Unternehmen

Sanierung bei der Bahn soll Pünktlichkeit bis zum Jahr 2027 steigern

An Problemen mangelt es bei der Deutschen Bahn nicht – die Züge fahren nicht pünktlich, die Infrastruktur ist marode und auch die finanzielle Lage ist düster. Ein Sanierungsprogramm soll helfen - in Berlin wurden jetzt erste Details bekannt.
18.09.2024 15:38
Aktualisiert: 18.09.2024 15:38
Lesezeit: 2 min

Der Vorstand der Deutschen Bahn will den kriselnden Konzern in den kommenden drei Jahren in drei zentralen Feldern sanieren. Das Sanierungsprogramm „S3“ wird nach dpa-Informationen zur Stunde im Aufsichtsrat diskutiert.

Der Bahn zufolge zielt das Programm auf die Sanierung der Infrastruktur, der betrieblichen Lage und der wirtschaftlichen Situation. Auf allen drei Feldern gab der Konzern zuletzt ein schlechtes Bild ab. Zwei aktuelle Kennzahlen machen das deutlich: Die Deutsche Bahn AG hat im ersten Halbjahr 1,2 Milliarden Euro Verlust nach Zinsen und Ertragssteuern erwirtschaftet und im August nur 60,6 Prozent der Fernverkehrszüge pünktlich an ihr Ziel gebracht.

"Die Bahn muss schwarze Zahlen schreiben, und das nicht irgendwann in fünf, sechs Jahren, sondern so schnell wie möglich", sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Er gehe davon aus, dass der Aufsichtsrat das Sanierungskonzept billige. In Zukunft wolle er sich alle drei Monate über die Fortschritte bei der Umsetzung informieren lassen.

Bisherige Strategie bleibt Orientierungspunkt

Angeblich will sich die Bahn mit dem Sanierungsprogramm weiter an der seit 2019 geltenden Dachstrategie Starke Schiene (DSS) orientieren und grob die für 2024 angepeilten Ziele drei Jahre später erreichen. Das Programm fasst außerdem viele Punkte zusammen, die in den vergangenen Monaten bereits angegangen wurden.

Dazu gehören etwa die Generalsanierungen von besonders wichtigen Strecken oder die Einführung eines neuen vertakteten Bausystems, mit dem der Fahrplan besser vor kurzfristigen Baustellen geschützt werden soll.

Pünktlichkeitsziel für 2027: Mehr als 75 Prozent im Fernverkehr

Für die Pünktlichkeit im Fernverkehr wird nach dpa-Informationen ein Zielkorridor von 75 bis 80 Prozent angestrebt – nach 64 Prozent im gesamten Jahr 2023. Die wirtschaftliche Lage soll nicht zuletzt mit weniger Personalkosten beziehungsweise einer höheren Produktivität verbessert werden. Bei ihrer Halbjahresbilanz hatte die Bahn bereits angekündigt, den Personalbedarf um 30.000 Stellen reduzieren zu wollen.

Die Bereiche DB Fernverkehr und DB Cargo sollen transformiert werden – zum Teil wurde damit bereits begonnen. Beide Sparten schrieben zuletzt rote Zahlen. Die Infrastruktur bedingten Störungen sollen auf 4900 pro Tag sinken – für das laufende Jahr erwartet die Bahn 6100 solcher Verspätungen pro Tag.

Laut Kritikern fehlen im Programm konkrete Maßnahmen

Der Bahn-Vorstand steht aufgrund der schlechten Bilanz des Konzerns in den vergangenen Monaten inzwischen erheblich unter Druck. Verkehrsminister Wissing forderte zuletzt immer drängender auch kurzfristige Verbesserungen etwa bei der Pünktlichkeit und der Auslastung des Fernverkehrs.

Jedoch wird das vorgelegte Sanierungsprogramm teilweise auch kritisch gesehen. Es fehle an konkreten Maßnahmen. Letztlich sei außer dem Zieljahr 2027 nichts in der Strategie zu finden, was nicht schon vorher auf anderen Powerpoint-Folien aufgelistet worden sei, hieß es. Vor allem bleibe offen, wie und wo der Konzern den Personalbedarf um 30.000 Stellen abbauen wolle.

Zeitungsbericht: Sanierungsprogramm verspricht mehr Pendlerverbindungen

Bahnchef Richard Lutz verspricht im 110-seitigen Sanierungsprogramm mehr Pendlerverbindungen oder mehr Sprinter. Zudem will er das Flächennetz neu konzipieren. Ferner sollen die Wendezeiten der Züge verkürzt und weniger ICE in Reserve gehalten werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Europäische Banken: Höhere Zinsen dämpfen bereits die Kreditnachfrage
29.10.2026

Vor ihrer Zinssitzung veröffentlichte die EZB einen Bericht über den Stand der Kreditvergabe der Banken. Daraus geht hervor, dass ihre...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bestattungshandwerk: Warum das Geschäft mit dem Tod wächst
29.10.2026

Rund eine Million Menschen starben 2024 in Deutschland – neun Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Davon profitiert das Bestattungshandwerk...

DWN
Panorama
Panorama Paul Klassen im Porträt: Vom Schweinestall zu Millionen auf dem Konto
29.10.2026

Paul Klassen baut Luxusautos für Kunden, denen selbst Rolls-Royce nicht exklusiv genug ist. Seine Fahrzeuge werden verlängert, gepanzert...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street schließt im Plus – Fed lässt Leitzinsen unverändert
28.10.2026

Bewegte Märkte an der Wall Street: Welche Faktoren die aktuellen Börsenkurse steuern und was Anleger jetzt wissen müssen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das ist Russlands neuer Albtraum
28.10.2026

Das deutsche Verteidigungsunternehmen Helsing bringt zwei neue Luftabwehrraketen und ein KI-gestütztes Abwehrsystem auf den Markt. Ziel...

DWN
Politik
Politik Wahl von AfD-Politikern: Streit um eidesstattliche Erklärung – Rücktrittsforderungen für Schulze
28.10.2026

Die Debatte über den Umgang mit der AfD wird zur Zerreißprobe für die CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt: Aktueller Tiefpunkt ist...

DWN
Finanzen
Finanzen Silber stürzt ab: Schmerzhafte Lektion oder erwartete Chance an einer runden Marke?
28.10.2026

Der Silberpreis ist auf den niedrigsten Stand seit elf Monaten gefallen und liegt inzwischen mehr als 50 Prozent unter seinem Rekordhoch...

DWN
Politik
Politik Analyse: Trump kann nur neidisch sein – Präsident Xi ist bereit für eine vierte Amtszeit
28.10.2026

Im kommenden Jahr soll Xi Jinping eine weitere fünfjährige Amtszeit als mächtiger Präsident Chinas erhalten. In dieser Woche treffen...