Wirtschaft

Rotterdam rüstet auf: Bereitet sich Europa heimlich auf den Ernstfall vor?

NATO-Schiffe, Munitionsumschlag, Militärmanöver: Europas größter Hafen wird zur strategischen Drehscheibe – bereitet sich der Kontinent auf den Krieg vor?
10.07.2025 06:03
Aktualisiert: 10.07.2025 07:42
Lesezeit: 1 min
Rotterdam rüstet auf: Bereitet sich Europa heimlich auf den Ernstfall vor?
Rotterdam bereitet sich auf möglichen Krieg mit Russland vor. (Foto: dpa | Peter Dejong) Foto: Peter Dejong

Einziger Umschlagpunkt für Munition in den Niederlanden

Der größte Hafen Europas – Rotterdam – hat mit aktiven Vorbereitungen auf einen möglichen Konflikt mit Russland begonnen. Hafendirektor Boudewijn Siemons bestätigte, dass Liegeplätze für NATO-Kriegsschiffe reserviert werden, regelmäßige Militärübungen geplant sind und die Zusammenarbeit mit dem Hafen Antwerpen intensiviert wird. Der Containerterminal von Rotterdam ist der einzige Ort in den Niederlanden, an dem Munition sicher von einem Schiff auf ein anderes verladen werden kann, schreibt die Financial Times. Angesichts der geopolitischen Lage ist vorgesehen, dass jährlich mehrere Kriegsschiffe für einige Wochen im Hafen anlegen. Darüber hinaus sollen mehrmals im Jahr Manöver stattfinden.

Der Chef der Rotterdamer Hafenbehörde, Boudewijn Siemons, erklärte, man arbeite mit dem benachbarten Antwerpen zusammen, um die Abläufe zu koordinieren – insbesondere für den Fall, dass militärisches Gerät aus Großbritannien, den USA oder Kanada eintreffe. „Nicht jeder Terminal ist für militärisches Gut geeignet. Wenn große Mengen militärischer Ausrüstung transportiert werden müssten, würden wir Antwerpen oder andere Häfen bitten, einen Teil des Verkehrs zu übernehmen – und umgekehrt. Wir sehen uns gegenseitig immer weniger als Konkurrenten. Natürlich konkurrieren wir, wo es nötig ist, aber wir kooperieren, wo es geht“, sagte Siemons.

EU plant Verteidigungshaushalt in Höhe von 800 Milliarden Euro

Die Maßnahmen in Rotterdam sind Teil einer kontinentalen Vorbereitung auf den Ernstfall. Die EU arbeitet an einem Verteidigungsplan im Umfang von bis zu 800 Milliarden Euro – mit dem Ziel größerer Eigenständigkeit, als Reaktion auf den Druck von US-Präsident Donald Trump und zur Abschreckung Russlands. Ein harter Einschnitt für den Hafen war der Rückgang russischer Öllieferungen nach dem Überfall auf die Ukraine. Nun fordert B. Siemons, dass Häfen mehr strategisch relevante Vorräte anlegen sollten – auch medizinische. Rotterdam könne als logistisches Zentrum ein möglicher Standort für solche medizinischen Reserven werden.

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