele als gegen die aktuelle wirtschaftliche Ausgestaltung. Entscheidend sei ein belastbarer Nachweis des Nutzens für die Gesamtwirtschaft.

Gemeinsame Förderung als energiepolitisches Novum

Vor diesem Hintergrund hat Deutschland nun zugesagt, sich auch an möglichen staatlichen Förderungen zu beteiligen. Laut offizieller Mitteilung handelt es sich um das erste Mal, dass zwei Staaten gemeinsam die Unterstützung für einen Offshore-Windpark tragen. Die Vereinbarung markiert damit einen Präzedenzfall für grenzüberschreitende Energieinfrastruktur.

Konkrete Beträge wurden nicht genannt. Bekannt ist lediglich, dass das Projekt von der Europäischen Union mit 645 Millionen Euro gefördert wird. Die Einigung wurde auf einem Nordseegipfel in Hamburg unterzeichnet, an dem neben Dänemark und Deutschland weitere Anrainerstaaten teilnahmen.

Europäische Ausbauziele und technologische Perspektiven

Auf dem Gipfel bekräftigten die beteiligten Länder zudem ihr Ziel, bis 2050 Offshore-Windkapazitäten von insgesamt 300 Gigawatt in der Nordsee zu errichten. Derzeit sind laut Branchenverband Wind Europe in 13 europäischen Ländern zusammen lediglich 37 Gigawatt installiert. Der Ausbaubedarf bleibt damit erheblich.

Vertreter der Energiebranche bewerten die neue Vereinbarung positiv. Der Geschäftsführer von Green Power Denmark, Kristian Jensen, sprach von einem wichtigen Schritt für grenzüberschreitende Großprojekte. Offshore-Wind müsse künftig mehrere Länder gleichzeitig versorgen, um Versorgungssicherheit und Effizienz zu erhöhen.

Netzinfrastruktur als zentrale Voraussetzung

Auch der Branchenverband Tekniq bezeichnete die Einigung als Durchbruch, verwies jedoch auf strukturelle Engpässe. Der zusätzliche Strom müsse auch tatsächlich genutzt werden können. Dazu gehörten der Ausstieg aus Gasheizungen sowie bessere Bedingungen für die Elektrifizierung von Unternehmen.

Derzeit würden hohe Kosten und lange Wartezeiten beim Netzausbau den Fortschritt bremsen. Ohne eine leistungsfähige Infrastruktur drohe der Nutzen neuer Offshore-Projekte begrenzt zu bleiben. Die Energiewende stoße damit zunehmend an praktische Grenzen.

Deutschlands Rolle in der europäischen Energiearchitektur

Für Deutschland ist die Beteiligung an Energiø Bornholm ein strategischer Schritt mit langfristiger Bedeutung. Das Projekt stärkt die Versorgungssicherheit und bindet erneuerbare Energien stärker in einen europäischen Rahmen ein. Gleichzeitig erhöht sich der politische Druck, Netzausbau und Elektrifizierung im Inland zu beschleunigen.

Nur wenn Deutschland seine Infrastruktur konsequent anpasst, kann grenzüberschreitende Offshore-Windenergie wirtschaftlich und industriepolitisch wirksam werden. Energiø Bornholm wird damit auch zum Prüfstein für die praktische Umsetzung der deutschen Energiewende im europäischen Kontext.

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