Unternehmen

Pilotprojekt Vier-Tage-Woche: Viele Firmen kürzen Arbeitszeit um weniger als 20 Prozent

Seit Anfang Februar läuft in Deutschland ein großes Testprojekt zur Vier-Tage-Woche. Die Zwischenergebnisse zeigen: Die Umsetzung einer 20-prozentigen Arbeitszeitverkürzung läuft nicht so einfach wie gedacht.
01.07.2024 09:25
Aktualisiert: 01.07.2024 10:23
Lesezeit: 2 min
Pilotprojekt Vier-Tage-Woche: Viele Firmen kürzen Arbeitszeit um weniger als 20 Prozent
Bei einem Testprojekt zur 4-Tage-Woche stellt sich heraus, dass es sich eine derartige Arbeitszeitverkürzung für viele der beteiligten Firmen nicht so einfach umsetzen lässt. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Die Einführung einer Vier-Tage-Woche fällt vielen Unternehmen schwerer als zunächst angenommen. Zu dieser ersten Erkenntnis kommt das seit Februar laufende Pilotprojekt zur Vier-Tage-Woche, bei dem 45 Organisationen in Deutschland für ein halbes Jahr das Modell testen. Rund 40 Prozent der Unternehmen brauchten laut dem Zwischenbericht länger für die Vorbereitungen und konnten erst im März oder noch später starten.

„Man denkt, es geht dabei vor allem um den Arbeitsprozess und die Arbeitsweise, aber es geht auch darum, wie man das Team in diesem Veränderungsprozess führt. Manche Mitarbeiter stehen dem offener gegenüber als andere“, sagte Carsten Meier von der Unternehmensberatung Intraprenör der Deutschen Presse-Agentur. Intraprenör hat das Projekt für Deutschland initiiert. Wissenschaftlich begleitet wird die deutsche Ausgabe von der Universität Münster.

Testprojekt: Hälfte der Firmen kürzt Arbeitszeit um weniger als 20 Prozent

Ursprünglich für das Projekt vorgegeben war das Konzept 100-80-100: also 100 Prozent Leistung in 80 Prozent der Zeit bei 100 Prozent Bezahlung. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der Organisationen hat die Arbeitszeit dem Zwischenbericht zufolge aber lediglich um maximal 10 Prozent reduziert. „Bei relativ vielen Unternehmen wird die verdichtete Vier-Tage-Woche mit Arbeitszeitverkürzung angewendet“, sagte Meier. An vier Tagen wird dabei etwas mehr gearbeitet als vorher, der fünfte Tag ist frei. 38 Prozent der Unternehmen kürzten die Arbeitszeit um genau 20 Prozent.

Intraprenör arbeitet bei dem Testprojekt mit der Organisation 4 Day Week Global zusammen. Die NGO hat das Projekt in ähnlicher Form bereits in verschiedene andere Länder gebracht. In Großbritannien zeigten sich anschließend viele der Unternehmen sehr interessiert. Weil sich die Unternehmen freiwillig für das Projekt melden konnten, sind die Ergebnisse sowohl aus Großbritannien als auch die für Deutschland nicht repräsentativ für die Arbeitswelt.

Intraprenör zufolge hat mehr als die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen zwischen 10 und 49 Mitarbeiter. Die am stärksten vertretene Branche ist „Beratungs- und Agenturdienstleistungen“ (13 Prozent).

Digitalisierung und KI als Hilfen bei der Umsetzung einer Vier-Tage-Woche?

Der Zwischenbericht für das deutsche Testprojekt deutet an, dass die Veränderung der Arbeitszeiten einen Schub bei der Digitalisierung bewirken könnte. „Wir haben von Unternehmen gehört, dass sie lange geplante digitale Lösungen jetzt auch eingeführt haben, um für das Projekt die Prozesse anzupassen“, sagte Projekt-Initiator Meier.

Dass bei der Frage nach Strategien oft Digitalisierung und auch der Einsatz von KI genannt wurden, habe die Initiatoren überrascht. „Wir bewegen uns ja hier im Mittelstand, dem oft vorgeworfen wird, bei solchen Themen zu langsam zu sein. Aber vielleicht kann so ein Angst-Thema wie KI, vor dem ja viele Mitarbeiter auch Sorgen haben, neu aufgeladen werden“, betonte Meier.

Zwei Unternehmen aus Projekt ausgestiegen

Zudem hätten einige der teilnehmenden Unternehmen „signifikant mehr Bewerbungen erhalten - bei gleichbleibender Qualität“. „Zudem wurde berichtet, dass die Mitarbeiter in vielen Fällen eher bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen und neue Ideen einzubringen“, sagte Meier. Allerdings sind auch zwei teilnehmende Organisationen nach zwei Monaten aus dem Projekt ausgestiegen. „Das hatte aber wohl weniger mit der Vier-Tage-Woche als mit der wirtschaftlichen Gesamtlage zu tun, auf die man sich fokussieren wollte.“

Das Testprojekt dauert noch bis in den Sommer an. Die Veröffentlichung erster Ergebnisse ist für Ende Oktober angedacht.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Nach der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Trump:Standard Chartered sieht XRP als potenziell renditestärkste Kryptowährung im Jahr 2026

Vor dem Hintergrund der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Donald Trump und einer deutlich verbesserten regulatorischen Lage in den USA...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Lego Smart-Brick: Technologischer Meilenstein verändert den Spielwarenmarkt
08.01.2026

Lego befindet sich in einer Phase außergewöhnlicher Marktdynamik und strategischer Neuorientierung. Reicht technologische Innovation aus,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Erholt sich die deutsche Industrie?
08.01.2026

Die deutschen Industrieunternehmen überraschen im November mit einem kräftigen Auftragsschub. Besonders Metallerzeugnisse und der...

DWN
Finanzen
Finanzen Zalando-Aktie: Logistikzentrum Erfurt schließt, 2.700 Jobs betroffen
08.01.2026

Der Berliner Modekonzern Zalando zieht die Reißleine und schließt sein Logistikzentrum in Erfurt. 2.700 Beschäftigte verlieren ihren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Abfindung verhandeln: Wie Sie das Optimale aus Ihrem Jobverlust herausholen
08.01.2026

Die deutsche Wirtschaft streicht Stellen. Um Jobs abzubauen, bieten Unternehmen Mitarbeitern oft hohe Abfindungen an, um die...

DWN
Politik
Politik Venezuelas Ölreserven: Warum Trumps Zugriff die Weltordnung erschüttern könnte
08.01.2026

Donald Trump beansprucht Venezuelas Ölreserven und erhebt damit einen Machtanspruch, der weit über Lateinamerika hinausreicht. Hinter der...

DWN
Politik
Politik Bürgergeld adé – Kabinett beschließt neue Grundsicherung
08.01.2026

Union und SPD haben sich auf das Ende des Bürgergeldes und eine neue Grundsicherungs-Reform geeinigt. Doch die Gesetzesänderung ist...

DWN
Politik
Politik Private Städte im Vormarsch: Tech-Elite baut Siedlungen außerhalb des Staates
08.01.2026

Tech-Unternehmer und Investoren entwickeln weltweit neue Städte und Sonderzonen mit eigenen Regeln. Geht es um effizientere Strukturen...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie hebt ab: Was hinter dem Aufwärtstrend des DAX-Werts steckt und welche Rolle Venezuela spielt
08.01.2026

Die Rheinmetall-Aktie ist am Donnerstag kräftig nach oben geklettert. Der DAX-Wert setzt damit seine Aufwärtsrally seit Beginn des neuen...