Politik

Wirtschaftswende in Ungarn: Pläne für den Euro-Beitritt 2030 nehmen Form an

Ungarn vollzieht einen wirtschaftspolitischen Richtungswechsel und bindet seine Reformagenda eng an den Euro-Beitritt. Reicht dieser neue Kurs, um das Land bis 2030 glaubwürdig an die Eurozone heranzuführen?
18.05.2026 06:41
Lesezeit: 2 min

Ungarn stellt Weichen für den Euro

Ungarns neue Regierung will das Land mit tiefgreifenden Wirtschaftsreformen auf den Beitritt zur Eurozone vorbereiten. Bis 2030 soll die Euro-Einführung möglich werden, sofern Budapest die notwendigen Kriterien erfüllt.

Finanzminister Andras Karman kündigte eine Abkehr vom bisherigen Wirtschaftsmodell an, das auf billiger Arbeitskraft und einer schwachen Währung beruhte. Zugleich will die Regierung Investitionen erleichtern, EU-Mittel stärker nutzen und die Finanzpolitik berechenbarer machen.

Der Kurswechsel zählt zu den zentralen Vorhaben des neuen Kabinetts von Ministerpräsident Peter Magyar. Nach 16 Jahren unter Viktor Orbán setzt Budapest damit auf eine deutlich andere wirtschaftspolitische Linie.

Ungarn erhöht das Tempo beim Euro-Beitritt

Bei einer Anhörung im Parlament erklärte Karman, Ungarn wolle innerhalb der kommenden vier Jahre alle Voraussetzungen für die Einführung der Gemeinschaftswährung erfüllen. Die Aussage gehört zu den wichtigsten wirtschaftspolitischen Signalen nach dem Machtwechsel in Budapest.

Der Finanzminister betonte, die Regierung plane einen grundlegenden Bruch mit dem bisherigen Modell zur Steuerung von Wirtschaft und öffentlichen Finanzen. Aus seiner Sicht braucht Ungarn ein verlässlicheres Steuersystem und bessere Bedingungen für Unternehmen.

"Im Kern der Veränderungen stehen eine transparentere und berechenbarere Fiskalpolitik, ein besseres Geschäftsumfeld sowie die Abkehr von einem arbeitsintensiven Wirtschaftsmodell, das auf einer schwachen Währung beruht", sagte Karman.

EU-Mittel und solide Staatsfinanzen

Ein zentrales Ziel der neuen Regierung ist die vollständige Nutzung europäischer Mittel. Budapest rechnet damit, noch vor Ende August die gesamte Summe von 10,4 Milliarden Euro aus den Hilfsfonds der Europäischen Union freizusetzen.

Zudem kündigt die Regierung an, das Haushaltsdefizit zu senken, das in den vergangenen Jahren über den EU-Grenzwerten lag. Noch bis Jahresende sollen Änderungen am laufenden Haushalt verabschiedet werden.

Im Herbst will Budapest einen neuen Fiskalplan für 2027 vorlegen. Dieser soll nach Angaben der Regierung auf "konservativen" Wirtschaftsprognosen beruhen und den öffentlichen Finanzen mehr Stabilität geben.

Ökonomen sehen bessere Beziehungen zu den EU-Institutionen als entscheidenden Faktor. Sie könnten sowohl die Stabilisierung der Staatsfinanzen als auch das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren absichern.

Forint profitiert vom neuen Kurs

Die Reformankündigungen kamen bei Investoren gut an. Der Forint zählt seit Jahresbeginn zu den stärksten Währungen unter den Schwellenländern, was der Markt als Vertrauenssignal für den neuen Kurs der Regierung wertet.

Anleger gehen davon aus, dass Budapest auf mehr finanzielle Stabilität setzt und Ungarn Schritt für Schritt näher an die Eurozone heranführt. Die geplante Euro-Einführung wird damit auch zu einem wichtigen Signal an Kapitalmärkte und Unternehmen.

Karman stellte zudem Änderungen im Steuersystem in Aussicht. Die Regierung will nicht sofort alle sektoralen Abgaben abschaffen, aber Regeln zurückfahren, die als Belastung für Wirtschaft und Investitionen gelten.

Zu den Vorschlägen gehört auch eine Vermögenssteuer von 1 Prozent für die reichsten Bürger. Gleichzeitig sollen Menschen mit sehr hohen Einkommen neue steuerliche Entlastungen erhalten, die an Einkünfte und Investitionen geknüpft sind.

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