Technologie

Alexa+ heißt der neue KI-Chatbot: Amazons Antwort auf ChatGPT

ChatGPT und Co haben Amazons Alexa ins Abseits gedrängt. Doch mit einer neuen KI-Version will der Konzern sein Comeback feiern. Alexa+ soll Gespräche auf Augenhöhe führen, den Alltag erleichtern und sich in bestehende Dienste integrieren. Prime-Kunden profitieren besonders – doch reicht das, um gegen Google und Apple zu bestehen?
01.03.2025 09:07
Lesezeit: 3 min

ChatGPT und Co stahlen Amazons Alexa die Show. Eine neue Version kann sich nun mit Nutzern unterhalten. Das Ziel ist ein im Alltag nützlicher KI-Assistent.

Alexa+ kommt

Nachdem KI-Chatbots Amazons Sprachassistentin Alexa in den Schatten gestellt haben, geht der Konzern in die Gegenoffensive. Amazons Antwort auf ChatGPT und Co heißt "Alexa+", soll nur für Prime-Abokunden kostenlos sein und sich fließend mit Nutzern unterhalten können. In Deutschland muss man sich zunächst gedulden: Die neue Alexa gibt es vorerst nur in den USA, eine deutsche Version soll jedoch folgen.

Amazon setzt darauf, dass Alexa eng mit dem Leben der Kunden verknüpft ist – und dadurch nützlicher als andere KI-Programme sein kann. Der Schlüssel sind Millionen vernetzter Lautsprecher des Konzerns unter der Marke Echo. Die meisten davon sind für die neue Software geeignet. Die Vision ist eine Künstliche Intelligenz, die eine Assistenten-Rolle im Alltag übernimmt. Damit dieser Plan aufgeht, müssen jedoch zahlreiche Apps und Dienste mit Alexa verbunden werden.

Selbstständiges Handeln

Dann aber soll die neue Alexa den Nutzern auf Zuruf das Leben erleichtern. Mit dem Auftrag, einen Tisch im "üblichen" Restaurant am Freitag zu reservieren, durchforstet die Software Informationen aus einer Buchungs-App zu früheren Besuchen. Sagt man Alexa, dass der Ofen kaputt ist, sucht sie nach einem Reparaturdienst. In einer weiteren Demonstration teilte Amazons Gerätechef Panos Panay der Software mit, dass seine Frau Vegetarierin ist und keine Erdnussbutter mag. Wenn er Alexa+ künftig um Rezepte "für die Familie" bittet, werde sie das berücksichtigen, betonte er.

Freie Wortwahl

Ein zentraler Unterschied zur bisherigen Alexa ist, dass man sich nicht mehr an bestimmte Begriffe oder Formulierungen halten muss – die Software soll den Sinn des Gesagten erfassen. Auch "Sackgassen", in denen Alexa nicht versteht, was man von ihr will, soll es nicht mehr geben. Stattdessen werde die Software immer weiter nachfragen, bis sie es begreife, sagte Panay. Sagt man Alexa, dass man beim Geschirrspülen Musik hören möchte, schaltet sie den Lautsprecher in der Küche ein.

Mit Prime-Abo günstiger

Die Preisgestaltung zeigt deutlich, dass Amazon die Nutzer von Alexa+ in seinem Prime-Abo sehen will. Es kostet in den USA 14,99 Dollar pro Monat oder 139 Dollar pro Jahr – und allein für die neue Alexa setzte Amazon einen monatlichen Preis von 19,99 Dollar an. Prime-Kunden hätten den Vorteil, dass sie auch Amazons Fotospeicher sowie Musik- und Videostreaming bei Alexa+ einbinden könnten, sagte Panay. Zugleich sei das aber keine Voraussetzung, denn man werde auch Dienste anderer Anbieter, etwa Kalender der Konkurrenz, integrieren können.

Lange Entwicklungszeit

Amazon stellte Alexa 2014 vor und brachte sie mit den Echo-Lautsprechern in viele Haushalte. Doch mit der Veröffentlichung des Chatbots ChatGPT vor gut zwei Jahren wirkten die klassischen Sprachassistenten plötzlich sehr eingeschränkt. Viele nutzen sie gerade einmal, um Timer zu stellen und vernetzte Lampen zu bedienen.

Noch der vorherige Gerätechef Dave Limp kündigte im September 2023 eine Alexa-Version an, mit der man sich unterhalten kann. Doch erst jetzt ist die Software fertig. Laut Panay dauerte es unter anderem länger, fehlerhafte Antworten zu vermeiden. KI-Software ist bekannt für sogenannte "Halluzinationen" – falsche Angaben, die sie einfach erfindet. Damit das nicht passiert, würden die Antworten mehrfach abgeglichen. Die Herausforderung dabei sei, dafür nicht zu viel Zeit zu benötigen.

Viel Konkurrenz

Die neue Alexa-Software tritt nicht nur gegen KI-Chatbots an, sondern auch gegen ähnliche Konzepte von Apple und Google. Der iPhone-Konzern will mit "Apple Intelligence" ebenfalls davon profitieren, dass seine Kunden auf ihren Geräten alle relevanten Daten für einen im Alltag nützlichen KI-Assistenten haben. Und Google setzt darüber hinaus auf seine jahrzehntelange Expertise bei der Internetsuche und der Objekterkennung. Amazon hingegen ist außerhalb des Haushalts darauf angewiesen, dass die Nutzer die Alexa-App mit Informationen versorgen. Ein 2014 wenige Monate vor Alexa präsentiertes eigenes Smartphone stellte Amazon schnell wieder ein.

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