Deutschland

Spahn: Kinder werden wohl ab August Impfangebote erhalten

Gesundheitsminister Spahn rechnet mit Impfungen für Kinder bis Ende August. Um das Virus unter Kontrolle zu bringen, müssten "sich möglichst viele impfen lassen".
25.05.2021 15:44
Aktualisiert: 25.05.2021 15:44
Lesezeit: 4 min
Spahn: Kinder werden wohl ab August Impfangebote erhalten
Jens Spahn am Dienstag im Serumwerk Bernburg. (Foto: dpa) Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht von einem Impfangebot für Kinder ab zwölf Jahren bis Ende August aus. Voraussetzung dafür sei die Zulassung des Impfstoffs durch die europäische Arzneimittelbehörde, sagte er am Dienstag bei einem Besuch des Pharmaunternehmens Serumwerk Bernburg AG (Salzlandkreis).

"Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten Tagen, diese oder nächste Woche, eine Zulassung geben kann", sagte Spahn. Es gehe um ein Impfangebot für alle älteren Kinder und Jugendlichen, die wollten. Spahn betonte, es sei keine Impfpflicht. Es bleibe bei einer individuellen Entscheidung. "Kinder, Eltern, Ärztinnen und Ärzte entscheiden gemeinsam, ob geimpft wird oder nicht", so Spahn.

Er finde es sehr wichtig, dass es eine Diskussion gebe, auch über Nutzen und Risiken von Impfstoffen, auch bezogen auf die jeweilige Altersgruppe, sagte Spahn. Deshalb sei es eine individuelle Entscheidung. "Covid-19 ist für jemanden, der 80 ist, ein höheres Risiko als für jemanden, der 18 ist", sagte Spahn. Gleichzeitig gebe es auch Angaben über Langzeitwirkungen, gerade auch bei jüngeren Infizierten, in nicht geringer Zahl, sagte Spahn mit Blick auf die Folgen einer Covid-19-Erkrankung.

"Ich weiß nur eins, wenn wir dieses Virus gut in Griff, unter Kontrolle, haben wollen, in Deutschland und Europa, dann werbe ich dafür, dass sich möglichst viele impfen lassen, das macht es leichter", sagte Spahn. Er bekomme zudem viel Post von Eltern mit Kindern mit Vorerkrankungen, die sehnsüchtig auf eine Impfung warteten.

Der Gesundheitsminister warb mit Blick auf den Fortgang der Impfungen und den Sommer in Deutschland insgesamt um "etwas Geduld und Verständnis. "Wir haben echt "schwere, harte Monate hinter uns", sagte er. Es gehe jetzt um ein paar Wochen Geduld miteinander, nicht um Monate. An Ostern seien 12 Prozent der Deutschen geimpft gewesen, heute, sieben Wochen später, seien es über 40 Prozent, die mindestens einmal geimpft worden seien.

"Wenn wir einfach das Ganze noch sieben, acht Wochen weiterdenken, dann wird jeder, der geimpft werden möchte, auch in den ersten Monaten des Sommers, der ja im Juli beginnt, ein Impfangebot bekommen. Ich meine: nicht erst den Termin, sondern tatsächlich die erste Impfung haben", sagte Spahn.

Mit Blick auf die Diskussion um die Inzidenzwerte, die weitere Lockerungen der Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie ermöglichen, sagte Spahn, "20 ist nicht das Neue 50". Aus seiner Sicht werde es dann "ein richtig guter Sommer, wenn wir viele Impfungen haben und wenige Infektionen".

In dem Serumwerk mit langer Geschichte informierte sich Spahn über die Produktion. Das Unternehmen mit 450 Mitarbeitern stellt unter anderem Spucktests her, mit denen eine Coronavirus-Infektion festgestellt werden kann. Die Firma produziert nach eigenen Angaben keinen Impfstoff gegen das Coronavirus. Der Mittelständler fertigt Wirkstoffe für Arzneimittel in der Human- und Veterinärmedizin, Wund- und Heilsalben und Infusionslösungen.

