Unternehmen

Güterverkehr: Lkw-Maut gilt jetzt auch ab 3,5 Tonner – mit Ausnahmen für Handwerker

Ausweitung der Lkw-Maut ab Juli: Für den Staat bedeutet das milliardenschwere Mehreinnahmen, für Spediteure und Berufskraftfahrer zusätzliche Mehrausgaben. Doch es gibt Ausnahmeregelungen, wie eine Mautbefreiung für Handwerker. Bringt das neue Regelwerk „Handwerkerausnahme“ noch mehr Bürokratie oder echte Hilfe fürs Handwerk? Für wen gilt sie? Eine Zusammenfassung.
02.07.2024 11:45
Aktualisiert: 02.07.2024 12:00
Lesezeit: 3 min

Seit Montag wird die Lkw-Maut in Deutschland ausgeweitet. Für die Benutzung von Autobahnen und Bundesstraßen sind dann auch Fahrzeuge mit einer technisch zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen mautpflichtig, die für den Güterkraftverkehr verwendet werden. Dem Bundeshaushalt bringt die Ausweitung milliardenschwere Mehreinnahmen.

Mehreinnahmen für Mobilität

Die Lkw-Maut wurde in Deutschland 2005 auf den Bundesautobahnen eingeführt und inzwischen auf alle Bundesstraßen ausgeweitet. Sie gilt bisher für Fahrzeuge, deren technisch zulässige Gesamtmasse mindestens 7,5 Tonnen beträgt. Neu eingeführt wurde auch ein CO₂-Aufschlag. Im Jahr 2023 betrugen die Einnahmen aus der Lkw-Maut nach Angaben des deutschen Verkehrsministeriums rund 7,4 Milliarden Euro.

Die Einnahmen aus der Lkw-Maut werden – nach Abzug der Kosten für Erhebung, Kontrolle und Mautharmonisierung – für die Bundesfernstraßen und für Maßnahmen aus dem Bereich Mobilität und dabei ganz überwiegend für die Schiene verwendet, so das Ministerium. Damit wird die Lkw-Maut zu einer wichtigen Einnahmequelle des Bundes für den Erhalt und den Ausbau der Verkehrsnetze.

Die Änderungen bei der Lkw-Maut gehen auf den Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP im Jahr 2021 zurück. Darin heißt es unter anderem, der gewerbliche Güterkraftverkehr ab 3,5 Tonnen solle einbezogen werden. Mehreinnahmen sollten für Mobilität eingesetzt werden.

Ausweitung Mautpflicht betrifft rund 330.000 Fahrzeuge

Eine Sprecherin des deutschen Verkehrsministeriums sagte, von der Ausweitung der Mautpflicht auf Fahrzeuge seien grundsätzlich geschätzt rund 330.000 Fahrzeuge betroffen. Die prognostizierten Mehreinnahmen beliefen sich im Jahr 2024 auf rund 500 Millionen Euro und in den Folgejahren auf jeweils rund 1,2 Milliarden Euro – einschließlich der Einnahmen aus einem Mautteilsatz für verkehrsbedingte CO₂-Emissionen. Die tatsächlichen Mauteinnahmen hingen maßgeblich von der konjunkturellen Entwicklung ab.

Maut als streckenbezogene Gebühr: Tariflängen

Die Maut ist eine streckenbezogene Gebühr. Das heißt, die Höhe der Maut richtet sich nach der Länge der mautpflichtigen Strecke, die ein Lkw befährt. Das mautpflichtige Streckennetz ist in Knotenpunkte und Strecken unterteilt. Zwei aufeinanderfolgende Knotenpunkte bilden die Grenze einer Tarifstrecke. Die Länge der Tarifstrecke wird als Tariflänge bezeichnet. Alle Tariflängen der mautpflichtigen Strecken in Deutschland finden Sie auch online in der Mauttabelle des Bundesamtes für Güterverkehr. Die dort angegebenen Tariflängen bilden die Basis für die Abrechnung der streckenbezogenen Mautgebühr.

Ausnahmen für Handwerker

Die Handwerker-Ausnahme besagt: Fahrzeuge mit weniger als 7,5 Tonnen technisch zulässiger Gesamtmasse sind, dann von der Lkw-Maut ausgenommen, wenn sie zur Beförderung von Material, Ausrüstungen oder Maschinen benötigt werden oder zur Auslieferung von handwerklich hergestellten Gütern.

Das deutsche Bundesamt für Logistik und Mobilität hat dazu eine Liste der handwerklichen Tätigkeiten veröffentlicht, die unter die Ausnahme fallen. Handwerksfahrzeuge, die unter die Voraussetzungen der Ausnahme genutzt werden, können dem Lkw-Mautbetreiber Toll Collect gemeldet werden.

Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks sieht Verbesserungsbedarf

„Es ist erfreulich, dass die Politik beim Thema Lkw-Maut ein Ohr für die Situation der Handwerksbetriebe gehabt hat“, sagte Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Das Handwerk sei richtigerweise von der Ausweitung weitestgehend ausgenommen worden. „Wichtig und zentral ist, dass keine weiteren zusätzlichen Kosten auf die Betriebe zukommen.“

Die mit der Mautausnahme verbundene Bürokratie der Voranmeldung sei sehr überschaubar, so Dittrich. Einige völlig unnötige und belastende Detailregelungen wie die Mautpflicht, für Fahrten zur Werkstatt oder eine enge Definition von mautfreier handwerklicher Produktion im Lebensmittelhandwerk seien noch dringend in der Umsetzungspraxis nachzubessern. Der CDU-Abgeordnete Christian Hirte sagte, es müssten deutlich mehr gewerbliche Tätigkeiten von der Maut befreit werden.

Zusammenfassung: Wie kann ich eine Mautbefreiung beantragen?

Die neue Handwerkerausnahme gilt, wenn Mitarbeitende eines Handwerksbetriebs mit einem Fahrzeug über 3,5 und unter 7,5 Tonnen technisch zulässiger Gesamtmasse unterwegs sind und Material, Ausrüstungen oder Maschinen transportieren, die notwendig sind, um die eigenen Dienst- und Werkleistungen auszuführen (einschließlich Werkzeuge, Arbeitsmittel, Ersatzteile, Baustoffe, Kabel, Geräte oder Zubehör) und/oder handwerklich gefertigte Güter transportiert werden, die im eigenen Betrieb hergestellt, weiterverarbeitet oder repariert werden.

Auch für Rückwege und Leerfahrten müssen Handwerksbetriebe ab Sommer weiterhin keine Lkw-Maut zahlen, wenn diese in unmittelbarem Zusammenhang mit den oben genannten Fällen stehen.

Wie wirkt sich ein Anhänger aus? Fahrzeugkombinationen sind nur mautpflichtig, wenn das Zugfahrzeug eine technisch zulässige Gesamtmasse von mehr als 3,5 Tonnen hat. Ein Anhänger hinter einem Fahrzeug mit genau 3,5 Tonnen tzGm (oder weniger) führt nicht zu einer Mautpflicht.

Die Liste aller Handwerkerberufe, deren Vertreter von der Mautpflicht in Deutschland befreit beziehungsweise, die der Handwerkerausnahme unterliegen können, finden Sie auf der Website des Bundesamtes für Logistik und Mobilität.

Auf der Internetseite von Toll Collect können Handwerker vorab freiwillig ihre Firma und die Fahrzeuge registrieren, die unter die Lkw-Maut-Ausnahme fallen. Mit diesen Informationen ließen sich Unterwegs-Prüfungen durch den Mautkontrolldienst sowie mögliche behördliche Verfahren minimieren, erklärt Toll Collect. Denn das automatische System aus Kontrollbrücken und -säulen kann nur von außen erkennen, ob es sich um ein mautpflichtiges Fahrzeug über 3,5 Tonnen handelt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

 

Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Chipaktien treiben Nasdaq nach oben, da Inflationsbericht Sorgen vor Fed-Zinserhöhung dämpft
12.08.2026

Spannung an den US-Märkten: Warum die jüngsten Wirtschaftsdaten Anleger aufatmen lassen und welche Sektoren jetzt besonders profitieren.

DWN
Panorama
Panorama Besonderer Blick nach oben: Sonnenfinsternis über Europa
12.08.2026

Zuerst wird die Sonnenscheibe am rechten unteren Rand angeknabbert. Dann bildet sich eine Sichel, die wandert. Ist die Sonne untergegangen,...

DWN
Politik
Politik Rente und Pension im Vergleich: Wie groß die Unterschiede wirklich sind
12.08.2026

Die Renten sind im Schnitt deutlich niedriger als die Beamtenpensionen. Eine neue Auswertung aus dem Bundestag zeigt erhebliche...

DWN
Politik
Politik EU-Verpackungsverordnung tritt in Kraft: Welche schärferen Regeln gelten
12.08.2026

Ein Coffee-to-go, eine Pizza zum Mitnehmen und eine Bestellung aus dem Internet, die im riesigen Karton kommt: Ab heute gelten in der EU...

DWN
Politik
Politik Geheimdienst-Reform: BND und Verfassungsschutz bekommen mehr Macht
12.08.2026

Die geplante Reform der Geheimdienste soll laut dem CDU-Politiker Henrichmann mehr Befugnisse bringen: Nachrichtendienste sollen künftig...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg verändert sich: Putins Hinterland wird zur neuen Front
12.08.2026

Die Front bewegt sich kaum noch, doch der Ukraine-Krieg bekommt eine neue Dimension. Ukrainische Drohnen und Raketen treffen Raffinerien,...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Wagenknecht könnte AfD zur Macht verhelfen
12.08.2026

Knapp vier Wochen vor der Wahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD in Umfragen weit vorn. Und das BSW kann sich Hoffnung auf den Sprung über...

DWN
Technologie
Technologie KI-Wasserzeichen: Claude wird unsichtbar markiert und Unternehmen müssen reagieren
12.08.2026

Claude soll künftig unsichtbare Spuren in Texten und Dateien hinterlassen. Anthropic reagiert damit auf neue Vorgaben des EU AI Act, doch...