Politik

Sabotageverdacht: Bulgarisches Schiff in Ostsee festgesetzt

Nach der Beschädigung eines Unterseekabels in der Ostsee hat Schweden ein bulgarisches Schiff wegen Sabotageverdachts festgesetzt. Der Besitzer des Frachters schließt eine absichtliche Tat aus. Neben Schweden und Lettland ermittelt auch Deutschland. Vorsätzliche Sabotage oder schlechtes Wetter?
28.01.2025 07:33
Aktualisiert: 28.01.2025 07:34
Lesezeit: 3 min

Neue Kabelschäden und erneute Sabotage-Ermittlungen: Ein weiteres Schiff ist in der Ostsee in den Verdacht geraten, ein unterseeisches Kommunikationskabel mit seinem Anker beschädigt zu haben. Die schwedischen Behörden beschlagnahmten den Frachter und nahmen Ermittlungen wegen mutmaßlicher schwerer Sabotage auf. Die Küstenwache ging für Untersuchungen an Bord des Schiffes, während die Eigentümer in Bulgarien den Vorwurf bewusster Sabotage zurückwiesen.

In den vergangenen Monaten ist es mehrmals zu Beschädigungen an Stromleitungen und Kommunikationskabeln in der Ostsee gekommen, darunter gleich zweimal an einem Glasfaserkabel zwischen Helsinki und Rostock. Die Ursache dahinter ist bislang unklar, doch Behördenvertreter verschiedener Ostsee-Länder gehen dem Verdacht nach, dass Schiffe die Kabel am Meeresgrund - möglicherweise absichtlich - mit ihren Ankern gekappt haben.

Der Verdacht besteht, dass Russland zumindest im Fall von Kabelschäden im Dezember mit seiner sogenannten Schattenflotte dahintersteckt. Damit sind Tanker und andere Frachtschiffe mit undurchsichtigen Eigentümerstrukturen gemeint, die der Kreml benutzt, um Sanktionen infolge seines Angriffskriegs gegen die Ukraine etwa beim Öltransport zu umgehen. Gegen Dutzende dieser Schiffe hat die EU Sanktionen erlassen, doch ihr tatsächlicher Umfang dürfte weitaus größer sein.

Kabelschäden trotz Nato-Einsatz

Um Kabel und weitere kritische Infrastruktur in dem Meer besser zu überwachen, hatte die Nato jüngst die Operation "Baltic Sentry" (deutsch: Ostsee-Wachposten) gestartet. Dabei sollen unter anderem Schiffe, Patrouillenflüge, U-Boote, Satelliten und auch Überwachungsdrohnen zum Einsatz kommen. Auch Deutschland beteiligt sich daran.

Nun jedoch weist schon wieder ein Kabel beträchtliche Schäden auf: Es handelt sich diesmal um eines, das zwischen der schwedischen Ostsee-Insel Gotland und der Hafenstadt Ventspils in Lettland verläuft und vom lettischen Rundfunk- und Fernsehzentrum (LVRTC) genutzt wird. Die Schäden traten am Sonntagmorgen in der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone Schwedens auf, ihre Reparatur könnte nach LVRTC-Angaben Tage bis Wochen dauern. Auswirkungen auf die Endnutzer hat dies demnach nicht.

Anders als noch bei Kabelbrüchen im November gehen die Ermittler mittlerweile rigoroser gegen verdächtige Schiffe vor. Wie bereits im Fall der "Eagle S", die von den finnischen Behörden nach den Vorfällen im Dezember festgesetzt wurde und nach EU-Einschätzung Teil der Schattenflotte ist, beschlagnahmten auch die Schweden den nun verdächtigen Frachter. Einsatzkräfte der Küstenwache gingen bereits an Bord des Schiffes, auf dem unter anderem Befragungen der Besatzung geplant waren.

Anhaltspunkte, dass der Frachter Teil der Schattenflotte ist, gibt es bislang nicht. Er soll Berichten zufolge allerdings in einem russischen Hafen in See gestochen sein. Insgesamt sind nach Angaben des lettischen Armee-Chefs Kaspars Pudans im betreffenden Meeresgebiet mehr als 70 Schiffe anwesend gewesen, als der Schaden am Kabel bemerkt wurde. Davon seien sei diejenigen überprüft worden, die sich in Nähe der Schadenstelle aufhielten.

Vorsätzliche Sabotage oder schlechtes Wetter?

Einen Namen des verdächtigen Schiffes nannten die Ermittler bisher nicht. In Bulgarien wurde allerdings bestätigt, dass es sich um die unter maltesischer Flagge fahrende "Vezhen" (deutsche Umschrift: Weschen) handelt. Die bulgarische Seeflotte (BMF) als Eigentümerin des Frachters schloss "vorsätzliche Handlungen" aus. BMF-Exekutivdirektor Aleksandar Kaltschew sagte, zum Zeitpunkt des Vorfalls sei das Wetter "außerordentlich schlecht" gewesen - einer der beiden Anker sei deswegen gefallen. Es sei noch unklar, ob der Frachter den Zwischenfall verursacht habe, da in dem Gebiet auch ein zweites Schiff gewesen sei, sagte Kaltschew.

Die "Vezhen" liegt seit Sonntag südlich von Karlskrona in Südschweden vor Anker, während Schiffe und Boote der schwedischen Küstenwache permanent bei ihm sind. "Dieses Schiff sieht äußerst heruntergekommen aus", berichtete ein Reporter des Rundfunksenders SVT vor Ort. Seinem Sender zufolge sollen Teile des Schiffsankers gebrochen sein. Auch die Nachrichtenagentur TT meldete, dass der Anker auf Backbordseite Schäden aufweise. Offiziell bestätigt wurde dies von Behördenseite bislang nicht.

Für den erneuten Kabelbruch kann es nach Einschätzung des früheren Oberstleutnants Joakim Paasikivi zwei mögliche Erklärungen geben, nämlich natürliche Gründe wie Meeresströmungen oder die Einwirkung eines externen Akteurs. Im letzteren Fall sieht Paasikivi zwei mögliche Alternativen: Entweder handle es sich um einen Unfall oder aber um Absicht - genau das sollten die Ermittlungen klären, sagte er nach TT-Angaben.

Führende Politiker in Europa glauben jedoch nicht an Zufall, dass immer wieder Kabel in der Ostsee auf ganz ähnliche Weise beschädigt werden. Litauens Außenminister Kestutis Budrys forderte nach dem erneuten Vorfall eine Überprüfung der geltenden Vorschriften für die Schifffahrt. "Die Navigationsregeln in der Ostsee müssen überprüft werden, insbesondere im Hinblick auf die Verwendung von Ankern", schrieb er online.

Es habe in der Ostsee in jüngster Zeit zu viele Unfälle gegeben, als dass man weiterhin die Unfalltheorie vertreten könne, schrieb Budrys. "Die Schattenflotte ist nicht nur ein Problem im Hinblick auf die Umgehung von Sanktionen. Es ist eine größere Angelegenheit, die unsere Umwelt und unsere kritische Infrastruktur gefährdet."

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