Deutschland

Rekordschulden: Bund borgt sich mehr Geld als geplant

Der Bund macht 2022 voraussichtlich Schulden in Höhe von rund 450 Milliarden Euro. Damit klettert der deutsche Schuldenberg auf ein neues Rekordhoch.
28.09.2022 16:36
Aktualisiert: 28.09.2022 16:36
Lesezeit: 2 min
Rekordschulden: Bund borgt sich mehr Geld als geplant
Die Bundesregierung macht trotz Steuereinnahmen in Rekordhöhe weiter massiv Schulden. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Der Bund muss sich wegen der Energiekrise im Herbst 22,5 Milliarden Euro mehr von Investoren leihen als ursprünglich geplant. Das Emissionsvolumen steigt von Oktober bis Dezember auf 106,5 Milliarden Euro, wie die für das Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur am Mittwoch mitteilte. Die Ausweitung sei „auf Maßnahmen des Bundes zur Bewältigung der Energiekrise zurückzuführen“.

Am Kapitalmarkt will sich die Finanzagentur 47,5 Milliarden Euro leihen und damit 10,5 Milliarden Euro mehr als vorgesehen, wie Finanzagentur-Chef Tammo Diemer erläuterte. Unter anderem soll im November die grüne Anleihe mit Fälligkeit im August 2031 um eine Milliarde Euro aufgestockt werden. Am Geldmarkt will die Finanzagentur 59 Milliarden Euro über kürzer laufende Papiere aufnehmen - ein Plus von 12,0 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr 2022 leiht sich der Bund am Finanzmarkt wohl rund 450 Milliarden Euro, wie Diemer signalisierte. Normalerweise begibt die Finanzagentur die Anleihen selbst über ein Auktionsverfahren an die bei ihr registrierten Banken. Bisweilen laufen Emissionen aber auch über ein sogenanntes Syndikat, bei dem die Banken einen Anteil auf das eigene Buch nehmen und bei ihren Kunden für die Papiere werben.

„Wir planen auch im vierten Quartal eine syndizierte Aktion“, sagte Diemer mit Blick auf ein Papier mit 30-jähriger Laufzeit im Oktober. Die Größenordnung dürfte wie bei den bisher in diesem Jahr gelaufenen Syndikat-Emission ausfallen - also bei vier bis fünf Milliarden Euro. Zu den Plänen für 2023 hielt sich Diemer bedeckt. Hierzu will er sich erst im Dezember äußern.

Wegen der Corona-Pandemie und nun auch Entlastungen in Folge des Ukraine-Kriegs und der Energiekrise steigt der Druck auf die öffentliche Hand. Zum Halbjahr 2022 kletterte der Schuldenberg im Gesamthaushalt auf den Rekord von 2,344 Billionen Euro. Damit lag die Verschuldung von Bund, Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände sowie Sozialversicherung samt aller Extrahaushalte 22,9 Milliarden Euro oder 1,0 Prozent über dem Niveau vom Jahresende 2021. Zum ersten Quartal 2022 gab es ein Plus von 1,1 Prozent oder 25 Milliarden Euro.

Die Schulden des Bundes kletterten im Vergleich zum Ende 2021 um 1,7 Prozent oder 25,9 Milliarden Euro auf 1,574 Billionen Euro. „Der Schuldenanstieg des Bundes ist im weiterhin erhöhten Finanzierungsbedarf des Bundes und seiner Sondervermögen aufgrund der anhaltenden Pandemiesituation begründet“, erklärten die Statistiker. Während die Verschuldung des Bundes zum Jahresanfang noch leicht sank, stieg sie im Frühjahr zum ersten Quartal um 27,5 Milliarden Euro.

Die Schulden der Länder hingegen sanken per Ende des 1. Halbjahres 2022 auf fast 633 Milliarden Euro - das waren 0,9 Prozent oder 5,9 Milliarden Euro weniger als Ende 2021. Die Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände erhöhten sich im Vergleich zum Jahresende 2021 um 2,9 Milliarden Euro auf gut 137 Milliarden Euro. Bei der Sozialversicherung fiel der Schuldenstand um acht Millionen Euro auf 36 Millionen Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Edelmetalle in einer neuen Marktphase

Gold über 5.500 US-Dollar, Silber über 100 US-Dollar pro Unze

DWN
Finanzen
Finanzen Geldanlage: Warum Aktien langfristig keine Rendite bringen – und was Investoren tun können
30.01.2026

An den Börsen hält sich die Vorstellung, dass Geduld langfristig zum Erfolg führt. Doch was, Aktien langfristig keine Rendite bringen...

DWN
Politik
Politik US-Iran-Konflikt: Steigende Spannungen wirken sich auf den Ölpreis aus
30.01.2026

Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben die Ölpreise spürbar steigen lassen und die geopolitischen Risiken am Energiemarkt neu in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Konjunktur: Deutsche Wirtschaft wächst Ende 2025 stärker als gedacht
30.01.2026

Nach zwei Jahren Rezession wächst die deutsche Wirtschaft 2025 wieder leicht. Das Schlussquartal fällt sogar positiver aus als erwartet....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt: Mehr als drei Millionen Arbeitslose in Deutschland
30.01.2026

Die Zahl der Arbeitslosen steigt im Januar saisonüblich an. In diesem Jahr wurde eine wichtige Schwelle überschritten.

DWN
Finanzen
Finanzen Amazon-Aktie: Riesen-Investition in KI-Entwickler OpenAI im Gespräch
30.01.2026

Amazon verhandelt laut Medienberichten über eine mögliche Investition von bis zu 50 Milliarden US-Dollar in den KI-Entwickler OpenAI....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gasspeicher in Deutschland ungewöhnlich leer – droht im Winter eine Versorgungslücke?
30.01.2026

Die deutschen Gasspeicher sind derzeit deutlich weniger gefüllt als in den vergangenen Jahren. Mit einem Füllstand von rund 35 Prozent...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mittelstand enttäuscht von Bundesregierung: Mehrheit zweifelt an Wirtschaftswende
30.01.2026

Der deutsche Mittelstand blickt zunehmend kritisch auf die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Eine aktuelle Befragung des...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Spekulationen um die Fed-Spitze belasten
30.01.2026

Der Goldpreis hat nach seiner jüngsten Rekordjagd plötzlich deutlich nachgegeben. Anleger erleben extreme Schwankungen zwischen neuen...