Technologie

Marktmacht für Google vorbei: Einigung mit Kartellamt - Google muss Auto-Dienste öffnen

Das Vorgehen des US-Technologieriesen Google ist dem Bundeskartellamt schon länger ein Dorn im Auge, es fürchtet um den fairen Wettbewerb. Nach Angaben der Bonner Bundesbehörde hat sich der US-Technologiekonzern nun dazu verpflichtet, bestimmte Wettbewerbseinschränkungen bei Digitalprodukten für Autos zu beseitigen.
12.04.2025 14:33
Lesezeit: 2 min

In seinem Einsatz gegen die Marktmacht von Google kommt das Bundeskartellamt voran. Nach Angaben der Bonner Bundesbehörde hat sich der US-Technologiekonzern dazu verpflichtet, bestimmte Wettbewerbseinschränkungen bei Digitalprodukten für Autos zu beseitigen. Mit der Einigung der beiden Parteien wurde ein entsprechendes Verfahren beendet.

Google Maps und Play Store sollen Konkurrenz bekommen

Es geht um die Google Automotive Services. Sie bestehen aus dem Kartendienst Google Maps, dem App-Store Google Play und dem Sprachassistenten Google Assistant. Autohersteller konnten diese drei Komponenten für ihr Infotainment bislang nur als Bündelpaket beziehen und in ihren Fahrzeugen anbieten.

Künftig muss Google sie auch separat voneinander lizenzieren. Dadurch sollen Konkurrenzprodukte besser zum Zuge kommen. Offen ist, ob Autohersteller überhaupt Komponenten verschiedener Anbieter einkaufen wollen oder ob das Bündelprodukt nicht praktischer für sie ist.

„Fahrzeughersteller können künftig zwischen Diensten verschiedener Anbieter frei wählen und diese entsprechend dem Kundenbedarf kombinieren“, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. Das eröffne Chancen für alternative Anbieter, gemeinsam mit Fahrzeugherstellern neue Lösungen für das Infotainment an Bord zu entwickeln.

Amazons Alexa kann künftig Google Maps nutzen

Außerdem werden den Angaben zufolge bestimmte, vom Kartellamt als restriktiv gewertete Vertragsgestaltungen aufgehoben, mit denen Google Anreize für die Nutzung der eigenen Dienste geschaffen hatte. Der US-Konzern verpflichtet sich zudem, die Voraussetzungen zur Interoperabilität zu schaffen. Interoperabilität bedeutet, dass verschiedene Dienste reibungslos zusammenarbeiten, auch wenn sie von unterschiedlichen Anbietern stammen.

Die Stellung der Google-Produkte wird dadurch etwas geschwächt: Es muss künftig möglich sein, dass ein Autobauer auf den Google-Sprachassistenten verzichtet und stattdessen ein Alternativprodukt installiert – etwa die Sprachassistentin Alexa von Amazon, die auf Google-Kartenmaterial zurückgreifen könnte.

Auch Firmenkunden sind betroffen

Ein zweiter Teil des Verfahrens bezog sich auf die Plattform Google Maps, die Firmenkunden – etwa Lieferdiensten – bislang nur eine eingeschränkte Kombination mit Diensten anderer Anbieter ermöglicht hat. Diese Beschränkungen seien jetzt zugunsten einer größeren Flexibilität und Auswahl für die Kundinnen und Kunden aufgehoben, sagte Kartellamtschef Mundt. Dadurch hätten Anwender die Möglichkeit, günstigere Dienste in ihre Apps zu integrieren und eigene Alternativen zu entwickeln.

Von Google hieß es, die eigenen Plattformen und Dienste hätten Entwicklern, Autoherstellern und Verbrauchern immer Innovation und Auswahl geboten. „Unsere Vertragsbedingungen waren Standard in der Wirtschaft und wir werden unsere Kunden bei innovativen und hilfreichen Produkten unterstützen, die für Endnutzer bestimmt sind“, so ein Google-Sprecher.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Schwarz-Rot unter Druck: Ein Jahr Merz-Regierung
04.05.2026

Ein Jahr nach Amtsantritt steht Kanzler Merz unter Druck: Streit in der Koalition, schlechte Umfragen und Reformstau belasten die Regierung...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Integration der Sachsen-Werke verzögert - was das bedeutet
04.05.2026

Bei Volkswagen geraten zentrale Umstrukturierungen ins Stocken, was auch die VW-Aktie beeinflussen könnte. Die geplante Integration der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tegut-Übernahme: Das sind die Folgen für Verbraucher und den Wettbewerb
04.05.2026

Mit dem Verkauf von Tegut steht eine bekannte Supermarktkette vor dem Aus. Die Tegut-Übernahme durch Edeka und Rewe könnte den Wettbewerb...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie gegen Unicredit: Machtkampf um die Zukunft der Commerzbank
04.05.2026

Seit Monaten verteidigt die Commerzbank ihre Eigenständigkeit. Die italienische Unicredit hält das nicht davon ab, den DAX-Konzern unter...

DWN
Finanzen
Finanzen BlackSky-Aktie: 267 Prozent Kursplus und ein gefährlicher Haken
04.05.2026

Die BlackSky-Aktie ist in zwölf Monaten um 267 Prozent gestiegen. Doch hinter dem Hype um Satelliten, KI und Verteidigungsaufträge stehen...

DWN
Panorama
Panorama Studie: Deutsche vertrauen Demokratie – aber mit Zweifel
04.05.2026

Viele Menschen in Deutschland bekennen sich klar zur Demokratie – zumindest in der Theorie. Doch sobald es um die konkrete Umsetzung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreis aktuell: Wird das Thema unter Trump jetzt zur finanziellen Katastrophe?
04.05.2026

Trump bringt den Ölpreis erneut in Bewegung und steht vor zwei schlechten Optionen. Wird aus der Blockade von Hormus nun der nächste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Eurozone: Industriestimmung trotzt externen Belastungen
04.05.2026

Die Industriestimmung in der Eurozone zeigt sich überraschend robust und steigt trotz geopolitischer Risiken weiter an. Doch hinter den...