Russlands Ölexport: Drohnenangriffe legen wichtige Ostseehäfen lahm
Russland hat die Rohölexporte über seine westlichsten Ostseehäfen Primorsk und Ust Luga vorübergehend gestoppt. Grund sind Drohnenangriffe, die zu erheblichen Störungen geführt haben. Das berichten unsere Kollegen von Äripäev mit Bezug auf Reuters. Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, erklärte, dass infolge der Angriffe mehrere Treibstofflager im Hafen von Primorsk in Brand geraten seien. In seiner offiziellen Stellungnahme erwähnte er jedoch keinen Stopp der Ölexporte. Zwei Quellen aus der Energiebranche bestätigten gegenüber Reuters dennoch, dass die Exporte tatsächlich unterbrochen wurden.
Ob der Hafen Ust Luga direkt beschädigt wurde, ist bislang unklar. Russische Behörden haben hierzu keine Bestätigung gegeben. Drosdenko teilte mit, dass bei den jüngsten Angriffen insgesamt 35 Drohnen über der Region abgeschossen worden seien. Die ukrainische Seite hat sich zu den Angriffen bislang nicht geäußert.
Bedeutung der Häfen für Russlands Ölexport
Die betroffenen Häfen zählen zu den wichtigsten Exportdrehscheiben für russisches Rohöl. Primorsk verfügt über eine tägliche Exportkapazität von mehr als einer Million Barrel und spielt damit eine zentrale Rolle im russischen Energiesystem. Der Hafen Ust Luga verarbeitet täglich etwa 700000 Barrel Rohöl. Nach Angaben von Reuters exportierte Ust Luga im vergangenen Jahr rund 32,9 Millionen Tonnen Ölprodukte, während Primorsk auf 16,8 Millionen Tonnen kam. Ein vergleichbarer Exportstopp in Primorsk wurde zuletzt im September des vergangenen Jahres registriert. Bereits im März hatten Drohnenangriffe auch den Ölumschlag im Schwarzmeerhafen Noworossijsk beeinträchtigt. Die wiederholten Angriffe zeigen, dass die Energieinfrastruktur Russlands zunehmend unter Druck gerät.
Auswirkungen auf Europa und Deutschland
Für Europa hat die Entwicklung potenziell erhebliche Konsequenzen, da die Ostseehäfen traditionell eine wichtige Rolle bei der Versorgung europäischer Märkte mit russischem Öl gespielt haben. Zwar hat die Europäische Union ihre Abhängigkeit von russischen Energieimporten seit Beginn des Ukrainekriegs reduziert, dennoch bleiben indirekte Effekte auf Preise und Lieferketten möglich.
Ein direkter Deutschlandbezug lässt sich derzeit nur eingeschränkt herstellen, da Deutschland keine nennenswerten Mengen russischen Rohöls mehr importiert. Dennoch könnten Marktverwerfungen durch Angebotsengpässe global wirken und damit auch die Energiepreise in Deutschland beeinflussen.


