Wirtschaft

Wirtschaft im Dauertief: Experten warnen vor beispielloser Krisenschleife

Die deutsche Wirtschaft steckt fest – und ein Ende der Durststrecke ist laut Experten nicht in Sicht. Nach einer aktuellen Umfrage unter 1.000 Unternehmen zeichnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ein düsteres Bild der Lage: Deutschland erlebt derzeit die hartnäckigste Schwächephase seit Jahrzehnten, in der kurzzeitige Erholungsphasen immer wieder durch neue Rückschläge im Keim erstickt werden.
17.04.2026 11:42
Aktualisiert: 17.04.2026 11:48
Lesezeit: 2 min
Wirtschaft im Dauertief: Experten warnen vor beispielloser Krisenschleife
Experten fordern Reformen wie die Agenda 2010. Was die anhaltende Wirtschaftskrise für Unternehmen bedeutet (Foto: dpa). Foto: Christoph Soeder

Tiefe Sorgenfalten von Firmenmanagern

Die Krise habe 2020 mit der Corona-Pandemie und deren massiven Folgen für die Unternehmen begonnen. Als die vorbei gewesen sei, seien die Konjunkturprognosen für das Jahr 2022 positiv gewesen, so Grömling weiter. Dann aber sei mit dem Ukraine-Krieg der nächste Schock samt hoher Energiepreise gekommen. Das wiederhole sich nun: Die positiven Prognosen für 2026 würden nun durch den Iran-Krieg zunichtegemacht.

Die Konjunkturumfrage des IW unter rund 1000 Firmen aus den Bereichen Industrie, Dienstleister und Bau fällt ernüchternd aus. So berichteten 43 Prozent der Unternehmen, dass ihre Geschäfte schlechter laufen als vor einem Jahr. Nur 14 Prozent berichteten von besseren Geschäften. Der Pessimismus überwiegt - für den Rest des Jahres gehen deutlich mehr Firmen von schlechteren Geschäften als von besseren Geschäften aus. Die Umfrage wurde im März durchgeführt, also nach Beginn des Iran-Kriegs.

Zu denken gibt zudem, dass 40 Prozent der Firmen ihre Investitionen senken wollen. Außerdem ergab die Befragung, dass viele Firmen beim Personal den Rotstift ansetzen: In der Industrie planen der Umfrage zufolge 37 Prozent der befragten Unternehmen mit weniger Personal und nur 14 Prozent mit mehr. Bei Dienstleistern ist das Verhältnis mit 28 Prozent zu 22 Prozent weniger deutlich.

Letzte langwierige Krise führte zu tiefgreifenden Reformen

"Die Aneinanderreihung von massiven ökonomischen Schocks in den vergangenen Jahren ist einmalig", sagt Wirtschaftsexperte Grömling. Eine ähnlich lange Krise habe es zuletzt im Zeitraum 2000 bis 2005 gegeben, die mit dem Absturz von Aktienkursen (Dotcom-Blase) und der Verdopplung des Ölpreises auf etwa 30 Dollar pro Barrel begann - damals gewann Chinas Wirtschaft an Fahrt und brauchte viel mehr Öl als zuvor, wodurch die Preise an den Weltmärkten stiegen. 2001 waren die Terroranschläge vom 11. September ein weiterer Dämpfer für die Wirtschaft.

Die Schwäche der Konjunktur und die Zunahme der Arbeitslosigkeit habe die damalige SPD-geführte Bundesregierung durch Strukturreformen überwunden (Agenda 2010). "Heute wie damals brauchen wir eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, damit mehr Menschen in Lohn und Brot kommen", sagt Grömling.

Außerdem müssten Bürokratiekosten vermindert werden: Deutsche Unternehmen beschäftigten sehr viele Menschen, die nur für die Einhaltung aufwendiger staatlicher Vorgaben zuständig seien, zudem sei teure Anwaltsberatung nötig. Solche Ausgaben seien Ballast für die Produktivität einer Firma. "Der Bürokratieaufwand ist hoch, also sinkt der Gewinn und die Preise für die Kunden steigen - das ist schlecht für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit."

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