Drei Top-Dividendenaktien mit stabilem Cashflow und Kurschancen
In einem volatilen Marktumfeld wenden sich viele Anleger wieder verstärkt Aktien mit verlässlichen Ausschüttungen zu. Gefragt sind vor allem Unternehmen, die laufende Erträge mit stabilen Cashflows und einer belastbaren operativen Basis verbinden.
Zwar hat sich der S&P 500 nach dem Rücksetzer an der Schwelle zur Korrektur wieder erholt, doch viele wachstumsorientierte Titel bleiben weiterhin anfällig für deutliche Kursschwankungen. Parallel dazu sind die Anleiherenditen gestiegen, deren weiterer Verlauf eng mit den nächsten Schritten der US-Notenbank verknüpft bleibt.
Die Federal Reserve steht dabei vor einer schwierigen Lage, da sowohl der Inflationsausblick als auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt unsicher bleiben. In einem solchen Umfeld gelten Aktien mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite als naheliegende Option, sofern die Unternehmen auch operativ überzeugen.
Genau auf solche Werte verweist der Analyst Keith Speights vom Investmenthaus Motley Fool. Er nennt mit Enbridge, Realty Income und AbbVie drei Unternehmen, denen er sowohl in diesem Jahr als auch auf Sicht der kommenden Jahre Potenzial bei Dividende und Kursentwicklung zutraut.
Enbridge mit stabiler Basis im Energiegeschäft
Enbridge mit dem Börsenkürzel ENB bietet eine Dividendenrendite von 5,4 Prozent und hat seine Dividende seit 31 Jahren in Folge angehoben. Das Unternehmen mit Sitz im kanadischen Calgary ist ein international tätiger Energieinfrastrukturkonzern, der vor allem im Transport und in der Verteilung von Öl und Erdgas sowie im Bereich erneuerbare Energien aktiv ist.
Hinzu kommt eine starke Stellung im nordamerikanischen Gasgeschäft. Enbridge ist gemessen am Volumen der größte Erdgasversorger Nordamerikas und beliefert täglich rund 7,1 Millionen Kunden. Das Unternehmen betreibt mehr als 18.000 Meilen Rohölpipelines und über 19.000 Meilen Erdgasleitungen.
Diese Infrastruktur funktioniert wirtschaftlich ähnlich wie ein Mautsystem, da die Einnahmen nicht in erster Linie vom Preis der Rohstoffe abhängen, sondern vor allem vom Transportvolumen. Auch auf der Bewertungsseite hat sich das Bild verbessert, da das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA vom 15,64-fachen im dritten Quartal auf das 12,86-fache im vierten Quartal sank.
Bei der Profitabilität ergibt sich allerdings ein gemischtes Bild. Die Kapitalrendite auf das Vermögen verbesserte sich auf 3,65 Prozent, während die operative Marge auf 16,81 Prozent zurückging. An der Wachstumsperspektive ändert das aus Sicht des Marktes wenig, denn Enbridge hat Investitionsmöglichkeiten im Umfang von rund 50 Milliarden Dollar identifiziert, die vor allem im Erdgastransport bis zum Ende des Jahrzehnts weiteres Wachstum stützen sollen.
Das mittlere Kursziel der von LSEG erfassten Analysten liegt bei 74,97 Dollar und damit rund 44 Prozent über dem Schlusskurs von 52,24 Dollar vom Montag. Die nächsten Zahlen will das Unternehmen am 8. Mai vorlegen.
Realty Income mit monatlicher Dividendenzahlung
Realty Income mit dem Börsenkürzel O kommt auf eine Dividendenrendite von rund 5 Prozent und hat seine Ausschüttung ebenfalls seit 31 Jahren in Folge erhöht. Auffällig ist vor allem die Struktur der Auszahlungen, denn die Dividende wird nicht quartalsweise, sondern monatlich gezahlt.
Der Konzern mit Sitz in San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien ist ein Real-Estate-Investment-Trust, der sich auf Gewerbeimmobilien mit langfristigen Mietverträgen konzentriert. Das Portfolio ist breit aufgestellt und umfasst mehr als 15.500 Objekte weltweit. Die Vermietungsquote liegt bei 98,9 Prozent.
Zu den Mietern zählen mehr als 1.700 Unternehmen aus 92 Branchen, darunter Supermärkte, Baumärkte und Discounter. Gerade diese Segmente gelten auch in wirtschaftlich schwächeren Phasen als vergleichsweise robust, was die Stabilität der Mieteinnahmen zusätzlich stützt und die Planbarkeit der Erträge erhöht.
