Finanzen

Bargeldversorgung: Supermärkte lösen Bankfilialen als Bargeldquelle ab

Der Zugang zum eigenen Bargeld verändert sich in Deutschland schleichend: Während die Zahlen klassischer Bankfilialen und Geldautomaten seit Jahren rückläufig sind, weitet der Einzelhandel sein Angebot für Bargeldabhebungen kontinuierlich aus. Der DKB-Cash-Index belegt, welche Bargeldquelle vor allen in den Großstädten häufiger verfügbar ist und welche regionalen Unterschiede es gibt.
27.02.2026 09:23
Lesezeit: 9 min

Bargeldversorgung: Supermärkte lösen Geldautomaten als Bargeldquelle ab

Der Einzelhandel wird zunehmend zur führenden Bargeldquelle: In deutschen Großstädten bieten mittlerweile mehr Einzelhandelsgeschäfte als Geldautomaten die Möglichkeit zur Bargeldabhebung. So verfügt die ostdeutsche Stadt Chemnitz über die höchste Dichte an Shops mit Bargeldservice. Zu dem Ergebnis kommt der aktuelle Cash-Index der Deutschen Kreditbank ( DKB) Das Kreditinsititut hat dazu flächendeckend die jetzige Bargeldverfügbarkeit in 30 deutschen Städten verglichen.

Das veränderte Abhebungsverhalten der Deutschen hat indirekt mit der seit Jahren rückläufigen Zahl klassischer Geldautomaten und Bankfilialen zu tun: Waren es 2018 noch rund 59.000 Geldautomaten, so sind es 2024 weniger als 50.000. Parallel dazu weitet der Einzelhandel sein Serviceangebot für Bargeldabhebungen ("Cash-Back") kontinuierlich aus.

Cash-Index: Kombinierte Verfügbarkeit von Bargeld

Der Cash-Index gibt an, wie gut die 30 größten Städte Deutschlands sowie die Bundesländer mit Möglichkeiten zur Bargeldabhebung versorgt sind. Je höher der Index, desto mehr Anlaufstellen stehen zur Verfügung.

Dafür misst der Cash-Index die Zahl verfügbarer Bargeldabhebungsmöglichkeiten pro 10.000 Einwohner und kombiniert dabei klassische Geldautomaten, Bankfilialen sowie Einzelhandelsgeschäfte mit Bargeldservice. Weil nicht für alle Bankfilialen die exakte Anzahl an Automaten öffentlich einsehbar ist, werden sämtliche Filialen der ATM-Kategorie zugerechnet.

Der Index zeigt, dass Verbraucher in Städten durchschnittlich auf 6,4 Abhebemöglichkeiten pro 10.000 Einwohner zugreifen können. Auf Bundeslandebene liegt der Mittelwert bei 7,0. Damit bleibt das Niveau trotz rückläufigem Automatenbestand weitgehend stabil – vor allem durch das zunehmende Engagement des Einzelhandels.

Einzelhandel holt auf – und überholt die Banken

In Großstädten liegt die Dichte an Einzelhandelsfilialen mit Bargeldservice (3,4 pro 10.000 Einwohner) mittlerweile leicht über der von klassischen ATMs (3,0). Besonders stark ist der Einzelhandel in Chemnitz vertreten – mit 4,64 entsprechenden Standorten pro 10.000 Einwohner. Auch Braunschweig (3,99) und Hannover (3,93) weisen hohe Werte auf.

Demgegenüber bietet Karlsruhe mit nur 2,65 Geschäften pro 10.000 Einwohner die geringste Verfügbarkeit. In acht von 30 untersuchten Städten übertrifft das ATM-Angebot noch die Dichte der Einzelhandelsstandorte.

Aachen, Chemnitz und München führen beim Gesamt-Index

Die Stadt Aachen erreicht mit 7,73 kombinierten Möglichkeiten zur Bargeldabhebung den höchsten Cash-Index. Es folgen Chemnitz (7,65) und München (7,04). Die Hauptstadt Berlin liegt mit einem Indexwert von 6,89 auf Rang vier. Schlusslichter sind Dortmund (5,04) und Duisburg (4,32).

Besonders auffällig ist der Unterschied in Dortmund: Dort stehen 3,38 Einzelhandelsfilialen mit Bargeldservice nur 1,66 klassischen Bargeldstellen gegenüber – eine der höchsten Differenzen im Städteranking.

Regionale Unterschiede im Bundesländervergleich

Auch im Bundesländer-Vergleich zeigt sich ein deutliches Ost-West-Gefälle. Die höchste Bargeldverfügbarkeit pro 10.000 Einwohner bieten Mecklenburg-Vorpommern (9,02), Sachsen-Anhalt (8,08) und Bayern (8,02). Am unteren Ende rangieren Nordrhein-Westfalen (6,04), Bremen (6,28) und das Saarland (6,59).

Während Berlin bei den Geldautomaten vorn liegt, fällt die Hauptstadt beim Einzelhandel mit einem Indexwert von 3,33 auf einen der letzten Plätze zurück. Auch in Baden-Württemberg übertrifft die Zahl der Geldautomaten jene der Einzelhandelsangebote – eine Ausnahme im bundesweiten Trend.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung mit sämtlichen Indizes zu allen Städten und Bundesländern finden Sie kostenlos online.

