Wirtschaft

E-Auto kaufen oder leasen? Der Fünf-Minuten-Check

Ein E-Auto kaufen klingt einfacher, als es ist. Reichweite, Laden, Leasing, Garantien und eine Fülle neuer Technik können Einsteiger schnell verunsichern. Dabei eignet sich der Umstieg für fast alle Autofahrer. Sieben Punkte zeigen, worauf es vor dem Kauf wirklich ankommt und welche Sorgen man getrost vergessen kann.
11.10.2026 11:00
Lesezeit: 9 min
E-Auto kaufen oder leasen? Der Fünf-Minuten-Check
Wer ein E-Auto kaufen will, sollte Reichweite, Ladeoptionen und Kosten realistisch prüfen. (Bild: Jan Woitas/dpa/dpa-tmn) Foto: Jan Woitas

E-Auto kaufen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

In Dänemark gibt es mehr als 700.000 Elektroautos, berichten unsere Kollegen von Borsen. Insgesamt umfasst der Fahrzeugbestand jedoch rund 2,9 Millionen Autos. Es gibt also noch immer viele Menschen, die nicht auf Elektroantrieb umgestiegen sind. Die Erfahrung zeigt, dass 98 von 100 Autobesitzern ohne größere Schwierigkeiten auf ein E-Auto umsteigen können. Doch wie machen Sie das am besten? Wer ein E-Auto kaufen oder leasen möchte, sollte sich unbedingt folgende Tipps anschauen!

1. Mieten Sie, bevor Sie ein E-Auto kaufen

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie ein E-Auto kaufen sollen und ob ein Elektrofahrzeug überhaupt zu Ihnen passt, empfiehlt es sich, zuerst testweise ein elektrifiziertes Auto für ein bis drei Monate zu mieten oder im Kurzzeitleasing zu testen. So sammeln Sie vor einem potentiellen E-Auto-Kauf praktische Erfahrung.

Wenn Sie über den Kauf eines Kia, Renault, Nissan, Polestar oder VW nachdenken, können Sie entsprechende Modelle beim Carsharing-Anbieter Green Mobility für kürzere oder längere Zeit mieten. Elektroautos von Marken wie Audi, BMW und Mercedes-Benz lassen sich bei Unternehmen wie Avis, Hertz und Europcar mieten.

2. Planen Sie die Probefahrt

Bevor Sie ein E-Auto kaufen, sollten Sie mehrere verschiedene Fahrzeuge ausprobieren. Sie müssen kein ausgewiesener Autoexperte sein, um sich einen Überblick zu verschaffen. Es kann jedoch sinnvoll sein, den Markt zunächst anhand einer unabhängigen Quelle wie der „Elbil Revyen“ zu prüfen. Sie verkauft weder Autos noch Finanzierungen.

Wenn Sie die Auswahl eingegrenzt und Fahrzeuge gefunden haben, die zu Ihrem Budget und Ihren Bedürfnissen passen, sollten Sie diese Probe fahren. Wenn Sie einen Vorführwagen drei Stunden lang bekommen, fahren Sie sowohl in der Stadt als auch über Landstraßen und Autobahnen.

Fahren Sie auch Ihre übliche Pendelstrecke und testen Sie den adaptiven Tempomaten. Zwischen den Marken gibt es große Unterschiede darin, wie harmonisch diese Systeme arbeiten.

Sie können außerdem ausprobieren, wie stark das Auto beim Lenken oder Fahren unterstützt. Tesla bietet inzwischen eine fahrerüberwachte Selbstfahrfunktion an, bei der das Auto einen großen Teil der Fahrt selbst übernimmt. Achten Sie darauf, ob Charakter und Fahrverhalten des Autos zu Ihnen passen.

Elektroautos enthalten überdurchschnittlich viel Technik. Dazu gehört meist auch eine App, deren Bedienung Sie lernen müssen. Während einer Probefahrt lässt sich unmöglich alles ausprobieren. Sie vermittelt aber einen Eindruck davon, wie der Hersteller die Bedienung gestaltet.

Ein minimalistisches Konzept wie bei Tesla erfordert Eingewöhnung. Porsche konzentriert sich stark auf den Fahrer. Mercedes-Benz verbindet klassische Instrumente mit digitaler Technik.

E-Auto kaufen, leasen und laden: Was sich wirklich rechnet

Elektroauto kaufen oder doch besser leasen?

Banken bieten für den Kauf eines Elektroautos spezielle grüne Autokredite an. Dabei genügt häufig eine Anzahlung von zehn Prozent statt der üblichen 20 Prozent. Außerdem fällt der Zinssatz oft niedriger aus. Ein entsprechender Kredit kann zusätzlich Zugang zu günstigeren Versicherungen ermöglichen.

Mehrere Automarken bieten bei einer Finanzierung über einen autorisierten Händler sogar Zinssätze von bis zu null Prozent an.

Knapp jedes dritte neue Auto wird derzeit über privates Leasing finanziert. Das ist teurer als ein Kauf und bedeutet, dass Sie nach Ablauf des Leasingvertrags ohne Auto dastehen. Dafür geben Sie das Fahrzeug zurück und müssen sich keine Gedanken über seinen Wertverlust machen.

Um einzuschätzen, ob ein Leasingangebot attraktiv ist, lässt sich die sogenannte Zehn-Prozent-Regel anwenden. Liegt die Sonderzahlung zu Beginn des Leasingvertrags unter zehn Prozent des Neupreises des Fahrzeugs, handelt es sich grundsätzlich um ein gutes Angebot.

Wie sollte geladen werden?

