Finanzen

Bundesanleihe verzeichnet höchste Rendite seit 2011

Anleger haben die Hoffnung auf ein baldiges Ende der hohen Zinsen aufgegeben. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt auf dem höchsten Stand seit 2011.
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25.09.2023 18:00
Lesezeit: 3 min
Bundesanleihe verzeichnet höchste Rendite seit 2011
Die straffe Politik von EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in die Höhe getrieben. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Die Anleger am Anleihemarkt wollten es lange nicht glauben, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen tatsächlich über einen längeren Zeitraum auf einem hohen Niveau belassen wird. Doch nun gibt es am straffen Kurs der Notenbank kaum noch Zweifel. Entsprechend niedrig bewerten Händler zehnjährige Bundesanleihen, die Benchmark für langfristige Kreditkosten in der Eurozone. In der Folge ist deren Rendite auf den höchsten Stand seit 2011 gestiegen.

Diese Entwicklung verdeutlicht die Schwierigkeiten der EZB, die Inflation wieder auf 2 Prozent herunter zu bringen, ohne dabei eine Rezession auszulösen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex signalisierte am Montag nur eine minimale Verbesserung der düsteren Aussichten für die Unternehmen in Deutschland. Auch Bundesfinanzminister Christian Lindner räumte umgehend ein, dass "eine Trendwende noch nicht erreicht" sei.

Der Gouverneur der französischen Zentralbank, Francois Villeroy de Galhau, brachte die Gefahren für die Konjunktur auf den Punkt, indem er vor Schritten warnte, die das magere Wachstum in der Eurozone zum Entgleisen bringen könnten, und gleichzeitig forderte, dass sich die EZB nach der jüngsten Anhebung der Zinsen in diesem Monat nun auf die "Beständigkeit" der Geldpolitik konzentriert.

Im Kampf gegen die Teuerung hatte die EZB am 14. September die Zinsen das zehnte Mal in Folge erhöht. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Geschäftsbanken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, stieg damit von 3,75 auf nunmehr 4 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit dem Start der Währungsunion im Jahr 1999.

Die Rendite zehnjähriger deutscher Anleihen kletterte am Montag auf über 2,8 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um mehr als 30 Basispunkte seit Anfang September. Der Euro befindet sich unterdessen seit mehr als zwei Monaten in einer Abwärtsspirale, die durch die zunehmenden Ängste vor einer "Stagflation" belastet wird. Die Einheitswährung wurde um 1,0635 Dollar gehandelt und damit auf dem niedrigsten Stand seit Mai.

Isabelle Vic-Philippe, Fondsmanagerin bei Amundi, vermeidet es laut einem Bericht von Bloomberg derzeit, ihrem Portfolio ein übermäßiges Zinsrisiko hinzuzufügen, da die Zentralbanker die restriktiveren Bedingungen länger beibehalten könnten, als die Märkte derzeit erwarten. "Die Inflation ist immer noch recht hoch, auch wenn sie sich verlangsamt", sagte sie.

Die Kurskorrektur in Europa ist zum Teil auf die in der vergangenen Woche in den USA veröffentlichten Daten zurückzuführen. Demnach ist die Wirtschaft trotz der aggressiven Zinserhöhungen durch die Federal Reserve weitaus stärker als erwartet. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist in den letzten Wochen stark angestiegen und durchbrach am Freitag die Marke von 4,5 Prozent. Das war der höchste Stand seit 16 Jahren.

Während die Inflation in den USA immerhin schon auf 3,7 Prozent gesunken ist, liegt sie in der Eurozone weiterhin bei 5,2 Prozent. Die EZB ist also immer noch weit davon entfernt, ihr Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen, obwohl die in dieser Woche zu erwartenden Zahlen voraussichtlich einen starken Rückgang der Inflation zeigen werden.

Der Rückzug der Inflation könnte durch das schwache wirtschaftliche Umfeld noch begünstigt werden. Das Wachstum im zweiten Quartal in der Eurozone wurde kürzlich stark nach unten korrigiert, und in Deutschland wird für das dritte Quartal ein Rückgang der Wirtschaftskraft erwartet, nachdem es im Winter bereits eine Rezession gegeben hatte.

Keine baldige Lockerung der EZB-Geldpolitik in Sicht

Die jüngsten Konjunkturdaten signalisieren laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde eine anhaltend schwache Wirtschaft in der Eurozone. Eine geringere Exportnachfrage und die schwierigere Finanzierungssituation bremsten das Wachstum im zu Ende gehenden Sommerquartal, sagte sie am Montag im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments.

Lagarde bekräftigte erneut, dass die EZB die Zinsen so lange wie nötig hoch halten wird, um die Inflation zurückzudrängen. "Die Inflation geht weiter zurück. Es wird jedoch nach wie vor erwartet, dass sie zu lange zu hoch bleiben wird", sagte die Französin. Mit der Entscheidung habe die Euro-Notenbank nach derzeitiger Einschätzung ausreichend dazu beigetragen, die Inflation zeitnah auf das Zielniveau zurückzuführen.

In der sinkenden Geldmenge sieht auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel derzeit noch kein Signal für Entspannung bei der Inflation. Die aktuell ungewöhnliche Entwicklung sei "wahrscheinlich kein Vorbote einer tiefen Rezession, sondern spiegelt vielmehr eine erhebliche Umschichtung der Portfolios nach einer langen Periode niedriger Zinsen wider", sagte sie bei einem Vortrag in Regensburg. "Daher gibt es noch keine Entwarnung für das Inflationsproblem."

Die Geldmenge M1, zu der Bargeld und Einlagen auf Girokonten zählen, lag im Juli um mehr als 9 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Je weniger kurzfristig verfügbares Geld es gibt, desto geringer ist ökonomischen Lehrbüchern zufolge normalerweise die Inflationsgefahr. Viel frei verfügbares Geld kann hingegen rasch in den Konsum gesteckt werden und die Preise nach oben treiben.

Auf den Märkten haben die Ankündigungen der Notenbanker längst zu einer Trendwende beigetragen. Langfristige Anleihen schnitten in der Anfangsphase des Straffungszyklus besser ab als ihre Pendants mit kurzer Laufzeit. Wenn es der EZB jedoch ernst damit ist, ihre restriktive Politik länger aufrechtzuerhalten, wird der Anreiz schnell abnehmen, weiter in der Zukunft fällig werdende Anleihen zu halten.

Strategen beginnen, über die Möglichkeit nachzudenken, dass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 3 Prozent steigen könnte. "Wenn man sich ansieht, wie Anleihen am langen Ende weltweit gehandelt werden, wird es immer deutlicher, dass eine dramatischere Verschlechterung der Makrodaten erforderlich sein könnte, um eine nachhaltige Wende bei den Renditen herbeizuführen", zitiert Bloomberg Rohan Khanna, Zinsstratege bei Barclays.

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