Wirtschaft

VW-Aktie: Volkswagen-Gewinn bricht ein und Umsatzprognose sinkt – was für Anleger jetzt wichtig ist

Anhaltend schwache Verkaufszahlen, insbesondere auf dem wichtigen chinesischen Markt, machen dem Volkswagen-Konzern schwer zu schaffen: Im zweiten Quartal verzeichnete das Unternehmen erneut einen spürbaren Profitrückgang. Die VW-Aktie steht am Freitag unter Druck – was bedeutet das für Anleger?
24.07.2026 11:41
Aktualisiert: 24.07.2026 11:41
Lesezeit: 3 min
VW-Aktie: Volkswagen-Gewinn bricht ein und Umsatzprognose sinkt – was für Anleger jetzt wichtig ist
VW-Aktie: Gewinnrückgang, Sparprogramm und schwache China-Verkäufe setzen Volkswagen unter Druck. (Foto: dpa). Foto: Moritz Frankenberg

VW-Aktie: Was die neuen Zahlen für Anleger und den DAX-Wert bedeuten

Der Automobilriese aus Wolfsburg musste im zweiten Jahresviertel erneut einen deutlichen Rückgang beim Ergebnis hinnehmen. Von April bis Juni schrumpfte der Konzerngewinn nach Steuern um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro, wie der führende europäische Autohersteller mitteilte. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum lag der Reingewinn noch bei 2,29 Milliarden Euro – was damals allerdings bereits ein Minus von 36 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal bedeutete.

Gleichzeitig schraubte das Unternehmen die Erwartungen an den Jahresumsatz zurück. Anstelle des ursprünglich peilten Umsatzwachstums von bis zu 3 Prozent geht Konzernchef Oliver Blume für das Gesamtjahr bestenfalls noch von einer Stagnation aus. Wie das DAX-Unternehmen bekannt gab, sei im schlechtesten Fall sogar mit einem Erlösrückgang von bis zu 3 Prozent zu rechnen.

Vor dem Wochenende rutschte die VW-Aktie im frühen Börsenhandel in Frankfurt ab. Zeitweise büßte das Papier des Wolfsburger Autobauers mehr als ein Prozent ein und fiel im vorläufigen Tagestief auf 71,00 Euro. Im Handelsverlauf konnte die VW-Aktie die Verluste etwas reduzieren: Um die Mittagszeit zeigen sich die Vorzugsaktien von VW noch rund 0,8 Prozent leichter bei 71,80 Euro.

China drückt auf Verkaufszahlen von Volkswagen

Die Auslieferungen fielen konzernweit um fast 9 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge, wie der Konzern bereits zuvor mitgeteilt hatte. Auf dem wichtigen Markt China sackten die Verkäufe sogar um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ab. Abseits Chinas sah es dagegen im Verkauf etwas besser aus.

Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz sorgten für Gegenwind, hatte Konzernchef Blume bereits im Frühjahr erklärt. Er plant daher neue Sparmaßnahmen mit deutlichen Einschnitten: Bis zu 50.000 Stellen weltweit und vier Werke in Deutschland stehen auf dem Prüfstand - zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bis 2030 bereits abgebaut werden sollen.

Unter anderem will das Management rund 11 Milliarden Euro an jährlichen Verwaltungskosten einsparen - das ist ein Viertel des bisher einkalkulierten Werts im indirekten Bereich - also außerhalb der Produktion. Aber auch in den Werkshallen will Blume bei den Kapazitäten den Rotstift ansetzen. Der Konzern soll insgesamt auf eine Produktion von 9 Millionen Fahrzeugen jährlich getrimmt werden, rund eine Million weniger als derzeit und drei Millionen weniger als noch vor der Corona-Pandemie. Die Zahl der Modelle soll um die Hälfte und die der verwendeten Komponenten gar um drei Viertel schrumpfen.

Widerstand gegen neue Sparpläne

Von Gewerkschaft und Betriebsrat kommt bereits kräftig Gegenwind. Ebenso vom Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist und zwei Mitglieder im Aufsichtsrat stellt. Zusammen mit den Arbeitnehmern stellen sie dort die Mehrheit. In dem Gremium fielen die Pläne Berichten zufolge dann auch zunächst durch.

Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.

Renditeperlen Audi und Porsche weiter schwach: Belastung für Volkswagen

Nach wie vor läuft es bei den einstigen Renditebringern Audi und Porsche nicht rund. Im zweiten Quartal ging der Umsatz bei Audi von 17,1 auf 15 Milliarden Euro zurück, das operative Ergebnis fiel noch einmal etwas schwächer aus als ein Jahr zuvor. Beim Sportwagenbauer Porsche AG sank der Umsatz im Autogeschäft - also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet - von 8,3 auf 7,8 Milliarden Euro. Porsche steckt ebenfalls in einem großen Umbau und will weitere Stellen streichen.

VW-Aktie: Analystenmeinungen fallen differenziert aus

Die VW-Aktie steht nach den Quartalszahlen unter Druck - und die Analysten passen ihre Einstufungen entsprechend an. Drei Häuser bestätigten ihre bisherigen Einstufungen und bewerteten dabei vor allem Ergebnis, Ausblick sowie Free Cashflow. Sämtliche Ersteinschätzungen wurden am Freitag veröffentlicht und zeigen unterschiedliche Schwerpunkte bei der Einordnung.

Bernstein Research bestätigte das Urteil „Market-Perform“ mit Kursziel 100 Euro. Stephen Reitman bewertete den bestätigten Zielkorridor für die operative Umsatzrendite 2026 positiv, obwohl sich der Umsatzausblick eingetrübt habe. Jefferies bestätigte am Freitag „Buy“ mit Kursziel 120 Euro. Philippe Houchois verwies auf einen um zehn Prozent unter den Markterwartungen liegenden operativen Gewinn, sah wegen des bestätigten Jahresausblicks aber Erklärungsbedarf in der Telefonkonferenz und bezeichnete den Free Cashflow als solide. JPMorgan bestätigte am Freitag „Neutral“ mit Kursziel 110 Euro. Jose M Asumendi schrieb, der Konzern habe im zweiten Quartal die Erwartungen verfehlt, hob jedoch den soliden Free Cashflow hervor, der die Prognosen übertroffen habe. Die VW-Aktie bleibt damit unterschiedlich bewertet.

Insgesamt reichen die Einschätzungen von „Neutral“ über „Market-Perform“ bis „Buy“. Während Ergebnis und Erwartungen unterschiedlich beurteilt werden, wird der Free Cashflow mehrfach positiv hervorgehoben. Für die VW-Aktie ergeben sich damit gemischte Analystensignale bei unveränderten Kurszielen und bestätigten Einstufungen. Anleger sollten nun die kurzfristigen Entwicklungen unbedingt im Blick behalten.

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