Finanzen

Paypal-Aktie vor der Wende: Stripe prüft Übernahme

Stripe erwägt laut Bloomberg eine Übernahme von PayPal ganz oder in Teilen. Steht die PayPal-Aktie vor einer Trendwende oder bleibt es bei Spekulationen?
26.02.2026 11:01
Lesezeit: 3 min
Paypal-Aktie vor der Wende: Stripe prüft Übernahme
Wird Stripe zum Retter der gefallenen Paypal-Aktie? (Foto: dpa) Foto: Felix Kästle

Stripe könnte PayPal-Aktie schlucken

Der Zahlungsdienstleister Stripe prüft eine mögliche Übernahme von PayPal, berichtet das slowenische Wirtschaftsportal Casnik Finance unter Berufung auf Bloomberg. Diskutiert wird sowohl ein vollständiger Erwerb als auch der Kauf einzelner Geschäftsbereiche. Die Nachricht sorgte an der Börse für Bewegung: Die PayPal-Aktie legte um 6,47 Prozent zu. Noch befinden sich beide Unternehmen in Gesprächen, ein Abschluss ist keineswegs gesichert.

Während Stripe ein privat geführtes Fintech-Unternehmen ist, blickt PayPal auf eine lange Börsenhistorie zurück. Bereits 2002 wagte das Unternehmen den Gang an die Börse, wurde kurz darauf von eBay übernommen und später wieder abgespalten. In den vergangenen Jahren geriet PayPal jedoch zunehmend unter Druck.

Vom Pionier zum Nachzügler

PayPal wurde 1998 von Max Levchin, Peter Thiel und Luka Nosek gegründet. Das Netzwerk rund um die Gründer ist als sogenannte „PayPal-Mafia“ bekannt, aus der unter anderem Elon Musk mit Tesla und SpaceX sowie Thiel mit Palantir hervorgingen. Stripe wurde 2010 von den Brüdern John und Patrick Collison gegründet, zu den frühen Investoren zählten ebenfalls Musk und Thiel.

Während PayPal zu den Pionieren digitaler Zahlungen zählte, hat sich der Markt stark verändert. Neue Wettbewerber wie Apple Pay und Google Pay sowie spezialisierte Anbieter wie Stripe haben Marktanteile gewonnen. Stripe gilt heute als einer der führenden Anbieter im digitalen Zahlungsverkehr, insbesondere bei technologieorientierten Unternehmen.

Verlauf der Paypal-Aktie spiegelt Probleme wider

Ein Blick auf die Kursentwicklung verdeutlicht die Schwierigkeiten. Vor den Übernahmegerüchten notierte die PayPal-Aktie unter 40 Dollar und damit nur knapp über dem Niveau von 2015. Während der Pandemie war der Kurs von rund 120 Dollar auf über 300 Dollar gestiegen. Nach dem Ende des pandemiebedingten Booms folgte jedoch ein deutlicher Einbruch. Zuletzt näherte sich die Aktie im Januar vergangenen Jahres noch einmal der Marke von 100 Dollar, konnte das Niveau aber nicht halten.

Auch die jüngsten Geschäftszahlen enttäuschten. Der Gewinn blieb hinter den Erwartungen zurück, das Wachstum im Onlinehandel verlangsamte sich. Nach der Veröffentlichung der Zahlen verlor die Aktie 19 Prozent. Mit Enrique Lores wurde ein neuer CEO angekündigt, der das Unternehmen modernisieren und verlorene Marktanteile zurückgewinnen soll.

Bewertung wirkt günstig

Fundamental erscheint die PayPal-Aktie inzwischen vergleichsweise günstig bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 8,7. Der freie Cashflow soll in diesem Jahr rund sechs Milliarden Dollar betragen, bei einer Marktkapitalisierung von etwa 43 Milliarden Dollar. Damit wird das Unternehmen mit rund dem 7,2-Fachen des freien Cashflows gehandelt. Unter der Annahme stabiler Cashflows würde PayPal rechnerisch gut sieben Jahre benötigen, um seinen aktuellen Börsenwert zu erwirtschaften.

Analysten bleiben jedoch gespalten. Von 49 befragten Experten empfehlen 12 den Kauf, 39 raten zum Halten und sechs zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 50 Dollar, was ein moderates Aufwärtspotenzial signalisiert. Besonders optimistisch ist Morningstar-Analyst Brett Horn mit einem Kursziel von 80 Dollar. Deutlich skeptischer zeigt sich Fahed Kunwar von Rothschild & Co mit einem Ziel von 32 Dollar.

