Kreml droht mit Exportstopp
Kirgisistan hat seine Nachbarstaaten um Unterstützung bei der Sicherung der Kraftstoffversorgung gebeten, nachdem Russland seine Lieferungen deutlich reduziert und zugleich mit einem vollständigen Exportverbot für Dieselkraftstoff gedroht hat. Das zentralasiatische Land importiert nahezu seinen gesamten Kraftstoff aus Russland. Nach Angaben der Behörden gehen die Vorräte an Superbenzin (AI-95) mancherorts bereits zur Neige.
Das benachbarte Kasachstan erklärte nun, es prüfe Möglichkeiten, den Engpass abzumildern. Der stellvertretende Energieminister betonte gegenüber Journalisten jedoch, dass dabei zunächst die nationalen Interessen sowie das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage im eigenen Land berücksichtigt würden.
Kirgisistan hat außerdem Belarus, Aserbaidschan, Usbekistan und Turkmenistan um Unterstützung gebeten.
Am stärksten von russischen Kraftstoffexporten abhängig sind die zentralasiatischen Staaten ohne Zugang zum Meer. Tadschikistan importierte im vergangenen Jahr 84 Prozent seines Kraftstoffs aus Russland. Usbekistan ist insbesondere bei Flugkraftstoff auf russische Lieferungen angewiesen. Eine Ausnahme bildet Kasachstan, das seine eigene Raffinerie- und Produktionskapazität in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut hat.
Russland selbst hat unterdessen die ersten Tanker mit Kraftstoff aus Indien bestellt. Nach Informationen von Reuters handelt es sich um mindestens 60.000 Tonnen. Darüber hinaus bezieht Russland Kraftstoffe aus Belarus.
Indien importierte im Juni, als die Straße von Hormus noch blockiert war, eine Rekordmenge russischen Rohöls. Nach Angaben von Kpler beliefen sich die Einfuhren auf durchschnittlich 2,7 Millionen Barrel pro Tag und machten mehr als die Hälfte der indischen Rohstoff- und Warenimporte des Monats aus.
Ukrainische Drohnen erreichen Sibirien
Die Angriffe auf die russische Infrastruktur gehen derweil weiter. Vor wenigen Tagen griff die Ukraine nach eigenen Angaben mit Drohnen acht Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte im Asowschen Meer nachts an.
Bereits am Vortag erreichten ukrainische Drohnen die rund 2.700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte sibirische Stadt Omsk und griffen dort Russlands größte Raffinerie an. Nach Angaben des Gouverneurs wurde die Anlage getroffen, der Großteil der Drohnen jedoch von der Luftabwehr abgefangen.
Nach Informationen von Äripäev unter Berufung auf Reuters verarbeitete die Raffinerie in Omsk im vergangenen Jahr durchschnittlich 460.000 Barrel Rohöl pro Tag beziehungsweise insgesamt 23 Millionen Tonnen.
Bei einem weiteren Angriff wurden die Häfen Ust-Luga und Wyssozki getroffen, über die ein erheblicher Teil der russischen Ölexporte über die Ostsee abgewickelt wird. Auch die Raffinerie in Jaroslawl wurde erneut getroffen. Es war bereits der wiederholte Angriff auf die Anlage seit Beginn des Krieges. Die Raffinerie verarbeitet jährlich rund 15 Millionen Tonnen Rohöl.
Zentralasien sucht verzweifelt nach Alternativen
Die Treibstoffkrise zeigt zunehmend Auswirkungen weit über Russland hinaus. Während mehrere zentralasiatische Staaten wegen ihrer hohen Abhängigkeit von russischen Lieferungen nach Alternativen suchen, gerät Moskau durch ukrainische Angriffe auf Raffinerien und Exporthäfen zusätzlich unter Druck. Sollte Russland seine Kraftstoffexporte weiter einschränken, könnten sich die Versorgungsprobleme in der Region verschärfen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Belastungen für den Kreml weiter zunehmen.

