Ist die Herkunft eines Autos heute noch entscheidend
Ob ein Auto am Ende als chinesisch oder schwedisch gilt, ist für viele Käufer zweitrangig. Entscheidend ist, was sie für ihr Geld erhalten. Der überarbeitete Lynk & Co 01 bietet für 36.000 beziehungsweise 40.000 Euro eine Ausstattung, für die bei europäischen Wettbewerbern meist deutliche Aufpreise fällig werden.
Zugleich tritt das Kompakt-SUV als leistungsstarker Plug-in-Hybrid mit 280 PS und einer elektrischen Reichweite von bis zu 75 Kilometern an. Damit positioniert sich der 01 selbstbewusst in einem Segment, das in Europa stark umkämpft ist.
Eine Marke zwischen Göteborg und China
Lynk & Co lässt sich nicht eindeutig national verorten. Ist es eine chinesische oder eine internationale Marke? Laut David Green, Vizepräsident von Lynk & Co, greift diese Einordnung zu kurz. Der Ursprung liegt in einer vor rund zehn Jahren von Geely entwickelten C-Segment-Plattform.
Gemeinsam mit Volvo-Ingenieuren entstand eine Architektur, die für mehrere Konzernmarken gedacht war. Auf dieser Basis entwickelte sich schließlich Lynk & Co. Der Hauptsitz befindet sich in Göteborg, die Entwicklung erfolgte in Schweden, produziert wird ausschließlich in China.
Für Käufer zählt jedoch weniger die Markenherkunft als der konkrete Gegenwert. Der Lynk & Co 01, das erste Modell der Marke, erhielt im vergangenen Jahr eine Modellpflege zur Mitte seines Lebenszyklus. Das Ergebnis ist ein deutlich gereifter Auftritt.
Reifer Auftritt mit hochwertigem Innenraum
Die erste Generation wirkte noch verspielt, teilweise fast etwas überzeichnet. Nach der Überarbeitung präsentiert sich der 01 deutlich nüchterner und souveräner. Äußerlich hat sich zwar wenig verändert, der Gesamteindruck ist jedoch klarer und erwachsener.
Im Innenraum überzeugt vor allem die Anmutung. Türen schließen mit einem satten, hochwertigen Geräusch, Materialien und Verarbeitung wirken durchweg solide. Mit 4,54 Metern Länge, 1,86 Metern Breite und 1,70 Metern Höhe bewegt sich das Modell im Mittelfeld der kompakten SUV-Klasse.
Der Radstand von 2,73 Metern sorgt für großzügige Platzverhältnisse auf allen Sitzplätzen. Der Kofferraum bietet 466 Liter Volumen, bei umgeklappter Rückbank bis zu 1.213 Liter. Die Vordersitze sind gut konturiert, angenehm gepolstert und mit hochwertig wirkendem Kunstleder bezogen.
Die Materialqualität und das Raumangebot liegen über dem Klassendurchschnitt. Die Serienausstattung erinnert in Teilen an einen sehr gut ausgestatteten Volvo XC40, der jedoch deutlich mehr als 40.000 Euro kostet. Einschränkungen gibt es lediglich beim Ladevolumen, das wegen der im Fahrzeugboden integrierten Batterie etwas geringer ausfällt als bei manchen Wettbewerbern.
280 PS mit harmonischem Antriebskonzept
Technisch bleibt der 01 ein Plug-in-Hybrid. Er kombiniert einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit einem Elektromotor. Die Systemleistung beträgt 280 PS beziehungsweise 206 Kilowatt, das maximale Drehmoment liegt bei 400 Newtonmetern.
Der Elektromotor mit 107 Kilowatt sorgt insbesondere im Stadtverkehr für spontane und zugleich sanfte Beschleunigung. Der 102-Kilowatt starke Benzinmotor bleibt dabei meist im Hintergrund. Wird mehr Leistung benötigt, etwa beim Überholen oder an Steigungen, schaltet sich der Verbrenner unauffällig hinzu.
Der Sprint auf 100 Stundenkilometer gelingt in 7,7 Sekunden. Entscheidend ist jedoch weniger der reine Wert als das insgesamt stimmige Fahrgefühl. Der Wechsel zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor erfolgt harmonisch und ohne spürbare Übergänge.
Das Fahrwerk setzt auf einen ausgewogenen Kompromiss aus Komfort und Stabilität. Unebenheiten werden souverän verarbeitet, gleichzeitig bleibt die Karosserie bei höherem Tempo stabil. Damit eignet sich der 01 sowohl für den Stadtverkehr als auch für längere Autobahnfahrten.
Solide Batterie mit praxisnaher Reichweite
Mit einer Batteriekapazität von 17,7 Kilowattstunden liegt der 01 weiterhin über dem Klassendurchschnitt. Die offizielle elektrische Reichweite beträgt 75 Kilometer, im Alltag sind realistisch 60 bis 65 Kilometer möglich. Für viele Pendler dürfte das ausreichen, um tägliche Strecken rein elektrisch zurückzulegen. Die Ladeleistung fällt jedoch zurückhaltend aus.
An Wechselstrom lädt das Fahrzeug mit 6,6 Kilowatt, eine Schnellladefunktion mit Gleichstrom wird nicht angeboten. Gerade im Vergleich zu neueren Wettbewerbern ist das ein Nachteil. Dennoch bleibt der elektrische Anteil im Alltag hoch, sofern regelmäßig geladen wird.
Vollausstattung zum Preis deutscher Basismodelle
Eine der größten Stärken des Lynk & Co 01 ist die umfangreiche Serienausstattung. Die besser ausgestattete Variante More kostet 40.000 Euro, das Basismodell 36.000 Euro. Bereits die höhere Version deckt nahezu alle Ausstattungswünsche eines typischen Familien-SUV ab.
Serienmäßig an Bord sind ein 15,4 Zoll großer Touchscreen, ein digitales Kombiinstrument, LED-Scheinwerfer vorne und hinten, ein Panoramadach, Ambientebeleuchtung sowie 20-Zoll-Räder. Hinzu kommen beheizbare Sitze und ein beheizbares Lenkrad sowie eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik.
Assistenzsysteme wie adaptiver Tempomat und Spurhalteassistent erhöhen die Sicherheit. Eine 360-Grad-Kamera und Einparkhilfen erleichtern das Rangieren. Mehrere USB-C-Anschlüsse und moderne Konnektivitätsfunktionen ermöglichen eine nahtlose Smartphone-Integration. Das Audiosystem mit zehn Lautsprechern hinterlässt ebenfalls einen hochwertigen Eindruck
Wettbewerbsdruck für Hersteller in Deutschland
Der Lynk & Co 01 zeigt, wie stark sich das Preis-Leistungs-Verhältnis im Segment der Plug-in-Hybrid-SUVs verschoben hat. Für einen Preis, zu dem deutsche Hersteller häufig nur Basismodelle anbieten, liefert er ein nahezu vollständiges Ausstattungspaket und eine überzeugende Antriebstechnik.
Für den deutschen Markt bedeutet das wachsenden Wettbewerbsdruck. Kunden vergleichen heute stärker als früher Ausstattung, Reichweite und Gesamtpreis. Die Herkunft der Marke tritt dabei zunehmend in den Hintergrund, während das konkrete Angebot über die Kaufentscheidung entscheidet.

