Finanzen

Geldwäsche-Skandal: Wie dubiose Deals eine Schweizer Bank zu Fall brachten

Eine kleine Privatbank aus Zürich entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einem profitablen, aber hochriskanten Geschäftsmodell. Die MBaer Merchant Bank brach schließlich unter der Last internationaler Ermittlungen zusammen.
30.03.2026 06:04
Lesezeit: 7 min
Geldwäsche-Skandal: Wie dubiose Deals eine Schweizer Bank zu Fall brachten
Milliarden, Iran und Russland: Wie eine Zürcher Bank im Geldwäsche-Sumpf unterging. (Foto: dpa) Foto: Hendrik Schmidt

Geldwäsche-Skandal: Vom Erfolgsmodell zum Kollaps unter Ermittlungsdruck

Jedes Mal, wenn Paul-Michel von Merey für seine kleine Schweizer Bank einen Deal mit einer sechsstelligen Provision abschloss, wurde dies mit dem Läuten einer Kuhglocke in seinem Büro am Zürichsee gefeiert. Die Geschichte der erfolgreichen Bank, die von Merey 2018 gemeinsam mit Mike Baer gegründet hatte, endete jedoch abrupt. Ermittlungen wegen Geldwäsche führten zum Zusammenbruch, wie das slowenische Wirtschaftsportal Casnik Finance unter Berufung auf Bloomberg berichtet und die Geschäftsstrukturen sowie die Ursachen des Scheiterns offenlegt.

Die MBaer Bank soll Kunden teils bis zu zehnmal höhere Gebühren als üblich berechnet haben. Besonders betroffen waren Transaktionen, die andere Banken nicht durchführen wollten. Schweizer und US-Regulierungsbehörden verfolgten die Geldströme. Diese führten offenbar nach Venezuela, Russland und Iran.

Der Verdacht auf Geldwäsche rückte die Bank ins Visier des US-Finanzministers Scott Bessent. Kurz vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende des vergangenen Monats wurde die Bank faktisch zur Schließung gezwungen. „MBaer hat über das US-Finanzsystem mehr als 100 Millionen US-Dollar im Auftrag illegaler Akteure mit Verbindungen zu Iran und Russland transferiert“, erklärte Bessent. US-Behörden gehen davon aus, dass die Bank in mehreren Fällen an Geldwäscheaktivitäten ihrer Kunden beteiligt war.

Hochriskantes Geschäftsmodell mit globalen Verbindungen

Die MBaer Bank wuchs rasant. Besonders stark war der Anstieg der verwalteten Vermögen im Jahr 2023. Ende 2025 verwaltete das Institut rund 4,9 Milliarden Schweizer Franken, das entspricht etwa 5,4 Milliarden Euro, an Kundengeldern. Die Bank betreute rund 700 Kunden und beschäftigte etwa 60 Mitarbeiter. Aufgrund ihrer Größe wurde sie zunächst als kleiner Marktteilnehmer mit geringem Risiko eingestuft.

Laut der US-Finanzaufsicht FinCEN geriet die Bank bereits 2020 wegen möglicher Geldwäscheverbindungen nach Venezuela ins Visier. Später soll sie bei der Finanzierung der russischen Kriegsmaschinerie geholfen haben. Zudem habe sie Einnahmen aus iranischen Ölgeschäften zurück an das Regime geleitet, auch an die Revolutionsgarden. „MBaer ermöglichte Personen Zugang zum US-Finanzsystem, die materielle Unterstützung für Geldwäsche im Zusammenhang mit Iran und Terrorismusfinanzierung leisten“, heißt es in einem FinCEN-Dokument vom 2. März.

US-Behörden werfen der Bank vor, Zahlungen im Rahmen eines internationalen Netzwerks für Öl-Schmuggel und Geldwäsche abgewickelt zu haben. Dieses Netzwerk soll von der Quds-Einheit der iranischen Revolutionsgarden betrieben worden sein, die in den USA als Terrororganisation gilt.

Kunden der MBaer Bank überwiesen laut FinCEN rund 37 Millionen US-Dollar an das Unternehmen Turkoca Import Export Transit. Solche Transaktionen hätten normalerweise Geldwäschewarnungen ausgelöst. Turkoca soll als Durchleitungsfirma gedient haben, über die Gelder für iranische Akteure gewaschen wurden.

Die Bank nutzte mehrere Methoden, um ihre Aktivitäten zu verschleiern. Mitarbeiter ermöglichten Hochrisikokunden Zahlungen in Schweizer Franken oder Euro, um strengere Kontrollen bei US-Dollar-Transaktionen zu umgehen. Interne Warnungen von Mitarbeitern über operative Mängel wurden laut Quellen ignoriert. Teilweise verloren Kritiker sogar ihre Positionen. Es entstand eine Unternehmenskultur, die von Angst und Zurückhaltung geprägt war.

Im Jahr 2023 begannen US-Behörden und die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma mit intensiveren Untersuchungen. Zur gleichen Zeit beendete die MBaer Bank ihre Zusammenarbeit mit ihrer damaligen US-Korrespondenzbank Credit Suisse. Später übernahm JPMorgan Chase diese Rolle gemeinsam mit weiteren Finanzinstituten.

Im Jahr 2024 leitete die Finma ein offizielles Verfahren ein. Später stellte die Behörde fest, dass 98 Prozent der jüngsten Kundengelder aus Hochrisikoquellen stammten. Die Bank habe systematisch auf Hintergrundprüfungen verzichtet und aktiv dabei geholfen, Vermögenssperren zu umgehen.

Das Schweizer Aufsichtssystem ermöglicht langwierige Verfahren. Banken können währenddessen weiter operieren. Anfang 2026 war die Schließungsanordnung der Finma noch vor Gericht anhängig, nachdem MBaer Einspruch eingelegt hatte. Erst das Eingreifen des US-Finanzministeriums führte zum endgültigen Aus. Die Bank verhandelte anschließend mit der Finma über die Bedingungen einer Selbstliquidation.

Was kommt als nächstes?

Paul-Michel von Merey und Mike Baer haben die Bank verlassen und sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Finma leitete Verfahren gegen vier bislang nicht namentlich genannte Personen ein. Mitarbeiter wurden darüber informiert, dass im März und April bis zu 25 Stellen abgebaut werden. Für die Hochrisikokunden der Bank beginnt nun eine Phase großer Unsicherheit. Es ist unwahrscheinlich, dass andere Schweizer Banken diese Kunden übernehmen werden, berichtet Bloomberg. Weder Mike Baer noch Paul von Merey wollten die Vorwürfe kommentieren. Auch die MBaer Bank selbst und die Finma gaben keine Stellungnahme ab.

Für Deutschland hat der Fall Signalwirkung. Als Teil des europäischen Finanzsystems ist Deutschland direkt von Vertrauensverlusten in den Bankenmarkt betroffen. Der Fall zeigt, wie eng internationale Finanzströme mit geopolitischen Risiken verflochten sind. Gleichzeitig erhöht sich der Druck auf deutsche Banken und Aufsichtsbehörden, Geldwäscheprävention und Compliance weiter zu verschärfen. Der Skandal könnte langfristig zu strengeren Regulierungen und höheren Kosten für Finanzinstitute führen.

Der Zusammenbruch der MBaer Bank verdeutlicht die Risiken eines Geschäftsmodells, das auf hochriskante Kunden und intransparente Transaktionen setzt. Internationale Ermittlungen, geopolitische Verflechtungen und regulatorischer Druck führten letztlich zum Aus. Für den europäischen Finanzsektor ist der Fall ein warnendes Beispiel für die Folgen unzureichender Kontrolle.

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