Deutschland

Umfrage: Inflation und Energiekrise lösen Zukunftsängste aus

Steigende Preise für Lebensmittel und Energie führen zu Zukunftsängsten in der mittleren Generation. Nur 14 Prozent der Befragten hat Vertrauen in die Gegenmaßnahmen der Politik.
29.11.2022 13:55
Aktualisiert: 29.11.2022 13:55
Lesezeit: 2 min
Umfrage: Inflation und Energiekrise lösen Zukunftsängste aus
Teilnehmer einer Demonstration auf dem Stuttgarter Schlossplatz, zu der das Sozialbündnis „Solidarischer Herbst“ angesichts von Preissteigerungen, Energie- und Klimakrise im Oktober aufgerufen hat. (Foto: dpa) Foto: Christoph Schmidt

Trotz staatlicher Hilfspakete in der Energiekrise herrschen in der mittleren Generation Zukunftsängste und Sorgen vor sozialem Abstieg vor. Dies geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor, das jährlich die 30- bis 59-Jährigen im Auftrag der deutschen Versicherungswirtschaft befragt.

Viele der insgesamt 1050 Teilnehmer der Umfrage, die Ende September und Anfang Oktober befragt wurden, waren zudem mit Blick auf die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen zur Krisenbewältigung skeptisch.

Befragte haben kaum Vertrauen in politische Maßnahmen

Nur 14 Prozent der im Früh-Herbst Befragten hatten großes oder sehr großes Vertrauen, dass die Maßnahmen greifen. Dagegen äußerten drei Viertel der Befragten, wenig oder kein Vertrauen ins Krisenmanagement der Ampel zu haben. In ihrer Untersuchung für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kommen die Meinungsforscher zugleich zu einem alarmierenden Befund: Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Befragten schaute mit großen Befürchtungen auf die kommenden Monate, weitere 27 Prozent mit Skepsis.

„Das ist ein beispielloser Stimmungseinbruch“, resümierte Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher. „Auch im vergangenen Jahr und insbesondere im ersten Pandemiejahr 2020 waren die Menschen besorgt, aber sie waren nicht annähernd so pessimistisch wie jetzt.“

Nachdenklich stimmt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen insbesondere der fatalistische Blick der mittleren Generation auf die aktuelle ökonomische Lage: „Drei Viertel der Befragten rechnen für das kommende halbe Jahr mit einem wirtschaftlichen Abwärtstrend. Und auch mittelfristig erwartet die Mehrheit keine Besserung, sondern eine längerfristige Schwächephase.“

Steigende Preise sorgen für Pessimismus

Noch augenfälliger wird der Pessimismus im Langfristvergleich der persönlichen wirtschaftlichen Situation. Hier ziehen 38 Prozent die Bilanz, dass es ihnen heute schlechter geht als vor fünf Jahren: Lediglich 33 Prozent sind der Ansicht, es gehe ihnen besser. Damit überwiegen zum ersten Mal seit Beginn der Befragung im Jahr 2013 Wohlstandseinbußen gegenüber Wohlstandsgewinnen, wie Asmussen erläuterte.

Ganz konkret drückt sich diese Angst vor wirtschaftlichen Abstieg in der Sorge vor steigenden Preisen aus. „Für 85 Prozent der Befragten ist das der größte Sorgenpunkt“, so Asmussen. 56 Prozent befürchten, dass sie wegen der Inflation in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten und 45 Prozent, dass dadurch ihre Ersparnisse entwertet werden.

Die große Mehrheit der mittleren Generation will daher notgedrungen ihr Konsumverhalten einschränken. Knapp die Hälfte spricht sogar von erheblichen Einschränkungen. Besonders hart getroffen fühlen sich die Befragten von den Preissteigerungen bei Lebensmitteln (82 Prozent) und Heizkosten (74 Prozent).

Eine große Mehrheit der Befragten (78 Prozent) fordert eine Ausweitung der staatlichen Entlastungsprogramme zur Inflationsbekämpfung. Nur acht Prozent halten die bisherigen Maßnahmen für ausreichend. Und nach dem mehrheitlichen Willen der Befragten sollten die finanziellen Entlastungen auch weiterhin der Gesamtbevölkerung zugutekommen. Nur 37 Prozent plädieren dafür, vor allem sozial Schwächere zu entlasten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Warum Deon Markets in der Krypto-Landschaft herausragt

In der dynamischen Welt der Kryptowährungen hebt sich Deon Markets deutlich ab. Diese Plattform bietet mehr als nur den Handel mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Ethisches Investieren: Der Vatikan predigt Moral und kauft Tech-Aktien
07.07.2026

Der Vatikan will Geld nach moralischen Kriterien anlegen und landet dabei ausgerechnet bei Meta, Nvidia, Apple, Amazon und Alphabet. Was...

DWN
Immobilien
Immobilien Deutscher Mietmarkt: Warum sich das Vermieten für Private nicht mehr lohnt
07.07.2026

Die Wohnungskrise in Deutschland verschärft sich. Doch während in Talkshows meist über rücksichtslose Immobilienkonzerne debattiert...

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
07.07.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Technologie
Technologie KI treibt Gründungsboom auf Rekordniveau
07.07.2026

So viele Start-ups wie noch nie: Der KI-Boom verändert die deutsche Gründerszene grundlegend und senkt die Hürden für neue Unternehmen....

DWN
Politik
Politik Seltene Erden: Pekings Exportstopp wird zur Warnung für Deutschland
07.07.2026

China zieht im Rohstoffkrieg die Schraube an: Seltene Erden, die für Halbleiter, Medizintechnik, Rüstung und grüne Technologien...

DWN
Politik
Politik Trump setzt Nato unter Druck
07.07.2026

Donald Trump sorgt beim Nato-Gipfel in Ankara erneut für Spannungen und stellt die Loyalität europäischer Verbündeter infrage. Während...

DWN
Politik
Politik Gericht verurteilt Le Pen zu einem Jahr Haft mit Fußfessel
07.07.2026

Nur wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl fällt ein Schuldspruch: Für Frankreichs Rechtsnationale Marine Le Pen ist das eine...

DWN
Politik
Politik Leere Kassen: Kommunen ziehen vor das Kanzleramt
07.07.2026

Deutschlands Kommunen schlagen Alarm: Milliardenlöcher in den Haushalten bedrohen immer mehr Städte und Gemeinden. Die Verantwortlichen...