Politik

Neue Regeln für „Demokratie leben!“: Prien bezieht Verfassungsschutz ein

Die Familienministerin hat neue Vorgaben für die Förderung von Initiativen gegen Extremismus und für Vielfalt entworfen. Dieses Jahr stehen rund 190 Millionen Euro zur Verfügung. Wer Unterstützung will, muss auch eine Überprüfung akzeptieren.
01.07.2026 14:08
Lesezeit: 2 min
Neue Regeln für „Demokratie leben!“: Prien bezieht Verfassungsschutz ein
Das Programm "Demokratie leben!" fördert seit 2014 Projekte zur Abwehr von Extremismus, Rassismus und Antisemitismus. (Foto: dpa)

„Demokratie leben!“: Prien bezieht Verfassungsschutz mit ein

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat den angekündigten Umbau des Programms "Demokratie leben!" auf den Weg gebracht. Initiativen für ein demokratisches Zusammenleben, gegen Extremismus und für Vielfalt müssen sich für eine Förderung künftig strengeren Vorgaben unterwerfen und sich auf eine Vorabprüfung durch den Verfassungsschutz gefasst machen. Dies geht aus den Förderaufrufen hervor, die das Familienministerium in Berlin veröffentlichte.

Das Programm "Demokratie leben!" fördert seit 2014 Projekte zur Abwehr von Extremismus, Rassismus und Antisemitismus. Dieses Jahr stehen rund 190 Millionen Euro zur Verfügung. Prien hatte angekündigt, dass die Förderung von rund 200 Projekten zum Jahresende zunächst auslaufen und dafür neue Bedingungen gesetzt werden sollen. Die Ministerin hält das Programm für linkslastig. Ihr Ziel beim Umbau ist nach eigenen Angaben, mehr Initiativen in der Mitte der Gesellschaft zu fördern.

Neuer Förderaufruf

Konkret wurde jetzt ein Förderaufruf für eine "neue Programmebene Bund" für bundesweit tätige Organisationen veröffentlicht. Das heißt, Organisationen können ihr Interesse an weiterer staatlicher Unterstützung bekunden, aber nun auf dieser neuen Grundlage. Mehrere Vorgaben an die Initiativen sind strenger als in der bisherigen Förderrichtlinie. So dürfen sich etwa nur "juristische Personen mit anerkannter Steuerbegünstigung" bewerben. Sie müssen bis auf Ausnahmen zehn Prozent ihres Etats selbst aufbringen - eine sogenannte Co-Finanzierung.

Zudem müssen sie sich dem sogenannten Haber-Verfahren unterwerfen. Das ist eine zweistufige Überprüfung durch den Verfassungsschutz, benannt nach einem Rundschreiben der damaligen Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, Emily Haber, von 2017. Demnach kann bei "hinreichendem Anlass" eine "Überprüfung auf verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse durch das Bundesamt für Verfassungsschutz" folgen, wie es im Förderaufruf heißt.

Die Anwendung des Verfahrens beim Deutschen Buchhandlungspreises hatte im Frühjahr Wirbel ausgelöst. Drei Buchläden war der Preis auf Grundlage des Haber-Verfahrens verwehrt worden. Kritiker beklagten, die Überprüfung sei intransparent. Es wurde nie bekannt, was gegen die Buchhandlungen vorliegt.

Neue Programmteile

Die "Programmebene Bund" ist einer von fünf Programmteilen bei "Demokratie leben!". Zwei davon - die kommunale und die Landesebene - sollen nach Angaben des Ministeriums nicht verändert werden. Hinzu kommen sollen zwei neue Teile: Eine eigene Programmebene "Digitaler Raum" soll Radikalisierung im Netz entgegentreten; und ein neues "Sondervorhaben Integration und Teilhabe" soll Dialog und Zusammenhalt stärken.

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