Finanzen

Yen-Dollar-Kurs: Experten warnen vor neuem historischen Börsenrutsch

Der Yen ist wieder so schwach wie kurz vor dem Börsenbeben von 2024. Was wie ein technisches Währungsdetail wirkt, kann zur Gefahr für globale Aktienmärkte werden. Hinter dem Yen-Dollar-Kurs stehen Milliardenwetten, gehebelte Positionen und die Frage, ob der nächste Ausverkauf nur einen Auslöser braucht.
25.06.2026 06:03
Lesezeit: 3 min
Yen-Dollar-Kurs: Experten warnen vor neuem historischen Börsenrutsch
Ein schwacher Yen weckt Erinnerungen an den Crash von 2024. (Foto: dpa | Eugene Hoshiko) Foto: Eugene Hoshiko

Yen-Dollar-Kurs: Warum der schwache Yen Erinnerungen an 2024 weckt

Der japanische Yen steht gegenüber dem Dollar wieder auf einem Niveau, das zuletzt kurz vor historischen Börsenverlusten erreicht wurde. Nun rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob sich die Marktturbulenzen des Sommers 2024 wiederholen könnten. Das berichten unsere Kollegen von Dagens Industri. "Ich würde das absolut nicht ausschließen", sagt Amanda Sundström, Währungsstrategin bei SEB.

Am 5. August 2024 brach die Börse in Tokio um 12,4 Prozent ein. Es war der schwärzeste Handelstag seit dem Schwarzen Montag 1987. In Taiwan musste man bis 1967 zurückgehen, um einen ähnlich blutigen Börsentag zu finden. Die Entwicklung fiel mit einer kräftigen Aufwertung des japanischen Yen zusammen. Der Wechselkurs hatte sich von einem Rekordtief von 161,9 Yen je Dollar auf etwas mehr als 140 Yen je Dollar bewegt.

Carry Trade: Wie billiges Yen-Kapital globale Risiken verschärfte

Auslöser war eine jahrelange Phase sehr niedriger japanischer Leitzinsen. Sie öffnete Raum für eine sogenannte Carry-Trade-Strategie in der Währung. Investoren liehen sich Yen zu niedrigen Zinsen, tauschten das Geld in höher verzinste Anlagen oder nutzten es, um etwa massiv auf amerikanische Technologieaktien zu setzen. Als sich der Trend drehte und der Yen gegenüber dem Dollar kräftig zulegte, mussten Investoren Positionen schließen, die sie mit geliehenem Geld aufgebaut hatten.

SEB-Währungsstrategin Amanda Sundström beschreibt den Ablauf als "perfekten Sturm". "Nach einer sehr langen Phase niedriger Zinsen in Japan und eines sehr schwachen Yen begannen wir, auf ganz andere Weise über Zinserhöhungen zu sprechen", sagt sie. Zugleich sei der Markt von Sorgen über den KI-Sektor und die US-Wirtschaft geprägt gewesen.

Nun wird der Yen gegenüber dem Dollar erneut auf ähnlich schwachen Rekordniveaus gehandelt. Damit schlagen an den Märkten wieder Warnsignale an. Bloomberg berichtet, dass die Wetten gegen den Yen auf den höchsten Stand seit neun Jahren gestiegen seien und der Carry Trade in der Währung wieder zurückgekehrt wirke.

Amanda Sundström sagt, es sei schwer zu beurteilen, wie groß diese Positionen tatsächlich seien. Nach Indikatoren großer internationaler Banken und Handelsplattformen hätten sich spekulative Akteure wie Hedgefonds aber wieder in dieses Handelsmuster begeben. "Sie sind gewöhnlich ein guter Indikator dafür, wohin andere gehen", sagt Sundström. Sie verweist auf eine Korrelation zwischen einem schwachen Yen und steigenden Kursen amerikanischer Technologieaktien. Auffällig sei zudem, dass die Währung während der unruhigen Marktphasen dieses Jahres nicht dem klassischen Muster eines sicheren Hafens gefolgt sei.

Yen-Dollar-Kurs: Der entscheidende Impuls müsste vom Dollar kommen

Für eine Wiederholung des Jahres 2024 müsste der Auslöser jedoch von der Dollar-Seite kommen, meint die Währungsstrategin. "Im Dollar-Teil steckt deutlich mehr Kraft als im japanischen Teil. Die Lage im Nahen Osten ist ein möglicher Auslöser, alternativ könnten wir noch taubenhaftere Kommentare der Federal Reserve bekommen."

Das zweite Szenario hält sie für wahrscheinlicher. Sie teilt die Markterwartung nicht, wonach in diesem Jahr zwei US-Zinserhöhungen eingepreist sind. Stattdessen erwartet sie, dass die Fed den Leitzins im Jahresverlauf unverändert lässt und erst danach senkt. Das könnte eine Trendwende beim Dollar auslösen.

Könnten die Märkte dann erneut historische Börsenverluste erleben? "Ich würde das absolut nicht ausschließen. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass der Markt diese Positionen nicht nur im Yen eingegangen ist und dass sich die Wetten über einen deutlich längeren Zeitraum aufgebaut hatten." Trotzdem sieht Amanda Sundström mehrere Parallelen zu 2024. Sie schätzt das Risiko einer Wiederholung heute allerdings geringer ein. "Jetzt haben wir höhere US-Zinsen, einen starken Dollar und hohe Bewertungen amerikanischer Aktien, vor allem im KI-Sektor. Natürlich kann es wieder unruhig werden."

Für deutsche Anleger ist der Yen-Dollar-Kurs vor allem als Risikosignal relevant. Eine abrupte Auflösung großer Carry-Trade-Positionen kann auch europäische Märkte treffen, wenn internationale Investoren gleichzeitig Risikoanlagen verkaufen. Für exportorientierte Unternehmen, Banken und Anleger in Deutschland wäre entscheidend, ob ein stärkerer Yen nur eine technische Gegenbewegung bleibt oder eine breitere Neubewertung globaler Risikoanlagen auslöst.

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