Politik

Russland meldet Staatsdefizit, fehlende Steuern aus Öl und Gas

Im Januar verzeichnete Russland ein Staatsdefizit von umgerechnet 23 Milliarden Euro. Denn die Besteuerung der Energieexporte ist durch die Sanktionen verzerrt worden.
Autor
07.02.2023 22:06
Aktualisiert: 07.02.2023 22:06
Lesezeit: 2 min
Russland meldet Staatsdefizit, fehlende Steuern aus Öl und Gas
Präsident Putin geht gegen die sinkenden Einnahmen aus den Energieexporten vor, die ein hohes Staatsdefizit verursacht haben. (Foto: dpa) Foto: Mikhail Klimentyev

Die Steuereinnahmen der russischen Regierung aus Öl und Gas sind im Januar um 46 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen. Zugleich stiegen die Ausgaben für des Krieges in der Ukraine um 59 Prozent.

In der Folge ist das Haushaltsdefizit auf 1,76 Billionen Rubel (umgerechnet rund 23 Milliarden Euro) gestiegen. Dies ist das höchste Defizit seit mindestens 1998, wie das russische Finanzministerium am Montag mitteilte.

Der Rückgang der Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor ist eine indirekte Folge der westlichen Sanktionen gegen russische Energie-Exporte, zu denen nun auch das weitreichende von der Europäischen Union verhängte Embargo gegen russisches Rohöl und raffinierte Brennstoffe auf dem Seeweg sowie die Preisobergrenze von EU, G7-Staaten und Australien gehören.

Denn aufgrund dieser Maßnahmen wird Ural-Rohöl, das Russlands wichtigste Exportmischung darstellt, nun mit erheblichen Preisabschlägen zu den Benchmark-Preisen gehandelt. Im Januar lag der Durchschnittspreis für Ural-Öl bei 49,48 Dollar pro Barrel, dem niedrigsten Stand seit Dezember 2020, so das Finanzministerium.

Im Vergleich dazu lag der durchschnittliche Brent-Benchmarkpreis im vergangenen Monat bei 77,82 Dollar pro Barrel. Auch die Preise für andere russische Rohöl-Sorten liegen deutlich höher als für Ural-Öl.

Derzeit besteuert das russische Finanzministerium die Ölproduzenten aber auf der Grundlage einer monatlichen Bewertung des Ural-Preises durch Argus Media, wie Bloomberg berichtet. Diese Schätzung umfasst auch die Fracht- und Versicherungskosten für Ladungen, die nach Nordwesteuropa verschifft werden.

Die Höhe der Steuern beruht also auf den niedrigen Ural-Preisen, wodurch die Steuereinnahmen zuletzt so niedrig waren. Russlands Präsident Wladimir Putin hat seine Regierung daher aufgefordert, bis zum 1. März einen Plan vorzulegen, wie der Preis für russisches Öl bewertet werden könnte, um die negativen Auswirkungen der Sanktionen auf die Haushaltseinnahmen auszugleichen.

Die russische Regierung arbeitet an neuen Ansätzen, "um zu alternativen Preisindikatoren für Steuerzwecke überzugehen", so das Finanzministerium. Der Grund dafür sei, dass die Preise für Ural-Rohöl kein objektiver Preisindikator für die Exportpreise für russisches Öl mehr sind.

Ein Rückgang der russischen Gasexporte trug ebenfalls zu den niedrigeren Energieeinnahmen bei, nachdem Gazprom PJSC den Großteil seiner Lieferungen nach Europa, dem einst größten Markt des Landes, gekürzt hatte.

Die russischen Staatseinnahmen aus dem Nicht-Energiebereich gingen im Januar ebenfalls um 28 Prozent zurück, so das Ministerium, das dafür zum Teil eine Änderung der Vorschriften für die Mehrwertsteuer verantwortlich machte.

"Der Rückgang der Öleinnahmen im Haushalt war zu erwarten, aber der Rückgang der verbrauchsabhängigen Steuern um 30 Steuern ist bedrohlich", sagte Alex Isakov, Ökonom bei Bloomberg Economics. "Wir gehen davon aus, dass die Öleinnahmen im Laufe des Jahres weiterhin unterdurchschnittlich ausfallen werden, sodass das Defizit mit 1,5 Prozent des BIP über den Prognosen der Regierung liegen wird".

In einer weiteren Erklärung gab das Finanzministerium bekannt, dass es im Januar 3,6 Tonnen Gold sowie 2,3 Milliarden Yuan aus dem Staatsfonds verkauft hat, um das Defizit zu decken. Der größte Teil der russischen Währungsreserven ist durch internationale Sanktionen beschlagnahmt worden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

DWN
Politik
Politik Iran nach US-Angriffen: Verliert Russland strategischen Einfluss?
04.03.2026

Die Angriffe auf Iran erschüttern das Machtgefüge der autoritären Allianz aus Russland, China und Nordkorea und verschieben zugleich die...

DWN
Politik
Politik Flugzeugträger Charles de Gaulle vor Malmö: Frankreich stärkt Nato-Präsenz im Ostseeraum
03.03.2026

Frankreich entsendet den Flugzeugträger Charles de Gaulle nach Malmö und demonstriert militärische Präsenz im Ostseeraum. Wie...

DWN
Politik
Politik USA und Iran im Konflikt: Wie China auf steigende Ölpreise reagiert
03.03.2026

Der Krieg im Iran verschiebt die geopolitischen Gewichte zwischen Russland und China und legt ihre gegensätzlichen Energieinteressen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was der Krieg für Verbraucher und Wirtschaft bedeutet
03.03.2026

Tanken und Heizen verteuern sich, Aktien geben nach, und der Ölpreis könnte die Konjunktur bremsen. Doch es gibt auch hoffnungsvolle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Man sieht sich immer zweimal im Leben: Souveräner Umgang mit Kündigungen 
03.03.2026

Ob Unzufriedenheit mit dem Chef, eine neue Jobchance oder persönliche Veränderungen: Die Gründe für eine Kündigung des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Jobrad-Stellenabbau fällt moderater aus: 107 Jobs fallen bis Jahresende weg – was heißt das für Wettbewerber
03.03.2026

Weniger Kündigungen als befürchtet, ein neuer CEO ab 1. Februar und ein Strategiewechsel im Sponsoring: Der Jobrad-Stellenabbau fällt...

DWN
Panorama
Panorama Spritpreise steigen weiter: Diesel überholt E10
03.03.2026

Der Krieg im Nahen Osten treibt Rohölpreise und damit auch Kosten für Tanken und Heizen in die Höhe. Am Dienstag setzte sich der Anstieg...

DWN
Finanzen
Finanzen Allianz-Aktie: Rekordergebnis reicht Anlegern nicht – Allianz-Aktienkurs steht vor kritischen Marken
03.03.2026

Die Allianz-Aktie rutscht am Dienstag deutlich ins Minus – trotz starker Zahlen und eines neuen Allianz-Rekordergebnisses. Was bedeutet...