Panorama

Allensbach-Umfrage: Mehrheit bewertet USA als Risiko für den Weltfrieden – Russland bleibt zentrales Sicherheitsrisiko

Eine aktuelle Allensbach-Umfrage zeigt einen spürbaren Wandel im sicherheitspolitischen Denken der Deutschen. Vertrauen bröckelt, alte Gewissheiten geraten ins Wanken, neue Sorgen rücken in den Vordergrund. Doch was bedeutet das für Deutschlands Rolle, Sicherheit und Zukunft in einer unsicheren Welt?
10.02.2026 11:03
Lesezeit: 3 min

Mehrheit bewertet USA als Risiko für den Weltfrieden

Der Blick vieler Menschen in Deutschland auf die Vereinigten Staaten hat sich seit 2024 deutlich gewandelt – und zwar zum Schlechteren. Das belegen die Resultate einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung.

Auf die Frage, von welchen Ländern in den kommenden Jahren wohl die größte Gefahr für den Weltfrieden ausgehe, nannten im Januar fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) die USA. Zum Vergleich: Als die Meinungsforscher dieselbe Frage ein Jahr zuvor stellten, waren es 46 Prozent. 2024 sah lediglich knapp ein Viertel der Bevölkerung (24 Prozent) eine Bedrohung für den Frieden durch die USA. Dass die USA militärische Unterstützung leisten würden, falls ein europäischer Nato-Staat angegriffen würde, glaubt laut Umfrage nur knapp ein Drittel (32 Prozent) der Menschen in Deutschland. 35 Prozent glauben das nicht. 33 Prozent sind bei dieser Frage unentschieden.

Russland weiterhin vor USA und China

Die größte Gefahr für den Frieden in der Welt geht nach Einschätzung der Menschen in Deutschland weiterhin von Russland aus. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 zählen bei der jährlich durchgeführten Umfrage zwischen 75 Prozent und 82 Prozent der Teilnehmer Russland zu den Ländern, von denen "in den nächsten Jahre die größte Gefahr, die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt" ausgeht.

Aktuell liegt der Wert den Angaben zufolge bei 81 Prozent. China halten demnach derzeit 46 Prozent der Menschen hierzulande für einen Staat, der den Weltfrieden gefährdet. Für den Sicherheitsreport 2026 waren zwischen dem 6. und 19. Januar bundesweit 1.077 Menschen im Alter ab 16 Jahren befragt worden.

Kriegsgefahr für Deutschland? Einige denken über Flucht nach

Die Meinungsforscher wollten von ihnen außerdem wissen, für wie wahrscheinlich sie es halten, dass Deutschland selbst in den kommenden Jahren in einen Krieg verwickelt wird. Für sehr wahrscheinlich halten dies zwar lediglich drei Prozent der Bevölkerung. Immerhin 28 Prozent denken allerdings, dass dies "eher wahrscheinlich" ist. 24 Prozent der Befragten äußerten sich unentschieden. Dass ein solches Szenario eher unwahrscheinlich ist, glauben 40 Prozent der Menschen in Deutschland; fünf Prozent halten es sogar für sehr unwahrscheinlich.

Mehr als jeder Zehnte hat den Angaben zufolge bereits darüber nachgedacht, in einem solchen Fall das Land zu verlassen. Um herauszufinden, wie groß der Anteil der Bevölkerung ist, der im Falle einer deutschen Kriegsbeteiligung flüchten würde, hat das Institut folgende Frage gestellt: "Neulich sagte jemand: "Wenn Deutschland in einen Krieg verwickelt wird, würde ich Deutschland verlassen." Wie ist das bei Ihnen: Würden Sie in einem solchen Fall auch darüber nachdenken, Deutschland zu verlassen, oder käme das für Sie nicht infrage?"