Mögliche Nachteile beim Bargeld abheben im Supermarkt

Der "Cash-Back"-Service an der Supermarktkasse hat auf den ersten Blick für den Kunden klare Vorteile: Sie erledigen Einkauf und Bargeldversorgung in einem Schritt. Doch diese Bequemlichkeit bringt auch Nachteile mit sich:

  • Abhängigkeit von Technik: Ist das Kartenterminal defekt oder die Verbindung gestört, funktioniert weder Zahlung noch Abhebung.
  • Gebühren: Obwohl der Service oft kostenlos ist, können Banken Gebühren für Abhebungen außerhalb ihres eigenen Automatennetzes erheben.
  • Datenschutz/Privatsphäre: Der Vorgang ist für nachfolgende Kunden sichtbar, was die Diskretion und Sicherheit einschränkt.
  • Einschränkung für den Händler: Für Supermärkte steigen die Kosten durch Bargeldhandling und logistischen Aufwand. Pro Transaktion können 0,1 bis 0,2 Prozent Gebühren anfallen.
  • Mindesteinkaufswert: Oft muss ein bestimmter Einkaufswert (häufig 10 bis 20 Euro) erreicht werden, um Geld abzuheben.
  • Limitierte Beträge: Die Barauszahlung ist meist auf einen Höchstbetrag (oft 200 Euro) pro Einkauf begrenzt.

Der Bargeldservice bedeutet für Händler nicht nur zusätzliche Kosten sondern das wachsende Kundeninteresse kann auch zu Bargeldengpässen in den Filialen führen, vor allem vormittags, wenn die Kassenbestände noch gering sind. Manche Märkte müssten dann sogar Bargeld zukaufen und niedrigere Auszahlungsgrenzen festlegen - oder sie schränken Abhebservice aus Mangel an Bargeld ganz ein.

Fazit: Der Zugriff aufs Bargeld ändert sich

Die Ergebnisse verdeutlichen eine struktruelle Veränderung in der Bargeldinfrastruktur: Supermärkte, Discounter, Drogerien und Baumärkte sind inzwischen häufiger als Bargeldquelle verfügbar als klassische ATMs. Damit verlagert sich der Bargeldzugang zunehmend an Orte des täglichen Bedarfs. Positiv betrachtet trägt das Angebot des Einzelhandels dazu bei, die rückläufige Anzahl an Geldautomaten und Bankfilialen auszugleichen. Negativ betrachtet, wird die Art des Zugriffes aufs eigene Bankkonto eingeschränkt. Der Verbraucher hat nicht mehr die Wahl. Und es kann zu Bargeldengpässen kommen, nicht nur weil es regional große Unterschiede in der Versorgung gibt, sondern, wenn die Supermarktkasse nicht genug Bargeld auszahlen kann. Letztendlich muss nicht der Einzelhandel sondern die eigene Bank den Zugriff aufs eigene Bankkonto jederzeit und flächendeckend gewährleisten.

Ausblick Deutsche Bank: KI und weniger Filialen

Mehr Digitalisierung, weniger Filialen: Die Deutsche Bank baut ihr Privatkundengeschäft weiter um. "Bis Ende 2026 sollen im Rahmen der bestehenden Programme noch rund 100 Standorte wegfallen, nachdem es schon in den vergangenen Jahren Kürzungen gab", sagte Privatkundenvorstand Claudio de Sanctis der DPA. Demnach werde der Trend zur Digitalisierung auch Stellen kosten. "Natürlich werden wir im Privatkundengeschäft weniger Mitarbeiter benötigen, sobald wir den digitalen Ansatz vollständig umgesetzt haben", sagte de Sanctis. "Dabei setzen wir primär auf natürliche Fluktuation. Mitarbeiter, die in den Ruhestand gehen oder die Bank aus anderen Gründen verlassen, werden nicht ersetzt.

Ende vergangenen Jahres hatten Deutsche Bank und Postbank nach Konzernangaben in Deutschland zusammen 750 Zweigstellen.

Methodik der Untersuchung: Der Cash-Index der Deutschen Kreditbank ( DKB) basiert auf OpenStreetMap-Daten vom 10. November 2025. Erfasst wurden Bankfilialen, freistehende Geldautomaten sowie Einzelhandelsfilialen mit Bargeldservice aus 23 Ketten, darunter Rewe, Lidl, dm oder Aldi. In Fällen fehlender Filialdaten wurde davon ausgegangen, dass Bargeldservice flächendeckend angeboten wird. Die Untersuchung versteht sich als Infrastrukturvergleich und erhebt nicht den Anspruch, die exakte Anzahl an Bargeldabhebungsstellen pro Stadt oder Bundesland abzubilden. Vielmehr geht es um die vergleichende Darstellung regionaler Unterschiede im Zugang zu Bargeld.

Die umfassende Analyse mit weiteren Informationen sowie Grafiken finden Sie unter folgendem Link: www.dkb.de/finanzwissen/cash-index-analyse

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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