Kakaopreis fällt auf Mehrjahrestief
Schwache globale Nachfrage und steigende Angebotsmengen haben den Kakaopreis auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gedrückt. Mit rund 3.800 US-Dollar je Tonne notiert der Rohstoff deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Analysten rechnen für die beginnende Saison mit einem spürbaren Produktionsüberschuss.
Die März-Futures auf Kakao verloren am Dienstag an der Börse in New York 7,24 Prozent, in London lag das Minus bei 6,97 Prozent. In New York fiel der Preis auf den niedrigsten Stand seit 2,25 Jahren. Seit rund sechs Wochen stehen die Notierungen unter Druck, da größere als erwartete Rohstoffmengen auf den Markt gelangen, wie Nasdaq berichtet.
Zusätzliche Impulse kamen aus Nigeria. Der Export des weltweit fünftgrößten Produzenten stieg im Dezember im Jahresvergleich um 17 Prozent auf knapp 55.000 Tonnen. Die höheren Ausfuhren verstärken den Eindruck, dass sich das Angebot schneller ausweitet als die Nachfrage.
Lagerbestände steigen deutlich
Während der Markt in den vergangenen Jahren zeitweise von Engpässen geprägt war, rückt nun ein Überangebot in den Vordergrund. Das Analysehaus StoneX prognostizierte Ende Januar für die Saison 2025 und 2026 einen globalen Überschuss von 287.000 Tonnen. Die Internationale Kakao-Organisation ICCO bestätigte, dass die weltweiten Lagerbestände binnen eines Jahres um 4,2 Prozent auf 1,1 Millionen Tonnen gestiegen sind.
Auch die an der ICE-Börse erfassten Bestände erreichten den höchsten Stand seit dreieinhalb Monaten. Gleichzeitig wurden die Prognosen für die laufende Saison nach unten angepasst. Die ICCO senkte ihre Erwartung für den Überschuss 2024 und 2025 von zuvor 142.000 auf 49.000 Tonnen.
Rabobank korrigierte ebenfalls ihre Schätzung und rechnet für die kommende Saison mit einem Überschuss von 250.000 Tonnen statt zuvor 328.000 Tonnen. Damit verdichten sich die Hinweise auf einen Angebotsüberhang. Wie groß dieser tatsächlich ausfällt, hängt jedoch von der weiteren Entwicklung bei Ernte und Nachfrage ab.
Nachfrage schwächt sich ab
Neben dem steigenden Angebot belastet die nachlassende Nachfrage die Preisentwicklung. Hohe Schokoladenpreise dämpfen die Kaufbereitschaft vieler Verbraucher. Der weltweit größte Schokoladengroßhändler Barry Callebaut meldete zuletzt einen Rückgang des Absatzvolumens seiner Kakaosparte um 22 Prozent.
Auch die Verarbeitungszahlen bestätigen diesen Trend. In Europa sank die Kakaoverarbeitung im vierten Quartal um 8,3 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. In Asien betrug der Rückgang 4,8 Prozent, während das Volumen in Nordamerika mit einem leichten Anstieg von 0,3 Prozent nahezu unverändert blieb.
Damit treffen steigende Bestände auf eine schwächere industrielle Nachfrage. Für den Markt erhöht sich dadurch der Druck auf die Notierungen. Entscheidend wird sein, ob sinkende Preise die Nachfrage wieder beleben können.
Positive Signale aus Westafrika
In Westafrika sorgen günstige Wetterbedingungen für positive Ernteaussichten. Bauern in der Elfenbeinküste und in Ghana berichten von größeren und qualitativ besseren Schoten als im Vorjahr. Der Schokoladenhersteller Mondelez teilte mit, dass die jüngste Zählung der Kakaoschoten in Westafrika um 7 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt lag und deutlich über dem Wert des vergangenen Jahres.
Zwar liegen die an die Häfen der Elfenbeinküste gelieferten Mengen derzeit noch 3,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt überwiegt jedoch eine konstruktive Einschätzung der Erntelage. Die ICCO erwartet für die laufende Saison 2024 und 2025 erstmals wieder einen Überschuss und rechnet mit einem Produktionsanstieg von 7,4 Prozent.
Analysten gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung im Wirtschaftsjahr 2025 und 2026, das im Herbst beginnt, fortsetzen könnte. Damit würde sich die Angebotslage am Weltmarkt weiter entspannen. Für die Preisentwicklung bleibt jedoch die Dynamik auf der Nachfrageseite maßgeblich.
Implikationen für Deutschland
Für Deutschland als einen der größten Schokoladenmärkte Europas könnten sinkende Kakaopreise mittelfristig Entlastung bei den Beschaffungskosten bringen. Gleichzeitig bleibt die Branche angesichts schwankender Nachfrage und unsicherer Prognosen gefordert. Entscheidend wird sein, wie stabil sich Angebot und Nachfrage in den kommenden Quartalen entwickeln.


