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Ifo-Studie: Paare im Homeoffice bekommen mehr Kinder – was wirklich dahintersteckt

Wer regelmäßig im Heimbüro arbeitet, zeugt mehr Nachwuchs – zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Team von Wissenschaftlern. Ein möglicher Grund: bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch viele Deutsche bekommen aus einem ganz anderen Grund weniger Kinder.
20.03.2026 14:48
Aktualisiert: 20.03.2026 14:48
Lesezeit: 3 min

Forschung: Paare im Homeoffice bekommen mehr Kinder

Regelmäßige Arbeit im Heimbüro geht nach einer internationalen Studie mit mehr Geburten einher. Wissenschaftler aus Deutschland, den USA, Großbritannien und Mexiko haben ermittelt, dass im Schnitt von 38 Ländern die Geburtenzahl pro Frau um 14 Prozent steigt, wenn beide Elternteile wenigstens einen Tag pro Woche zu Hause arbeiten.

Bei den Heimbüro-Paaren würde jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens ein Kind mehr bekommen als bei Paaren, die nicht im Homeoffice arbeiten, wie das Münchner Ifo-Institut als eine der beteiligten Forschungseinrichtungen mitteilte. Separate Geburtenquoten für die einzelnen 38 Länder haben die Wissenschaftler nicht errechnet.

Eine mögliche Ursache ist die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: "Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass ein breiterer Zugang zu Homeoffice die Zahl der Kinder erhöht – vermutlich, weil dadurch der zeitliche und organisatorische Aufwand sinkt, der nötig ist, um Beruf und Familie zu vereinbaren", sagte Ifo-Wissenschaftler Matthias Dolls, einer der Studienautoren. Außerdem beteiligt waren Forscher der beiden US-Spitzenuniversitäten Stanford und Princeton, des King's College in London und des Technologieinstituts in Mexiko.

Internationales Großprojekt zu Arbeitsleben und Kinderzahl

Grundlage der Berechnungen waren zwei separate Erhebungen: Im Rahmen des "Global Survey of Working Arrangements" befragte das Umfrageinstitut Bilendi im Auftrag der Ökonomen 19.277 Menschen in 38 Ländern, davon 11.314 im gebärfähigen Alter zwischen 20 und 45. In Deutschland waren es nach Dolls' Angaben gut 1.000. In den USA nahmen an einer separaten Erhebung knapp 90.000 Menschen teil. Gefragt wurde dabei sowohl nach Geburten in den vergangenen Jahren als auch nach aktuellen Schwangerschaften und Kinderwünschen für die Zukunft.

In den USA war der Effekt mit einer um 18 Prozent erhöhten Geburtenzahl pro Frau noch stärker ausgeprägt, gleichzeitig wird dort laut Studie im Schnitt auch häufiger im Heimbüro gearbeitet als in Europa. Die Wissenschaftler legen sich in dem 59-seitigen Aufsatz nicht hundertprozentig fest, ob die Arbeit im Heimbüro nun kausal die Ursache vermehrter Geburten ist, oder ob es sich lediglich um eine Korrelation handelt: Möglich wäre demnach auch, dass Menschen, die Kinder haben oder bekommen wollen, sich gern Jobs mit der Möglichkeit zur Arbeit daheim suchen.

Vorsichtiger Schluss: Heimbüro könnte Geburtenrückgang dämpfen

Doch neigen die Autoren zu der Interpretation, dass die Arbeit im Heimbüro durchaus ein kausaler Faktor sein könnte: "Mehr Flexibilität durch Homeoffice könnte dazu beitragen, dass Menschen ihre gewünschte Familiengröße eher verwirklichen können", sagte Dolls.

"Eine Anhebung der Homeoffice-Quote auf das US-amerikanische Niveau könnte für 13.500 zusätzliche Geburten pro Jahr in Deutschland sorgen", sagte er. Häufigere Arbeit im Homeoffice allein könne das demografische Problem nicht lösen: "Es kann aber ein Baustein sein, um den Trend sinkender Geburtenraten etwas abzumildern."

Geburtenrate gesunken: Deutsche bekommen weniger Kinder

Deutschland bekommt immer weniger Kinder: 2025 wurden nur noch rund 650.000 Kinder geboren, etwa 20.000 weniger als im Vorjahr. Die Geburtenrate sank auf 1,35 Kinder pro Frau – ein historischer Tiefstand. Eine Insa-Umfrage ergab, das mehr als die Hälfte der Befragten aus finanziellen Gründen keine Kinder bekommen.

Als Hauptgrund nannten 81 Prozent der Befragten die hohen Lebenshaltungskosten – Miete, Lebensmittel und Energie. 59 Prozent sehen in Steuern und Abgaben eine wesentliche Belastung. Fast jeder Zweite hält zudem die staatliche Unterstützung durch Kindergeld und Elterngeld für unzureichend. 40 Prozent nannten zudem Einkommenseinbußen durch Elternzeit oder Teilzeit als entscheidenden Faktor.

Besonders ausgeprägt ist die Skepsis bei den 30- bis 49-Jährigen. Laut dem Geschäftsführer von INSA, Hermann Binkert, halten in dieser Altersgruppe mehr als 60 Prozent Kinder für finanziell kaum tragbar. Angesichts der seit Jahren sinkenden Geburtenzahlen, die inzwischen auf dem Niveau Mitte der 1990er Jahre liegen, ist das Ergebnis ein politisches Warnsignal.

Homeoffice allein reicht nicht fürs Kinderkriegen

Auch wenn derzeit 24,3 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten, sind die Geburtenzahlen in Deutschland eingebrochen. Die Option von zu Hause aus zu arbeiten, ermöglicht sicherlich eine bessere Vereinbarkeit von Kindererziehung und Arbeit - doch letztendlich entscheiden die finanziellen Mittel über einen Kinderwunsch. Solange ein Großteil der Deutschen Kinder als finanzielles Wagnis sieht, stimmen andere Voraussetzungen nicht - daran wird auch mehr Arbeit im Homeoffice nichts ändern.

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