Etwa jeder Zweite würde sicher bleiben

Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) antworteten demnach, für sie käme es nicht infrage, Deutschland zu verlassen. Rund jeder Vierte (24 Prozent) gab an, in einem solchen Fall über eine Flucht nachzudenken. 14 Prozent der Bevölkerung hat laut Umfrage bereits darüber nachgedacht, in einem solchen Fall Deutschland zu verlassen. 13 Prozent der Befragten äußerten sich zu dieser Frage unentschieden.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen auch, dass sich derzeit nicht mehr so viele Menschen durch Terroranschläge bedroht fühlen wie noch vor Jahresfrist. Waren es vor Jahresfrist noch 42 Prozent, so fühlen sich aktuell noch rund 33 Prozent durch Terroranschläge persönlich bedroht.

Mehr Gewicht auf innere Sicherheit?

Dass Fragen der inneren Sicherheit insgesamt für die aktuelle Regierung einen größeren Stellenwert haben als für die Vorgängerregierung aus SPD, Grünen und FDP, glauben 36 Prozent der Menschen in Deutschland. 44 Prozent sehen hier keinen Unterschied. Neun Prozent meinen, dass dieses vor allem von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) besetzte Politikfeld für die schwarz-rote Bundesregierung eine weniger große Bedeutung hat als für die Ampel-Regierung. Elf Prozent der Befragten äußerten sich hierzu unentschieden. Die Grünen hatten Dobrindt zuletzt vorgeworfen, er beschäftige sich zu wenig mit innerer Sicherheit und sei zu stark auf Migrationsfragen fokussiert.

Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen eine tiefgreifende Verschiebung im sicherheitspolitischen Denken der deutschen Bevölkerung. Vertrauen in internationale Partner nimmt ab, während klassische Bedrohungen weiterhin präsent bleiben. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einer direkten Verwicklung Deutschlands in militärische Konflikte. Diese Mischung aus Skepsis, Angst und Unsicherheit stellt Politik und Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Künftige Entscheidungen werden sich stärker an Sicherheitsfragen messen lassen müssen – sowohl außen- als auch innenpolitisch. Wie glaubwürdig Schutzversprechen sind und wie Sicherheit vermittelt wird, dürfte entscheidend dafür sein, ob Vertrauen zurückgewonnen oder weiter verspielt wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU Inc.: Europas Tech-Traum droht an Amerika zu zerbrechen
26.05.2026

Europa gründet, forscht und erfindet. Doch wenn aus Ideen Konzerne werden sollen, wandern viele der besten Firmen in Richtung USA. Mit EU...

DWN
Politik
Politik Forschungsstandort Europa 2026: Zwischen Exzellenz und Sparzwang
25.05.2026

Europa forscht stark, doch Kürzungen bei Horizon Europe bedrohen den Anschluss an USA und China. Was das für Talente, Patente und...

DWN
Politik
Politik Weltbekannter Professor sieht gefährliche Veränderung bei Trump
25.05.2026

Francis Fukuyama sieht Trump politisch geschwächt, aber gerade deshalb gefährlich. Für Dänemark und Grönland könnte die nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Arbeitsmarkt: Wer durch KI ersetzt wird, zahlt jahrelang
25.05.2026

KI soll Unternehmen schneller, schlanker und profitabler machen. Doch für Beschäftigte, die durch neue Technologien ihren Job verlieren,...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienempfehlungen: Günstige Aktien trotz KI-Hype, Zinsrisiko und Rüstungsboom
25.05.2026

Viele Anleger jagen weiter den teuersten KI-Gewinnern hinterher, doch Morningstar sieht die spannendere Chance woanders. Zehn globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hyundai Kona im Test: Futuristisch, mutig und anders
25.05.2026

Der Hyundai Kona sieht aus, als wolle er nicht jedem gefallen. Genau das macht ihn spannend, denn hinter der mutigen Form steckt ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
25.05.2026

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Veggie-Burger-Boom verliert an Tempo: Fleischersatz in Deutschland erstmals rückläufig
25.05.2026

Pflanzliche Fleischalternativen haben den Lebensmittelmarkt in Deutschland stark verändert. Doch nach Jahren kräftigen Wachstums sinkt...