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A leader is a dealer in hope: Warum wir Führung heute neu denken müssen

Leadership gilt als moralischer Kompass unserer Zeit: empathisch, inklusiv, kontrolliert. Doch passt dieses Ideal zur Realität erfolgreicher Unternehmer und Politiker? Zwischen PR-Glättung, Misstrauen gegenüber Erfolg und Sehnsucht nach starken Figuren stellt sich eine unbequeme Frage: Was macht Führung heute wirklich aus?
12.04.2026 13:30
Lesezeit: 2 min
A leader is a dealer in hope: Warum wir Führung heute neu denken müssen
Zwischen PR, Empathie und Misstrauen gegenüber Erfolg: Warum unser modernes Führungsbild ins Wanken gerät. (Foto: iStockphoto.com/Jacob Wackerhausen) Foto: Jacob Wackerhausen

Das Empathie-Schema

Leadership klingt wunderbar, ein leuchtender Stern, der uns aus der Misere ins Licht führt. „Un chef est un marchand d'espérance“, sagte Napoléon Bonaparte, was wortwörtlich so viel wie ein Führer handelt mit Hoffnung heißt. „Führer“ sagen wir ja in Deutschland nicht mehr so gern, „Leader“ klingt da deutlich besser und vor allem moderner.

Wie sollen unsere Anführer aussehen? Natürlich empathisch, teamfähig, inklusiv, wohltemperiert, divers. Auf keinen Fall toxisch, cholerisch oder sowas. Und kein pressure! Ja, und unsere Leader sollen sich aktiv in die politische Diskussion einschalten, dabei aber das Richtige sagen, immer die richtige Schallplatte abspulen. Wir sind da sehr sensibel. Wir wissen, was das Richtige ist. Jede ihrer Äußerungen muss von der PR-Abteilung fünfmal durchgespielt sein, damit sich nicht irgendeine vulnerable Gruppe verletzt fühlt.

Die bedeutenden Unternehmer unserer Zeit scheinen leider nicht ganz in dieses Empathie-Schema zu passen, Jeff Bezos, angeblich aggressiv fordernd, Steve Jobs war cholerisch, wie man hört, perfektionistisch und toxisch, Larry Ellison, polternder Kontrollfreak, Mark Zuckerberg unbeholfen und emotionsschwach und so weiter. Aber, hey, deshalb mögen wir sie ja auch nicht. Und von den „starken“ politischen Leadern ganz zu schweigen.

Das Keuschheits-Gelübde

Wer heute in Deutschland eine herausragende Stellung anstrebt, vor allem in der Politik, muss ein Keuschheits- und Armutsgelübde ablegen. Ich verrate jetzt mal nicht, mit welchem der Gelübde ich Probleme hätte. Tucholsky hatte noch gesagt: „Zunächst soll man seinen Gegner nicht im Bett aufsuchen.“ Das ist heute anders. Da wird gerne unter der Bettdecke geschnüffelt. Wir sind digital übersexualisiert und analog mega-prüde.

Das Armutsgelübde

Und wenn jemand Geld hat, ist das suspekt. „Sind Sie reich?“ Auf diese Frage darf man auf keinen Fall „ja“ antworten, sondern muss sich winden und herumdrucksen, „Ich würde mich zum gehobenen Mittelstand rechnen“ (Friedrich Merz), „Ich bin reich an wunderbaren Mitarbeitern“ oder sowas. Man mochte Kohl in Oggersheim, Helmut Schmidt in Langenhorn, Merkel auf der Etage. Spahn mit Villa in Dahlem ging gar nicht.

Leute, die Geld gemacht haben, was ja einem „Leader“ bisweilen passieren kann, sind verdächtig oder gleich verhasst. Elon Musk hat unbegreiflicherweise ziemlich viel Geld gemacht. Das war aber sicherlich nicht sein Verdienst und er hat gefährliche Macht und für wahnsinnig und drogenabhängig halten ihn viele sowieso. Und Autist ist er offenbar auch, ein schlechter Autist, unsere Freunde sind dagegen gute Autisten. Und bei Donald Trump können wir nur entsetzt den Kopf schütteln. WTF is that??

Stürzt die Helden, verehrt die Opfer!

Leader wollen wir anders. Wenn wir ehrlich sind, sind wir in der Phase: „Stürzt die Helden, verehrt die Opfer“. Das ist menschlich wunderbar, einfühlsam und schön. Erfolg und Überlegenheit lösen nicht Bewunderung, sondern Ressentiment aus.

The Benevolent Dictator

Irgendwann werden die Leute mit ihren Leadern, die weichgespült sind wie die Kieselsteine im Flussbett, unzufrieden. Wenn sie trotz Realitäts-Verweigerung und Schönreden die wahren Probleme der Menschen nicht gelöst kriegen. Und dann, wenn ein charismatischer Populist, ein „Strongman“, ein angeblich „benevolent dictator“ einfache Lösungen verspricht, laufen sie ihm hinterher. Aber habt Acht: Führer streben nach Machtkonzentration und wenn ein Diktator erst mal fest im Sattel sitzt und sein wahres Gesicht zeigt, dann wird man ihn auf Jahrzehnte nicht mehr los … der entscheidende Vorteil der Demokratie ist ja nicht, dass wir die fähigsten Politiker wählen, sondern dass wir sie ohne Blutvergießen abwählen können.

Schon 1982 sagte Daniel Cohn-Bendit: „Alle Revolutionen, die wir unterstützt haben, endeten in Diktaturen.“

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Prof. Dr. Ulrich Seibert

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Prof. Dr. Ulrich Seibert ist Jurist und Honorarprofessor für Wirtschaftsrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Als ehemaliger Leiter des Referats für Gesellschaftsrecht, Unternehmensverfassung und Corporate Governance im Bundesministerium der Justiz hat er bis 2020 maßgeblich an zahlreichen Reformen im Gesellschaftsrecht mitgewirkt. Mit über 200 veröffentlichten Aufsätzen zählt er zu den renommierten Experten auf diesem Gebiet.

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