Der Vorstandsvorsitzende Frank Kilian erklärte, es sei wichtig, gerade um unabhängig in Krisen wie der Pandemie zu sein, die Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen aus Fernost nach Europa zurückzuholen oder zumindest zu halten und auszubauen.

Fast jeder zweite erwachsene Europäer hat Corona-Erstimpfung bekommen

Deutschland liegt im Vergleich mit den anderen EU-Staaten im Impf-Durchschnitt. Wie die letzten Vergleichsdaten vom 21. Mai zeigten, waren an diesem Tag sowohl in Deutschland als auch im Rest der EU rund 40 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) sowie aus Angaben von Impfstoffherstellern und Daten der EU-Gesundheitsbehörde ECDC hervor.

Bis Ende des Monats sollen insgesamt 46 Prozent der Europäer - 170 Millionen Menschen - eine Erstimpfung erhalten haben. Das erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Angaben aus EU-Kreisen am Dienstag beim EU-Gipfel in Brüssel.

In Deutschland haben nach RKI-Angaben vom Dienstag (Stand: 10.05 Uhr) 33,6 Millionen Menschen (40,4 Prozent) eine Erstimpfung erhalten, 11,9 Millionen (14,4 Prozent) sind vollständig geimpft. Am Montag wurden 287 574 Menschen in der Bundesrepublik immunisiert, 158 451 davon bekamen nun ihren vollen Impfschutz. Der Feiertag hatte die Zahl der Impfungen damit im Vergleich zur Vorwoche deutlich gedrückt, sieben Tage zuvor wurden mit 543 637 weitaus mehr Impfdosen verabreicht.

Europaweit nimmt die Impfkampagne derweil weiter Fahrt auf. Die Lieferungen im zweiten Quartal von April bis Juni übertreffen demnach die ursprünglichen Erwartungen: Es sollen 413 Millionen Impfdosen der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson in der EU ankommen. Noch Anfang März hatte von der Leyen von 300 Millionen Dosen im zweiten Quartal gesprochen. Nach der jetzigen Prognose sollen es im dritten Quartal von Juli bis Ende September sogar 529 Millionen Dosen werden, im vierten Quartal dann noch einmal 452 Millionen.

Von der Leyen hatte das Ziel ausgegeben, mindestens 70 Prozent der Erwachsenen in der EU gegen Covid-19 zu impfen. Sie hält dies bis Juli für erreichbar, zumindest für die Erstimpfung. Die EU-Kommissionspräsidentin erklärte am Dienstag, dass bis 30. Mai in der EU etwa 300 Millionen Dosen Corona-Impfstoff ausgeliefert und davon 245 Millionen Dosen verabreicht worden sein.

Mit dem Fortschreiten der Impfkampagne wachsen derweil die Hoffnungen auf europaweite Öffnungsschritte. Die 27 EU-Staaten erklärten in einem Entwurf der Gipfelerklärung, angesichts der Impferfolge würden nun schrittweise Öffnungen wieder möglich. Dennoch sei wegen der Virusvarianten Wachsamkeit gefordert. Die 27 Staaten geloben laut Entwurf erneut ein koordiniertes Vorgehen und begrüßen die Einigung auf ein digitales Covid-Zertifikat als Nachweis für Impfungen, Tests oder eine überstandene Infektion. Gefordert sei nun eine rasche Änderung der Reiseempfehlungen innerhalb der EU.

Die Infektionszahlen gehen derweil weiter zurück. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 1911 Corona-Neuinfektionen, wie aus dem Stand des RKI-Dashboards vom Dienstagmorgen (06.05 Uhr) hervorgeht. Vor einer Woche hatte der Wert bei 4209 Ansteckungen gelegen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Dienstagmorgen mit bundesweit 58,4 an (Vortag: 62,5; Vorwoche: 79,5). An Feiertagen wie Pfingsten suchen aber weniger Menschen einen Arzt auf, wodurch auch weniger Proben genommen werden und es weniger Laboruntersuchungen gibt; daher werden weniger Neuinfektionen gemeldet.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Montagabend bei 0,84 (Vortag: 0,87). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 84 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 33 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 221 gewesen.

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