Wirtschaft

Inflation steigt kurzfristig: IWF warnt vor Risiken für Märkte

Der Iran-Krieg drückt auf das globale Wachstum und treibt die Preise. Selbst das optimistischste Szenario des IWF sieht jetzt eine Korrektur nach unten.
09.04.2026 17:30
Lesezeit: 2 min

IWF erwartet: Globale Wachstumsprognose sinkt

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet angesichts des Iran-Krieges mit einer niedrigeren Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft. Ohne Lieferunterbrechungen etwa bei Öl und Gas hätte die Organisation ein stärkeres Wachstum erwartet, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa laut Redemanuskript vor der Frühjahrstagung in der kommenden Woche. "Doch nun beinhaltet selbst unser optimistischstes Szenario eine Wachstumskorrektur nach unten", hieß es. Am Dienstag veröffentlicht der IWF neue Konjunkturprognosen. Georgiewa warnte zudem vor steigenden Inflationsrisiken.

Für das laufende Jahr kalkulierte die Organisation mit Sitz in der US-Hauptstadt Washington bislang mit einem weltweiten Wachstum von 3,1 Prozent. Deutschland dürfte demnach um 0,9 Prozent wachsen, während im Oktober für die gesamte Eurozone ein Plus von 1,1 Prozent prognostiziert wurde.

"Selbst im besten Fall wird es keine saubere und reibungslose Rückkehr zur Vorkriegssituation geben", sagte Georgiewa. Das Wachstum werde schwächer ausfallen - "selbst wenn der neue Frieden von Dauer ist".

Lockerungen: Andere Institute senken Prognosen

Bereits in der vergangenen Woche haben führende Forschungsinstitute in Deutschland ihre Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt 2026 deutlich gesenkt. Aufgrund der Folgen des Iran-Krieges mit stark gestiegenen Energiepreisen erwarten sie nur noch einen Zuwachs um 0,6 Prozent. Vor rund einem halben Jahr sagten sie noch ein Wachstum von 1,3 Prozent voraus.

Georgiewa verwies darauf, dass weiterhin ungewiss sei, ob die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus dauerhaft gewährleistet werden kann. Als weiteres Beispiel nannte sie, dass der Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer weiterhin nur bei der Hälfte des Niveaus von 2023 liegt. Die aus dem Jemen agierende Huthi-Miliz griff dort bereits in der Vergangenheit immer wieder Handelsschiffe an, weshalb diese nun von internationalen Streitkräften eskortiert werden.

In den vergangenen Wochen blockierte der Iran die Straße von Hormus und brachte den Schiffsverkehr damit praktisch zum Erliegen. Die Meerenge ist für den globalen Öl- und Gashandel von enormer Bedeutung, auch andere wichtige Vorprodukte wie Düngemittel waren betroffen. Das ließ die Preise weltweit deutlich steigen. Erst am Dienstag einigten sich der Iran und die USA auf eine zweiwöchige Waffenruhe und die Öffnung der Straße von Hormus.

IWF-Chefin warnt: Inflation zieht kurzfristig an

Die IWF-Chefin verwies zudem auf kurzfristige Risiken für ein Hochschnellen der Inflation infolge des Krieges. So sind die Erwartungen an die Teuerungsrate in den USA und in der Eurozone bereits deutlich gestiegen. "Glücklicherweise haben sich die längerfristigen Erwartungen nicht verändert - das ist sehr gut und sehr wichtig", sagte Georgiewa.

Zentralbanken wie die Federal Reserve oder die EZB sieht Georgiewa bislang nicht unter Handlungsdruck. "Derzeit ist es sinnvoll, abzuwarten und die Lage zu beobachten", hieß es weiter. Zentralbanken verfolgen unter anderem das Ziel, die Inflation stabil zu halten. Steigt diese, können sie mit Zinserhöhungen gegensteuern - das allerdings kann die Wirtschaftsleistung bremsen.

Notfallkredite: Milliardenbedarf im Blick

Mit Blick auf die Stabilisierung der Wirtschaft sagte Georgiewa, dass kurzfristig zwischen 20 und 50 Milliarden US-Dollar an Notfallkrediten notwendig seien. Dabei dürfte die tatsächlich benötigte Summe eher am unteren Ende liegen, sofern die derzeitige Waffenruhe anhält, hieß es. Georgiewa betonte, dass der IWF diesen Bedarf problemlos decken könne. Die Organisation kann mit solchen Krediten sicherstellen, dass Länder in Notlagen zahlungsfähig bleiben.

Der IWF und die Weltbank beginnen am kommenden Montag ihre Frühjahrstagung, bei der Finanzminister, Vertreter der Finanzwirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit sowie Zentralbanker zusammenkommen.

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