Wirtschaft

Prognose Wirtschaftsinstitute für 2026: Iran-Krieg halbiert Wachstum und treibt Inflation

Höhere Spritpreise, höhere Inflation: Ifo und DIW sprechen von einem Energiepreisschock - ausgelöst durch den Iran-Krieg. Sie erwarten für dieses Jahr nur noch ein Mini-Wachstum der Wirtschaft. Der Arbeitsmarkt soll sich aber langsam wieder aufhellen.
01.04.2026 14:23
Lesezeit: 3 min
Prognose Wirtschaftsinstitute für 2026: Iran-Krieg halbiert Wachstum und treibt Inflation
Geraldine Dany-Knedlik, Leiterin des Konjunkturteams am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), und Timo Wollmershäuser, Sprecher der Gemeinschaftsdiagnose und Leiter der Konjunkturforschung am ifo Institut für Wirtschaftsforschung. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Prognose Institute: Iran-Krieg halbiert Wirtschaftswachstum und treibt Inflation

Die Folgen des Iran-Kriegs bremsen das Wirtschaftswachstum in Deutschland aus. Führende Forschungsinstitute rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt 2026 nur noch um 0,6 Prozent zulegt, wie die Institute in Berlin mitteilten. Vor rund einem halben Jahr hatten sie noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent gerechnet.

«Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen», sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. 2027 erwarten die Institute ein Wachstum von 0,9 Prozent. Auch das ist deutlich pessimistischer: Zuvor hatten sie mit 1,4 Prozent gerechnet.

Die Institute erwarten außerdem ein spürbares Anziehen der Verbraucherpreise. Nach ihrer Einschätzung wird die Inflationsrate in diesem Jahr auf durchschnittlich 2,8 Prozent steigen und 2027 auf 2,9 Prozent. An der «Gemeinschaftsdiagnose» beteiligt sind unter anderem das Ifo-Institut und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Iran-Krieg hinterlässt massive Spuren

Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist es zu Preissprüngen bei Öl und Gas gekommen. Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, die wichtig ist für den internationalen Transport von Öl und Flüssiggas, ist wegen des Kriegs und drohender iranischer Angriffe praktisch zum Erliegen gekommen. Ob und wann eine Durchfahrt der Meerenge wieder möglich sein wird, ist ungewiss. Die USA wollen die Öffnung der vom Iran weiterhin blockierten Straße anderen Ländern überlassen. Die USA hätten mit dem Problem - eine Folge des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran - «nichts zu tun», sagte US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus.

«Energiepreisschock»

Die Institute sprechen von einem «Energiepreisschock». Nach Jahren der Flaute und einem Mini-Wachstum 2025 sollte es in diesem Jahr eigentlich wieder deutlich bergauf gehen für die deutsche Wirtschaft - auch wenn das Wachstum getrieben wird vor allem durch die staatlichen Milliardenausgaben für Verteidigung und zur Modernisierung der Infrastruktur.

Inflation dürfte deutlich anziehen

Der «Energiepreisschock» entfache vorübergehend die Inflation, heißt es in der Prognose. Der Anstieg des Erdgaspreises verteuere nicht zuletzt auch Düngemittel, was auf die Nahrungsmittelpreise ausstrahle. Zudem dürfen auch höhere Produktions- und Transportkosten auf die Preise für Waren durchschlagen. Die gestiegene Inflation dämpfe den privaten Konsum. Vor einem halben Jahr noch hatten die Institute für 2026 einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,0 Prozent und für 2027 um 2,3 Prozent vorhergesagt.

Im März trieben die Folgen des Iran-Kriegs die Verbraucherpreise bereits auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Die Inflationsrate liegt bei 2,7 Prozent nach 1,9 Prozent im Februar, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Daten mitgeteilt hatte. Besonders stark verteuerte sich im März Energie.

Arbeitsmarkt robust

Auf dem Arbeitsmarkt verzögere sich die Aufhellung, heißt es in der Prognose der Institute weiter. Die schwache Konjunktur und der verschärfte Strukturwandel hinterließen deutliche Spuren am Arbeitsmarkt. «Erst im kommenden Jahr dürfte es zu einer zaghaften Erholung der Beschäftigung kommen, wenn bei besserer Konjunktur die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen steigt.» Laut Prognose steigt die Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent im vergangenen Jahr auf 6,4 Prozent im laufenden Jahr.

Im März sank die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Vergleich zum Vormonat um 49.000 - blieb aber mit 3,021 Millionen oberhalb der Drei-Millionen-Marke. Die Frühjahrsbelebung bleibe in diesem Jahr ohne nennenswerten Schwung, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles.

Reform- und Spardruck auf Politik könnte steigen

Auch die Bundesregierung dürfte nachziehen und innerhalb der kommenden Woche ihre Erwartungen für die deutsche Wirtschaft herunterschrauben. Bisher erwartet sie in diesem Jahr ein Wachstum von 1,0 Prozent. Die Frühjahrsprojektion bildet die Grundlage für die Steuerschätzung.

Ein geringeres Wirtschaftswachstum könnte zu geringeren Steuereinnahmen führen als bisher erwartet. Das würde den Spardruck auf die Bundesregierung im Kernhaushalt noch einmal verschärfen. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant, Eckpunkte des Haushalts 2027 sowie der Finanzplanung der kommenden Jahre Ende April vorzulegen. Es klaffen bereits Milliardenlücken im Etat.

Die Bundesregierung hat außerdem grundlegende Reformen bei Gesundheit, Pflege und Rente angekündigt mit dem Ziel, dass die Beiträge nicht aus dem Ruder laufen. Wirtschaftsverbände beklagen zudem im internationalen Vergleich hohe Energiepreise, eine hohe Steuerlast und zu viel Bürokratie.

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