Strategische Logik eines Deals

Analyst Colin Sebastian betont, dass Stripe über eine der stärksten Zahlungsinfrastrukturen weltweit verfüge, insbesondere im Entwickler- und Händlersegment. Was dem Unternehmen jedoch fehle, sei ein großes, authentifiziertes Verbrauchernetzwerk sowie eine starke Konsumentenmarke. Genau hier könnte PayPal mit seinem zweiseitigen Netzwerk aus Händlern und Endkunden strategisch attraktiv sein.

Der Aufbau einer vergleichbaren Verbraucherpräsenz würde für Stripe vermutlich Jahre dauern und Milliardeninvestitionen erfordern, ohne Erfolgsgarantie. Eine Übernahme könnte diesen Prozess erheblich beschleunigen. Stripe selbst wurde im Rahmen eines Aktienrückkaufs für Mitarbeiter zuletzt mit 159 Milliarden Dollar bewertet. Ein Börsengang ist derzeit nicht geplant. Laut Mitgründer John Collison gewinnt Stripe insbesondere bei KI-Startups sowie bei großen Konzernen wie Microsoft und Nvidia weiter Marktanteile.

Die Übernahmegerüchte um PayPal kommen in einer Phase strategischer Neuorientierung und niedriger Bewertung. Fundamentale Kennzahlen sprechen für eine günstige Bewertung, operative Herausforderungen bleiben jedoch bestehen. Sollte Stripe tatsächlich zugreifen, könnte sich daraus eine neue Dynamik im globalen Zahlungsmarkt ergeben. Bleibt es hingegen bei Spekulationen, wird PayPal den Turnaround aus eigener Kraft schaffen müssen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Refurbed-Checkliste: 5 Qualitätsstandards, die herkömmliche gebrauchte iPhones nicht erfüllen

Preisbewusstsein, Nachhaltigkeit und Qualität sind die Dinge, die für die meisten heutzutage beim Kauf von Smartphones im Mittelpunkt...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik EU-Klimazoll: CO2-Zoll soll auch für Waschmaschinen und andere Waren kommen
26.02.2026

Künftig sollen 180 Industrieprodukte, darunter auch Haushaltswaren, unter den EU-CO2-Zoll fallen. Was die Kommission damit erreichen will.

DWN
Finanzen
Finanzen Kupferpreis-Prognose: Was das Metall über die Industrie verrät – und was für Anleger jetzt wichtig wird
26.02.2026

Der Kupferpreis rückt angesichts globaler Infrastrukturprogramme, Energiewende und geopolitischer Verschiebungen zunehmend ins Zentrum der...

DWN
Politik
Politik Umfrage Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: SPD rückt an CDU ran
26.02.2026

Laut einer Umfrage zeichnet sich ein Trend ab: Die SPD hat aufgeholt. Noch führt die CDU, doch jetzt trennt die Parteien nur noch ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rohstoffkrieg um Seltene Erden: China, Russland und Trumps Griff nach Grönland
26.02.2026

Rohstoffe sind längst mehr als Wirtschaftsgüter – sie werden zu politischen Druckmitteln. Ob Grönland, Taiwan oder die Ukraine:...

DWN
Technologie
Technologie Fusionsenergie: Stromfresser KI - Kernfusion als Rettung?
26.02.2026

Tech-Welt und Politik trafen sich in den vergangenen Tagen in Indien zum KI-Gipfel. Dabei ging es auch um die Frage, wie der wachsende...

DWN
Politik
Politik Hessischer Ministerpräsident fordert: Bei AfD-Regierung andere Zusammenarbeit der Länder
26.02.2026

Was passiert, wenn die AfD erstmals ein Bundesland regiert? Boris Rhein warnt: Der Austausch sensibler Infos zwischen Ländern könnte sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Mehr Bargeldfans: Deutschland bleibt Bargeld-Hochburg
26.02.2026

Trotz Karten und Apps: 73 Prozent der Deutschen zahlen am liebsten bar. Warum halten sich Schein und Münze hierzulande so beharrlich,...

DWN
Finanzen
Finanzen Paypal-Aktie vor der Wende: Stripe prüft Übernahme
26.02.2026

Stripe erwägt laut Bloomberg eine Übernahme von PayPal ganz oder in Teilen. Steht die PayPal-Aktie vor einer Trendwende oder bleibt es...