Wirtschaft

Spritpreise im Vergleich: Deutschland verliert Sonderrolle

Lange galt Deutschland als Spitzenreiter bei steigenden Spritpreise – doch das Blatt scheint sich zu wenden. In vielen EU-Staaten ziehen die Preise nach. Bedeutet das Entlastung oder nur eine Verschiebung des Problems für Verbraucher?
20.03.2026 19:21
Lesezeit: 2 min
Spritpreise im Vergleich: Deutschland verliert Sonderrolle
Neue Daten zeigen: Spritpreise steigen im Ausland schneller. (Foto: ChatGPT)

Spritpreise: Nachbarstaaten ziehen nach

Deutschlands Nachbarländer gleichen den Anstieg der Spritpreise zunehmend aus. Nachdem sich Superbenzin und Diesel in den ersten eineinhalb Wochen des Iran-Krieges hierzulande deutlich schneller verteuert hatten als in den EU-Nachbarstaaten, gehen die Differenzen bei den Spritpreise nun wieder zurück, wie Daten der EU-Kommission zeigen.

In Österreich, dessen bisherige Regulierung der Spritpreise Deutschland als Vorbild diente, ist der Abstand beim Anstieg inzwischen nahezu verschwunden. Für die Schweiz als Nicht-EU-Land liegen keine vollständig vergleichbaren Daten zu den Spritpreise vor. Die von der EU-Kommission veröffentlichten Spritpreise werden wöchentlich jeweils mit Stand vom Montag erhoben. Sie belegen für Deutschland inzwischen nur noch bei Superbenzin den stärksten Preisanstieg im Vergleich zum 23. Februar, dem letzten Montag vor Beginn des Krieges.

Diesel in Dänemark verteuert sich stärker

Am 9. März hatten die Zahlen für die meisten EU-Nachbarn noch um 11,8 bis 14,1 Cent geringere Preisanstiege gezeigt, für Österreich um 5,2 Cent. Jetzt liegt die Differenz nur noch bei 2 bis 7,3 Cent, nachdem die Spritpreise in Deutschland zuletzt leicht gesunken, in den anderen Ländern jedoch deutlich gestiegen sind.

Beim Diesel weist Deutschland inzwischen nicht einmal mehr den höchsten Anstieg der Spritpreise auf: Für Dänemark zeigen die Daten vom 23. Februar bis zum 16. März ein um 1,5 Cent stärkeres Plus als hierzulande. In Österreich ist der Anstieg nur noch um 0,5 Cent niedriger als in Deutschland, in den übrigen EU-Nachbarländern um 2,2 bis 9,8 Cent. Vor einer Woche war diese Spanne noch deutlich größer und reichte von 4,8 bis 21 Cent.

Monopolkommission: Hinweis auf geringeren Wettbewerb

Auch der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, stellt fest, dass viele andere EU-Staaten beim Anstieg der Spritpreise aufholen. "Dementsprechend fällt auf, dass der Ölpreisanstieg hierzulande besonders schnell an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde", betont er. "In Kombination mit dem insgesamt hohen Preisanstieg kann dies auf eine geringere Wettbewerbsintensität im Kraftstoffmarkt hindeuten."

In Märkten mit geringem Wettbewerbsdruck oder oligopolistischen Strukturen lassen sich Preiserhöhungen bei den Spritpreise in der Regel einfacher und schneller durchsetzen, während sie in stärker umkämpften Märkten häufig langsamer oder weniger stark bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen. Grundsätzlich unterscheiden sich die Spritpreise von Land zu Land. In Polen, Tschechien, Luxemburg, Belgien oder Österreich sind die Kraftstoffe auch nach der jüngsten Entwicklung weiterhin deutlich günstiger als in Deutschland. Ursache dafür sind vor allem unterschiedliche Steuern und Abgaben.

Tanktourismus verliert an Reiz

Teilweise existieren zudem unterschiedliche Regelungen zu Preisänderungen - etwa mit Höchstpreisen in Luxemburg oder Belgien. Das sorgt seit langem für Tanktourismus an vielen Grenzen, wobei die hohen Spritpreise und größeren Unterschiede diesen zuletzt verstärkt hatten. Nun wird die Fahrt ins Ausland wieder etwas weniger attraktiv.

Die aktuelle Entwicklung untermauert zudem Kritik an den Plänen der Bundesregierung zur Regulierung der Spritpreise. Sie will unter anderem die frühere österreichische Regelung übernehmen, wonach die Spritpreise nur noch einmal täglich erhöht werden dürfen. Dass der Anstieg in Österreich inzwischen fast genauso stark ausfällt wie in Deutschland, bestätigt die Einschätzung, dass diese Regelung keine nachhaltige dämpfende Wirkung auf die Spritpreise entfaltet. Österreich hat inzwischen seine Spritpreisbremse weiter verschärft.

Spritpreise bleiben ein sensibles Thema

Die Entwicklung der Spritpreise zeigt, wie dynamisch und komplex der europäische Kraftstoffmarkt ist. Während Deutschland lange besonders stark betroffen war, holen die Nachbarländer nun deutlich auf. Das relativiert die Unterschiede, löst aber nicht das grundlegende Problem hoher Kosten für Verbraucher. Gleichzeitig werfen die schnellen Preisweitergaben Fragen nach dem Wettbewerb im Markt auf. Politische Eingriffe wie Preisregulierungen könnten kurzfristig wirken, doch ihre langfristige Effektivität bleibt umstritten. Klar ist: Die Spritpreise werden auch künftig ein zentraler wirtschaftlicher und politischer Streitpunkt bleiben – sowohl in Deutschland als auch in Europa.

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