Finanzen

Bitcoin-Kurs im freien Fall: KI-Aktien ziehen Milliarden ab

Der Bitcoin-Kurs stürzt ab, Milliarden fließen aus den großen Krypto-Fonds und selbst institutionelle Anleger ziehen sich zurück. Während KI-Aktien das Kapital anlocken, geraten Bitcoin-Miner wegen hoher Stromkosten zunehmend unter Druck. Historische Zyklen nähren nun einen ernüchternden Verdacht: Die nächste große Rally könnte erst 2028 beginnen.
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avtor
14.07.2026 09:28
Aktualisiert: 14.07.2026 09:45
Lesezeit: 5 min
Bitcoin-Kurs im freien Fall: KI-Aktien ziehen Milliarden ab
Bitcoin verliert Anleger an KI-Aktien, während hohe Stromkosten das Mining belasten. (Foto: dpa | Fabian Sommer) Foto: Fabian Sommer

Bitcoin-Kurs unter Druck: Anleger verlieren das Interesse

Kryptowährungen enttäuschen die Anleger in diesem Jahr ähnlich wie Gold. Der Bitcoin-Kurs fiel im Juni um fast ein Fünftel und rutschte zeitweise sogar unter die Marke von umgerechnet rund 52.500 Euro. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.

Noch im Oktober vergangenen Jahres kostete die bekannteste Kryptowährung auf ihrem Rekordhoch umgerechnet rund 110.300 Euro. Nachdem Bitcoin im April vergeblich versucht hatte, die Schwelle von etwa 70.000 Euro zu überwinden, kühlten sich die Märkte für Kryptoanlagen deutlich ab. Anders als in früheren Phasen fallender Kurse deuten die Daten dieses Mal darauf hin, dass das Interesse der Anleger an digitalen Vermögenswerten grundsätzlich nachlässt.

Was erwartet die größte Kryptowährung, wenn viele Anleger inzwischen Aktien von Technologieunternehmen bevorzugen und das Bitcoin-Mining wegen steigender Energiekosten immer weniger rentabel wird? Historische Zyklen legen nahe, dass eine neue kräftige Aufwärtsbewegung möglicherweise erst 2028 einsetzen könnte.

Amerikanische börsengehandelte Bitcoin-Fonds verzeichneten im Juni Rekordabflüsse. Innerhalb eines Monats zogen Anleger aus 13 dieser Fonds mehr als umgerechnet 3,5 Milliarden Euro ab. Es war das schwächste Monatsergebnis seit Januar 2024. Allein aus dem von BlackRock verwalteten IBIT, dem größten Bitcoin-Fonds auf dem Markt, flossen rund 2,6 Milliarden Euro ab.

Die Kapitalströme zeigen, dass sich das Verhalten der Anleger verändert hat. "Das Ausmaß und die Dauer dieser Abflüsse zeigen, dass traditionelle Anleger weiterhin defensiv positioniert sind", erklärten Analysten des Investmentunternehmens Glassnode.

Während sinkende Kurse in früheren Marktphasen gewöhnlich neue Käufer anzogen, reduzieren institutionelle Investoren dieses Mal ihr Engagement in digitalen Vermögenswerten. Stattdessen verfolgen sie einen vorsichtigeren Kurs.

Die Suche nach höheren Renditen und stärkeren Kursschwankungen hat sich auf den Aktienmarkt verlagert. Besonders gefragt sind Technologieunternehmen, die mit künstlicher Intelligenz verbunden sind. Auch der viel beachtete Börsengang von SpaceX zog die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich. "Die Stimmung bleibt schwach, weil inzwischen Aktien von KI-Unternehmen im Mittelpunkt des Anlegerinteresses stehen", erklärte Gerry O'Shea vom Vermögensverwalter Hashdex gegenüber der "Financial Times".

Bitcoin-Halving: Der Markt ist in die Abwärtsphase eingetreten

Das Bitcoin-Halving ist ein fest im Protokoll verankerter Mechanismus. Etwa alle vier Jahre halbiert sich die Belohnung, die sogenannte Miner für die Erzeugung neuer Datenblöcke erhalten. Dadurch gelangen mit der Zeit immer weniger neue Bitcoins in Umlauf.

Der Mechanismus soll dafür sorgen, dass die Ausgabe neuer Einheiten schrittweise sinkt und die Gesamtmenge von Bitcoin niemals mehr als 21 Millionen Stück beträgt.

Inzwischen befinden sich bereits rund 20 Millionen Bitcoins im Umlauf. Die letzte Million wird nach dem im Programmcode festgelegten Zeitplan nur äußerst langsam erzeugt. Voraussichtlich wird erst um das Jahr 2140 der letzte Bitcoin geschürft.

Da die Zahl der Bitcoins begrenzt ist, wächst das Angebot immer langsamer. Bleibt die Nachfrage stabil oder nimmt sie zu, kann diese Verknappung langfristig den Bitcoin-Kurs stützen. In früheren Halving-Zyklen, die gewöhnlich etwa vier Jahre dauerten, erreichte Bitcoin zunächst neue Höchststände. Anschließend folgten ein deutlicher Kursrückgang und der Beginn eines neuen Zyklus. Bislang hat es vier Halvings gegeben. Das jüngste fand am 19. April 2024 statt und fiel zeitlich mit den starken Kurssteigerungen des Jahres 2025 zusammen. Inzwischen befindet sich der Markt in einer sogenannten Bärenphase.

Sollte sich das historische Muster wiederholen, könnte eine mit dem vergangenen Jahr vergleichbare Aufwärtsbewegung erst 2028 oder 2029 einsetzen.