Die einfachste Lösung ist ein Abonnement bei einem Ladeanbieter, das unbegrenztes Laden zu Hause und unterwegs ermöglicht. Das kostet typischerweise rund 120 Euro im Monat.

Wegen der extrem schwankenden Strompreise lohnt sich für die meisten Autofahrer jedoch eher ein verbrauchsabhängig abgerechneter Tarif. Dadurch können die monatlichen Kosten bei einem durchschnittlichen Elektroauto auf rund 67 Euro oder deutlich weniger sinken. Das gilt bei einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern und wenn das Auto überwiegend zu Hause geladen wird.

Wer Zugang zu einer Ladestation am Arbeitsplatz hat, kann dort in Dänemark steuerfrei laden. Ein Preisvergleichsportal wie ladeboks.dk kann dabei helfen, eine passende Lösung für den eigenen Bedarf zu finden.

Was ist mit Elektroautos im Winter?

Die Batterien von Elektroautos mögen niedrige Temperaturen nicht. Ganz so dramatisch ist das Problem allerdings nicht. In Norwegen liegt der Marktanteil von Elektroautos bei mehr als 98 Prozent. Dort ist es kälter als in Dänemark.

Bei niedrigen Temperaturen sollten Sie mit 20 bis 30 Prozent weniger Reichweite rechnen.

Eine begrenzte Reichweite im Winter ist häufig auch auf unrealistische Erwartungen an den sogenannten WLTP-Verbrauch zurückzuführen. WLTP ist ein standardisiertes Messverfahren für den Verbrauch bei gemischter Fahrweise. Es ist kein Versprechen des Herstellers, dass das Auto bei minus zehn Grad und Tempo 130 dieselbe Reichweite erreicht.

Bei teureren Elektroautos, die lange Strecken zurücklegen sollen, spielt außerdem die Ladegeschwindigkeit der Batterie eine wichtige Rolle. Die 800-Volt-Technik ermöglicht sehr schnelles Laden. Sie gehört in der Premiumklasse inzwischen zum Standard und findet sich unter anderem im Audi Q6 e-tron, BMW iX3 und Mercedes-Benz GLC sowie bei zahlreichen chinesischen Konkurrenten.

Reichweitenangst und Reparaturen bei Elektrofahrzeugen

Vorsicht vor Alarmisten

Autos sind stark von Emotionen geprägt. Deshalb entstehen rund um neue Technologien immer wieder Mythen.

Vor 100 Jahren gab es Kritik daran, dass Autos künftig auch an den Vorderrädern bremsen sollten. 1976 waren viele Menschen empört darüber, dass sie einen Sicherheitsgurt benutzen mussten. Am Ende funktionierte auch das ziemlich gut. Konzentrieren Sie sich auf die Fakten.

Probleme beim Laden, weil etwa eine App oder eine Zahlungskarte an einer Ladesäule nicht funktioniert, und die Angst vor Warteschlangen an Ladestationen beschäftigen vor allem Menschen, die selbst noch kein Elektroauto fahren.

Rund 80 Prozent der Ladevorgänge dänischer Elektroautos finden zu Hause statt. Dort muss lediglich das Ladekabel angeschlossen werden.

Elektroauto kaufen? Denken Sie an die Garantie und eine längere Probefahrt

Das Risiko, mit kaum kalkulierbaren Reparaturkosten konfrontiert zu werden, ist dagegen kein Mythos. Elektroautos sind grundsätzlich robust und einfacher aufgebaut als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. E-Autos haben nachweislich weniger Pannen als Verbrenner. Wenn allerdings etwas kaputtgeht, dann können Reparaturen ausgesprochen teuer werden.

Neue Elektroautos haben in der Regel eine Garantie von fünf Jahren oder länger. Porsche gewährt lediglich zwei Jahre. Wer ein gebrauchtes E-Auto kauft, sollte deshalb eine technische Garantie abschließen, die vor hohen Reparaturkosten schützt.

Auch für Käufer in Deutschland gelten die grundlegenden Überlegungen dieses Ratgebers. Wer ein E-Auto kaufen möchte, sollte weniger auf theoretische Maximalreichweiten und stärker auf den eigenen Alltag achten. Entscheidend sind Fahrprofil, Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz, reale Reichweite im Winter, Ladegeschwindigkeit und Garantieleistungen. Hinzu kommen in Deutschland die Kosten für Strom, Versicherung und Finanzierung sowie die Verfügbarkeit öffentlicher Ladepunkte.

Gerade eine längere Probefahrt kann zeigen, ob ein Elektroauto tatsächlich zum täglichen Arbeitsweg, zu längeren Autobahnfahrten und zur familiären Nutzung passt. Auch beim Leasing und bei Gebrauchtwagen lohnt sich ein genauer Blick auf die Gesamtkosten statt allein auf die monatliche Rate.

Für die meisten Autofahrer ist der Umstieg auf ein Elektroauto technisch längst machbar. Wer ein E-Auto kaufen möchte, sollte sich vor allem Zeit für Probefahrten, Kostenvergleich und Ladeplanung nehmen. Viele Sorgen rund um Reichweite und Laden erweisen sich im Alltag als kleiner als gedacht. Bei Garantie und möglichen Reparaturkosten lohnt sich dagegen besondere Aufmerksamkeit.

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Steen Bachmann

Steen Bachmann ist Autor bei Børsen, dem dänischen Schwesterunternehmen der Deutschen Wirtschafts Nachrichten im Bonnier-Konzern, und schreibt für die DWN einen Gastbeitrag mit dänischer Perspektive auf Automobilindustrie, Elektromobilität und neue Fahrzeugtrends.
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