Auch die jüngsten Geschäftszahlen fielen solide aus. Im vierten Quartal lag der bereinigte operative Cashflow AFFO bei 1,08 Dollar je Aktie, im Gesamtjahr bei 4,28 Dollar je Aktie. Getragen wurde das Ergebnis von der hohen Auslastung des Portfolios und einer effektiven Rückgewinnung der Mieteinnahmen von 103,9 Prozent.
Für das laufende Jahr rechnet Realty Income mit einem AFFO zwischen 4,38 und 4,42 Dollar je Aktie und plant Investitionen von 8 Milliarden Dollar. Besonders großes Potenzial sieht das Unternehmen in Europa, wo das Marktvolumen des Immobiliensektors auf rund 8,5 Billionen Dollar geschätzt wird. Die nächsten Zahlen sollen am 6. Mai veröffentlicht werden.
AbbVie mit Dividendenhistorie und moderater Bewertung
AbbVie mit dem Börsenkürzel ABBV weist eine erwartete Dividendenrendite von 3,3 Prozent auf und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt des S&P 500 von 1,1 Prozent. Die Ausschüttung fällt damit zwar niedriger aus als bei Enbridge oder Realty Income, doch der Titel bietet Anlegern zusätzliche Argumente.
AbbVie mit Sitz in North Chicago im US-Bundesstaat Illinois ist ein weltweit tätiges Biotech- und Pharmaunternehmen. Der Konzern entwickelt und produziert innovative Medikamente in den Bereichen Immunologie, Onkologie, Neurowissenschaften und ästhetische Medizin. Für viele Investoren steht vor allem die lange Dividendenhistorie im Mittelpunkt.
AbbVie gilt als Dividendenkönig, also als Unternehmen mit mindestens 50 Jahren steigender Ausschüttungen. Unter Einbeziehung der Zeit als Teil von Abbott Laboratories kommt der Konzern sogar auf 53 Jahre mit kontinuierlich angehobenen Dividenden.
Auch für Value-Investoren ist der Titel interessant, da die Aktie derzeit mit dem rund 14,3-fachen des erwarteten Gewinns gehandelt wird und damit unter dem Durchschnitt des S&P 500 sowie unter dem Mittelwert des Gesundheitssektors liegt.
Im vergangenen Jahr erzielte AbbVie einen Rekordumsatz von 61,2 Milliarden Dollar, was einem Plus von 8,6 Prozent entsprach. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen um 2 Milliarden Dollar, zugleich lag der bereinigte Gewinn je Aktie mit 10 Dollar über den Prognosen. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem Umsatzanstieg um 9,5 Prozent auf rund 67 Milliarden Dollar.
Als wichtige Treiber gelten die starke Entwicklung in der Immunologie und den Neurowissenschaften sowie neue Produkte, die den Rückgang im Humira-Geschäft und den regulatorischen Druck auf Arzneipreise abfedern sollen.
Besonders stark entwickeln sich Rinvoq und Skyrizi, hinzu kommen mehrere aussichtsreiche Projekte in einer späten Entwicklungsphase. Die Zahlen zum ersten Quartal werden am 29. April erwartet, das mittlere Kursziel laut LSEG liegt bei 251,66 Dollar.
Warum diese Dividendenwerte auch für Deutschland relevant sind
Für Anleger in Deutschland sind solche Titel vor allem in Phasen erhöhter Unsicherheit interessant. Wer auf laufende Erträge setzt und zugleich robuste Geschäftsmodelle sucht, findet in Enbridge, Realty Income und AbbVie drei international etablierte Konzerne mit klar erkennbarem Profil und planbaren Ausschüttungen.
Gerade in einem Umfeld mit schwer kalkulierbaren Zinssignalen, schwankenden Märkten und verhaltenem Wachstum können internationale Dividendenaktien eine stabilisierende Rolle im Depot übernehmen.
Hinzu kommt, dass mit Realty Income ein Unternehmen dabei ist, das Europa ausdrücklich als Wachstumsmarkt nennt. Auch für deutsche Investoren gewinnen globale Dividendenstrategien damit weiter an Bedeutung, vor allem dann, wenn regelmäßige Erträge und defensive Qualität im Vordergrund stehen.