Solche historischen Zusammenhänge sind allerdings keine verlässliche Prognose. Auch die allgemeine Wirtschaftslage, das Zinsniveau, regulatorische Entscheidungen und die Stimmung der Anleger beeinflussen den Bitcoin-Kurs. Zusätzlichen Druck erzeugt der enge Zusammenhang zwischen den Energiepreisen und der Rentabilität des Bitcoin-Minings. Das Verfahren benötigt enorme Mengen an Strom. Bei einem fallenden Bitcoin-Kurs und steigenden Energiekosten lohnt sich der Betrieb daher immer weniger.

Nach Angaben des Cambridge Centre for Alternative Finance benötigen Miner beim gegenwärtigen Bitcoin-Kurs Strom zu einem Preis von höchstens umgerechnet rund 4,4 Eurocent je Kilowattstunde, damit ihr Geschäft rentabel bleibt. Überschreiten die Kosten etwa 8,8 Eurocent je Kilowattstunde, schreiben sie bereits Verluste.

Europa befindet sich dabei in einer ungünstigen Position. In vielen Ländern liegen die industriellen Strompreise über dem Niveau, bei dem sich Bitcoin-Mining noch wirtschaftlich betreiben lässt.

Steigende Stromrechnungen zwingen Miner deshalb zunehmend dazu, ihre Bitcoin-Bestände zu verkaufen. Mit den Erlösen finanzieren sie die laufenden Betriebskosten. Die Verkäufe erhöhen jedoch das Angebot auf dem Markt und setzen den Bitcoin-Kurs zusätzlich unter Druck.

Zu den größten Unternehmen der Bitcoin-Mining-Branche gehört MARA Holdings. Der Aktienkurs des Unternehmens sank innerhalb des vergangenen Monats um sechs Prozent, liegt seit Jahresbeginn aber noch immer rund 40 Prozent im Plus.

Bitcoin-Ausblick: KI-Aktien und hohe Stromkosten belasten den Markt

Der Kursrückgang von Bitcoin belastet auch Unternehmen, deren Geschäftsmodell eng mit dem Kryptomarkt verbunden ist. Besonders stark traf es die Aktie von Strategy. Das Unternehmen gehört zu den größten Bitcoin-Besitzern der Welt und fungiert faktisch als unternehmenseigener Bitcoin-Tresor. Innerhalb des vergangenen Monats verlor die Strategy-Aktie 20 Prozent. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus auf 35 Prozent.

Wegen der anhaltenden Schwäche von Bitcoin und des deutlichen Rückgangs des eigenen Aktienkurses kündigte Strategy ein aktiveres Bilanzmanagement an. Ende Juni erklärte das Unternehmen, zeitweise Bitcoins verkaufen zu können. Die Einnahmen könnten Aktienrückkäufe und Dividenden finanzieren oder dazu dienen, die Barreserven auf umgerechnet rund 1,09 Milliarden Euro zu erhöhen.

Medienberichten zufolge verkaufte Strategy zwischen dem 29. Juni und dem 5. Juli insgesamt 3.588 Bitcoins im Wert von umgerechnet rund 189 Millionen Euro. Damit würde sich das Unternehmen von der bisherigen Philosophie seines Mitgründers Michael Saylor entfernen, die ausschließlich auf den Kauf und das dauerhafte Halten von Bitcoin ausgerichtet war. Umfangreichere Verkäufe könnten den Druck auf den Bitcoin-Kurs zusätzlich verstärken.

Auch die Aktien von Kryptobörsen und Handelsplattformen notieren im Minus. Der Kurs von Coinbase ist seit Jahresbeginn um 28 Prozent gefallen. Ebenso verlieren Unternehmen, die sich auf Bitcoin-Mining spezialisiert haben.

Die weitere Entwicklung des Kryptomarktes lässt sich nur schwer vorhersagen. Die gegenwärtige Lage deutet jedoch nicht darauf hin, dass eine kräftige Aufwärtsbewegung unmittelbar bevorsteht. Der Kapitalstrom in Technologieunternehmen dürfte vorerst kaum nachlassen. Das gilt besonders mit Blick auf die angekündigten Börsengänge der KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI. Gleichzeitig verschlechtern steigende Energiekosten und ein Bitcoin-Kurs von zeitweise weniger als rund 52.500 Euro die Lage der Miner.

Eine gewisse Hoffnung bietet der Halving-Zyklus. Sollte sich die Geschichte wiederholen, wäre die nächste große Bitcoin-Hausse allerdings erst in einigen Jahren zu erwarten. Ein positiver Impuls könnte entstehen, falls Anleger Kapital aus Technologieaktien abziehen und wieder in Kryptowährungen investieren. Bei einer tieferen Wirtschaftskrise würden hingegen vermutlich sowohl der Aktienmarkt als auch der Kryptomarkt unter Druck geraten.

Für deutsche Anleger ist besonders die Kombination aus Kursrisiken, institutionellen Kapitalabflüssen und hohen europäischen Stromkosten relevant. Grundsätzlich erschweren die vergleichsweise hohen Energiekosten jedoch den wirtschaftlichen Betrieb großer Mining-Anlagen in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Für Anleger bleibt Bitcoin damit eine hochvolatile Anlage, deren Entwicklung nicht nur von der digitalen Knappheit, sondern zunehmend auch vom Wettbewerb mit KI-Aktien, den Energiepreisen und der allgemeinen Risikobereitschaft an den Finanzmärkten abhängt.

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Bor Mirtič

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Bor Mirtič ist Redakteur bei Finance.si und schreibt vor allem über Finanzmärkte, Aktien, Unternehmen und internationale Wirtschaftsentwicklungen. Wir konnten ihn als Gastautor gewinnen.

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