Politik

Emiratische Ölgesellschaft verkauft große Mengen Rohöl aus dem Persischen Golf nach Asien

Die staatliche Ölgesellschaft von Abu Dhabi, Adnoc, verkauft große Mengen Rohöl aus dem Persischen Golf an Händler und Raffinerien in Asien. Es handelt sich um die ersten Angebote dieser Art seit Beginn des Iran-Kriegs.
11.06.2026 06:04
Lesezeit: 6 min

Adnoc verkauft Millionen Barrel an asiatische Abnehmer

Im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens, das Ende vergangener Woche abgeschlossen wurde, wurden mindestens 14 Millionen Barrel Rohöl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten verkauft. Dazu gehören die Sorten Upper Zakum, Umm Lulu und Das, berichtet das estnische Portal Äripäev unter Berufung auf Bloomberg.

Nach Angaben von Händlern dürfte das Angebot in den kommenden Wochen weiter steigen. Adnoc bereitet bereits eine weitere Ausschreibung mit ähnlichen Bedingungen vor, die noch in dieser Woche abgeschlossen werden soll.

Die nun verkauften Mengen werden zwischen Juni und August auf Tanker verladen. Den größten Anteil machte die Sorte Upper Zakum aus, die normalerweise von der Insel Zirku im Persischen Golf verschifft wird.

Alternative Exportwege umgehen die Straße von Hormus

Ein Teil der Lieferungen kann jedoch auch über andere Standorte abgewickelt werden. Händler verweisen insbesondere auf Fujairah und Sohar, die außerhalb des Persischen Golfs liegen.

Dadurch können Tanker die derzeit stark eingeschränkte Straße von Hormus umgehen. Diese Route gilt als einer der wichtigsten Engpässe des globalen Energiemarktes und steht seit Beginn der regionalen Spannungen besonders im Fokus.

Die Möglichkeit, Rohöl über alternative Exportterminals auszuführen, verschafft den Vereinigten Arabischen Emiraten einen strategischen Vorteil. Während andere Produzenten stärker von der Entwicklung in der Meerenge abhängig sind, kann Abu Dhabi einen Teil seiner Lieferungen unabhängig von der Situation im Golf aufrechterhalten.

China, Indien und Japan sichern sich Lieferungen

Den Angaben der Händler zufolge gingen die Lieferungen an Raffinerien in mehreren asiatischen Ländern. Zu den Käufern zählen Unternehmen aus China, Japan, Südkorea und Indien.

Die meisten Geschäfte wurden nur mit einem Aufschlag von wenigen Dollar gegenüber dem Dubai-Referenzpreis abgeschlossen. Mindestens eine Lieferung wurde sogar mit einem Abschlag von rund einem Dollar pro Barrel auf diesen Referenzwert verkauft.

Trotz der jüngsten Verkäufe bleiben die exportierten Mengen weiterhin deutlich unter dem Niveau vor Ausbruch des Konflikts. Dennoch erhöhen die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Lieferungen schrittweise und bringen zusätzliche Mengen auf einen Markt, der weiterhin unter einem begrenzten Angebot aus dem Nahen Osten leidet.

Emirate sichern Asiens Versorgung

Die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu den wichtigsten Rohölexporteuren der OPEC. Seit Beginn der Spannungen rund um die Straße von Hormus beobachten Händler jede Veränderung der Exportströme genau. Durch die strategische Nutzung von Pipelines und Exportterminals außerhalb des Persischen Golfs kann das Land einen Teil der Risiken umgehen, die andere Produzenten unmittelbar treffen. Für die asiatischen Abnehmer ist dies von besonderer Bedeutung, da die Region einen Großteil ihres Energiebedarfs über Importe aus dem Nahen Osten deckt.

Mit dem Verkauf von mindestens 14 Millionen Barrel Rohöl signalisiert Adnoc, dass die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Rolle als verlässlicher Lieferant für Asien auch in einer angespannten geopolitischen Lage behaupten wollen. Alternative Exportwege außerhalb der Straße von Hormus ermöglichen zusätzliche Lieferungen und könnten dazu beitragen, die Versorgungslage auf dem Ölmarkt zu stabilisieren. Dennoch bleibt die Entwicklung im Nahen Osten ein entscheidender Risikofaktor für Preise und Handelsströme.

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